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Hitlers Geburtshaus soll umgebaut werden: “Das ist eine Umdeutung mit Brachialgewalt”

  • Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann sieht in der Umwidmung von Hitlers Geburtshaus den Versuch einer “Korrektur” des Gedächtnisses.
  • Der Einzug einer Polizeiinspektion würde “historische Relevanz reaktivieren”.
  • Es gibt bessere Beispiele für die Nutzung von Gebäuden mit NS-Geschichte.
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Frau Assmann, die Wiener Regierung will Hitlers Geburtshaus in Braunau umbauen, es zur Polizeistation machen und so vor der Geschichte “neutralisieren”. Ist so etwas möglich?

Warum diese Anstrengung einer Neutralisierung des Geburtshauses? Vielleicht zugunsten einer kleinen Korrektur im kulturellen Gedächtnis: Ludwig van Beethoven war Österreicher, Adolf Hitler war Deutscher? Aber im Ernst: Eine so aufgeladene Geschichte lässt sich nicht mit einem politischen Beschluss aus der Welt schaffen.

Die Umnutzung von bedeutenden Gebäuden des Nationalsozialismus ist doch auch in Deutschland geschehen.

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Was die Polizei betrifft: In Stuttgart zum Beispiel zog nach 1945 in das Hotel Silber, das den Nationalsozialisten als Gestapozentrale gedient hatte, die Polizei ein. Ohne diese Geschichte aufzuklären und aufzuarbeiten, wurde es wieder zu einer Zentrale der Macht. Heute ist das Haus ein Ort des Lernens und der Begegnung, mit einer Dauerausstellung über die politische Verfolgung durch die Polizei von 1928 bis 1984. Das bedeutet Bruch statt Kontinuität. In Braunau ist es etwas anders. In diesem Fall bedeutet der Einzug der Polizei: Umdeutung mit Brachialgewalt. Aber die Logik des Gedächtnisses ist komplizierter.

Das Haus ist kein Täterort, auch kein Wallfahrtsort für Neonazis. Hat es überhaupt irgendeine Bedeutung im kulturellen Gedächtnis?

Das Haus ist kein Schauplatz der Geschichte, aber ein aktiver Tummelplatz für Vorstellungen und Fantasien von Menschen. Auch eine Leerstelle kann eine Rolle im kulturellen Gedächtnis spielen.

Welche Rolle kommt solchen eigentlich zufälligen Orten ohne wirkliche historische Relevanz zu?

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Die Bedeutung des Hauses als Geburtshaus Hitlers besteht nicht vorrangig in seiner materiellen historischen Substanz, aber diese stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz. Ein Umbau würde sich über diese Grundsätze hinwegsetzen. Mit einem Umbau würde die historische Relevanz des Gebäudes nicht neutralisiert, sondern unweigerlich reaktiviert.

Trägt es nicht sogar zur Entdämonisierung Adolf Hitlers bei, dass ein Geburtshaus existiert – und ist es dann nicht kontraproduktiv, es architektonisch unkenntlich zu machen?

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Wie gesagt: Die Logik des Gedächtnisses ist komplizierter. Neutralisieren geht nicht durch Vergessen, sprich Umbiegen, Umfälschen, Umbesetzen, sondern durch bewusstes Erinnern, sprich Aufklärung, aktive Auseinandersetzung – und durch politische Bildung der jüngeren Generation.

RND




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