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  • Hinrichtungen in den USA: Trump ließ 2020 mehr Menschen exekutieren als alle Bundesstaaten

Trump-Regierung ließ 2020 mehr Menschen hinrichten als alle Bundesstaaten

  • Zehn Menschen hat die Trump-Regierung in diesem Jahr hinrichten lassen.
  • Die US-Bundesstaaten vollstreckten die Todesstrafe siebenmal.
  • Das letzte Mal, dass die Regierung mehr Menschen hinrichten ließ als die Staaten, war im 19. Jahrhundert.
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Chicago. Die US-Regierung hat erstmals in der Geschichte mehr Hinrichtungen vollstreckt als die Bundesstaaten zusammen. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Death Penalty Information Centers hervor. Unter Präsident Donald Trump vollstreckten die Bundesbehörden in diesem Jahr zehn Hinrichtungen, nachdem sie 17 Jahre lang keine ausgeführt hatten. Dies war laut dem Bericht die höchste Zahl an Hinrichtungen durch die Washingtoner Regierung seit dem 19. Jahrhundert.

Die Bundesstaaten, die noch Hinrichtungen vollstrecken, führten im laufenden Jahr sieben Exekutionen durch, bevor manche Staaten wegen der Corona-Pandemie auf die Bremse traten. Im vergangenen Jahr hatten die Staaten 22 Todesurteile vollstreckt.

„Wir haben dies nie zuvor gesehen. Wir haben nie damit gerechnet, es zu sehen. Und es könnte lange dauern, bis wir es jemals wieder sehen“, sagte Robert Dunham, der Chef des in der Hauptstadt Washington ansässigen Zentrums. Das Zentrum stellt sich nach seinen Angaben in der Debatte über die Todesstrafe nicht auf eine Seite, hat aber die Art kritisiert, wie Bundesstaaten und die Washingtoner Regierung sie vollstrecken und unter anderem auf Probleme wie eine Ungleichbehandlung im Hinblick auf die Hautfarbe verwiesen.

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Trump will drei weitere Menschen hinrichten lassen

Trumps Regierung plant bis zur Amtseinführung des neuen Präsidenten Joe Biden am 20. Januar drei weitere Hinrichtungen. Der Demokrat Biden ist ein Gegner der Todesstrafe.

Unter den Personen, deren Hinrichtung ansteht, ist die einzige Frau in den Todestrakten der Bundesbehörden. Sie war für schuldig befunden worden, 2004 eine 23-jährige Schwangere erwürgt zu haben und deren ungeborene Tochter mit einem Küchenmesser aus ihrem Bauch geschnitten zu haben. Wenn sie wie geplant am 12. Januar hingerichtet wird, wäre sie die erste Frau in rund sechs Jahrzehnten, an der die Bundesbehörden die Todesstrafe vollstrecken. Die letzte Hinrichtung der Bundesbehörden ist für den 15. Januar geplant.

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Von den Hinrichtungen der Bundesstaaten wurden dieses Jahr drei in Texas ausgeführt und je eine in Alabama, Georgia, Missouri und Tennessee, wie aus dem Bericht hervor geht.

In einer Umfrage des Instituts Gallup sprachen sich laut dem Bericht 43 Prozent der Befragten gegen die Todesstrafe aus - der höchste Anteil, den Gallup seit 1966 registrierte. 55 Prozent sprachen sich für die Todesstrafe aus, doch Dunham sagte, die meisten US-Amerikanerinnen und -Amerikaner hätten „differenzierte Ansichten“. Vielen, die sich theoretisch für die Todesstrafe aussprächen, finden sie in der Praxis nicht gut.

Bei der Zahl der Bundesstaaten, die die Todesstrafe vollstrecken, gibt es laut dem Bericht auf längere Sicht einen Trend nach unten. Derzeit hätten 34 Staaten die Todesstrafe abgeschafft oder sie seit mindestens einem Jahrzehnt nicht mehr vollstreckt.

RND/AP

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