Hilfen für Moria: Eine Lösung, die beschämt und Wut auslöst

  • Von den knapp 13.000 Flüchtlingen aus Moria werden 400 unbegleitete Minderjährige auf die übrigen EU-Staaten und die Schweiz verteilt.
  • Und selbst bei dieser Minimallösung machen 18 von 27 EU-Staaten nicht mit.
  • Das ist erschütternd, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. Was gestern richtig war, ist heute nicht falsch. Und richtig ist, dass die Flüchtlingspolitik so europäisch organisiert sein sollte wie möglich. Das galt vor dem verheerenden Brand in dem griechischen Lager Moria. Es gilt auch danach. Es gilt aber nur so lange, wie die Lösungen in einem angemessenen Verhältnis zu den Problemen stehen – und noch auf den Grundsätzen jener Humanität beruhen, auf denen die Europäische Union gegründet worden ist. Davon kann im aktuellen Fall keine Rede sein.

Von den knapp 13.000 obdachlosen Asylsuchenden sollen 400 unbegleitete Minderjährige auf die übrigen EU-Staaten und die nicht zum Staatenbündnis gehörende Schweiz verteilt werden. Der Rest wird mit Feldbetten und Klopapier abgespeist. Später soll in Moria ein neues Lager entstehen, euphemistisch “Zentrum” genannt. Wann das sein wird? Ungewiss. Unterdessen irren die Heimatlosen auf Lesbos umher, angefeindet von den Einheimischen und ohne jede Perspektive.

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RND-Reporterin auf Lesbos: “Die Menschen betteln um Wasser”
1:35 min
Nach den Bränden im griechischen Flüchtlingslager Moria harren die Menschen nun auf Straßen und Feldern aus. Die versprochene Hilfe lässt auf sich warten.  © RND
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Selbst zur Einhaltung eines menschlichen Mindeststandards erklären sich lediglich neun Mitgliedsstaaten bereit – und 18 nicht. Diese 18 sind aus der Wertegemeinschaft namens EU offenbar längst ausgetreten. Das Bild, das die EU abgibt, beschämt. Und es löst Wut aus.

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Tausende Flüchtlinge harren auf Lesbos im Freien aus
1:52 min
Nach dem verheerenden Brand in dem Flüchtlingslager Moria harren auf der griechischen Insel Lesbos Tausende Migranten den dritten Tag in Folge im Freien aus.  © Reuters

In Deutschland sollen 100 bis 150 Minderjährige ankommen; die Zahl entspricht ungefähr jener Zahl von Städten und Gemeinden, die zur Aufnahme von weitaus mehr als einem Flüchtling bereit wären. Allein Thüringen und Berlin würden zusammen 800 nehmen. In einer existenziellen Ausnahmesituation wird weniger Humanität organisiert, als machbar wäre. Ja, sie wird gezielt hintertrieben.

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Keine Sonderkonferenz der EU-Innenminister findet statt, erst recht kein Krisengipfel der Staats- und Regierungschefs. Stattdessen wird längst daran gearbeitet, Moria als abschreckendes Beispiel zu restaurieren. Nein, zynischer geht es nicht mehr.

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