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Nach Explosion in Beirut: Deutschland bietet Hilfe durch Bundeswehr an

  • Nach der verheerenden Explosion in Beirut haben mehrere Länder dem Libanon ihre Hilfe angeboten - darunter auch Deutschland.
  • Die EU hat Hilfsgelder zugesagt, Frankreichs Präsident Macron ist in Beirut eingetroffen.
  • Israel bietet an, auf Zypern zu helfen.
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Die Bildkollage zeigt die Docks des Hafens in Beirut: Vor und nach der gewaltigen Explosion in der libanesischen Hauptstadt.  @ Quelle: Copyright (c)cnes 2020, Distribu
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Berlin. Deutschland hat nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut einen größer angelegten Hilfseinsatz der Bundeswehr in dem Land angeboten. Dazu wurde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch der für den Transport Schwerverletzter ausgerüstete Luftwaffen-Airbus A310 "MedEvac" bereitgestellt.

Geprüft wurde am Donnerstag auch, ob das Luftlanderettungszentrum der Bundeswehr – eine mobile Sanitätseinrichtung – aufgebaut werden kann. Ein Erkundungsteam des Sanitätswesens der Bundeswehr soll die Lage in Beirut kurzfristig vor Ort prüfen und eingeflogen werden.

Geplant ist auch, die Korvette "Ludwigshafen am Rhein" aus dem laufenden Einsatz der UN-Libanon-Truppe (Unifil) von Zypern aus nach Beirut zu verlegen. Geprüft wird aber noch, ob dies von libanesischer Seite gewünscht ist.

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Hilfe aus Deutschland für den Libanon
1:23 min
Einsatzkräfte aus Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland sowie Material des Technischen Hilfswerks starteten nach Beirut.  © Reuters

Nach Angaben der libanesischen Regierung vom Vorabend wurden mehr als 130 Menschen getötet, etwa 5000 wurden verletzt. Geschätzt wird, dass bis zu 250.000 Einwohner ihre Wohnungen verloren haben.

Steinmeier sagt weitere Hilfe zu

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seinem libanesischen Amtskollegen Michel Aoun weitere deutsche Unterstützung nach der verheerenden Explosion in Beirut angeboten. In einem Telefongespräch mit Aoun sprach er den Opfern und ihren Angehörigen sein tiefes Beileid aus und versicherte der libanesischen Bevölkerung die Solidarität Deutschlands, wie das Bundespräsidialamt am Donnerstag mitteilte.

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Aoun berichtete demnach von einem dringenden Bedarf an medizinischen Hilfsgütern für Operationen. Er bedauerte den Angaben zufolge, dass auch die deutsche Botschaft in Beirut, ihre Mitarbeiter und das Goethe-Institut von den Folgen der Explosion betroffen seien.

Beide Staatsoberhäupter seien sich einig gewesen, dass ärztliche Unterstützung und die Versorgung der vielen obdachlos gewordenen Menschen nun oberste Priorität habe. Steinmeier habe auch die Hoffnung ausgedrückt, dass die libanesische Gesellschaft in dieser schweren Stunde wieder zusammenfinde.

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33 Millionen der EU

Die EU hat Nothilfe in Höhe von mehr als 33 Millionen Euro zugesagt. Mit dem Geld soll zum Beispiel medizinische Ausrüstung finanziert werden, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Donnerstag nach einem Gespräch mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Hassan Diab mitteilte.

Weitere Hilfen könnten je nach Einschätzung der humanitären Lage vor Ort folgen, hieß es. Von der Leyen bot dem Libanon zudem die Unterstützung der EU beim Wiederaufbau des zerstörten Teils der Stadt an.

Macron in Beirut eingetroffen

Unterdessen ist der französische Präsident Emmanuel Macron, der zuvor in Südfrankreich Ferien gemacht hat, in Beirut eingetroffen. Macron hatte bereits unmittelbar nach der Katastrophe im Hafen von Beirut Unterstützung zugesagt. In Frankreich, das als frühere Mandatsmacht immer noch eng mit dem Libanon verbunden ist, löste die Katastrophe Trauer und Entsetzen aus.

Macron will nun nach eigenen Angaben eine “Botschaft der Brüderlichkeit und der Solidarität der Franzosen” überbringen.

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RND-Videoschalte: EU-Parlamentarier Gahler warnt vor Zusammenbruch Libanons
7:01 min
Der CDU-Europa-Abgeordnete Michael Gahler fürchtet einen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung im Libanon.  © RND

Esper spricht nach Explosion von Unfall

Derweil geht US-Verteidigungsminister Mark Esper bei der Explosion von einem Unfall aus. Die verfügbaren Informationen erlaubten noch kein abschließendes Bild, die “meisten” Quellen gingen aber von einem Unfall aus, sagte Esper am Mittwoch (Ortszeit). “Es ist natürlich eine Tragödie.” Die US-Regierung sei im Gespräch mit dem Libanon, um zu sehen, wie die USA helfen könnten, sagte Esper per Video beim Aspen-Forum für Sicherheitspolitik.

US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf seine “Generäle” erklärt, es habe sich vermutlich um einen Anschlag gehandelt. Seine Berater “scheinen zu denken, dass es ein Anschlag war, dass es eine Art von Bombe war”, sagte Trump im Weißen Haus. Trumps Bemerkung sorgte für Irritationen, weil er damit auch den Angaben der libanesischen Behörden widersprach.

WHO bringt Hilfsgüter

Zur Unterstützung der Verletzten hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 20 Tonnen Hilfsgüter in den Libanon gebracht. Damit könnten Hunderte Menschen mit Brand- und anderen Verletzungen versorgt werden, berichtete die WHO am Donnerstag. Das Material stamme aus einem Lager in Dubai.

Drei Krankenhäuser in Beirut seien so zerstört, dass in ihnen nicht mehr gearbeitet werden kann, zwei weitere seien bei der Explosion am Dienstag teils beschädigt worden. Verletzte würden auf Krankenhäuser im ganzen Land verteilt. Viele Einrichtungen seien von der Zahl der Patienten überwältigt, so die WHO.

Israel will Verletzte auf Zypern helfen

Israel will bei der Versorgung von Opfern helfen, sollten welche von ihnen nach Zypern ausgeflogen werden. Entsprechende Medienberichte aus Israel bestätigte am Donnerstag ein Sprecher der zypriotischen Regierung. Kyriakos Koushos sagte der Deutschen Presse-Agentur, die israelische Regierung habe mitgeteilt, sie sei bereit, medizinisches Personal nach Zypern zu entsenden, sollten Verletzte aus dem Libanon auf die Insel gebracht werden.

Die Zeitung “Jedioth Ahronoth” hatte zuvor berichtet, das Scheba-Krankenhaus bei Tel Aviv arbeite daran, ein Team zusammenzustellen, das nach Zypern fliegen könnte. Die Insel ist etwa 40 Flugminuten vom Libanon entfernt.

Kurz nach der Explosion hatten libanesische Regierungsvertreter Hilfsangebote Israels abgelehnt. Krankenhäuser im Norden Israels hatten sich bereit erklärt, Verletzte zu behandeln. Libanesen sind jegliche Kontakte mit Israelis verboten.

Offiziell im Krieg

Die Nachbarländer befinden sich offiziell noch im Krieg. Zuletzt hatten an der Grenze die Spannungen zwischen der israelischen Armee und der Schiitenmiliz Hisbollah zugenommen. Die Hisbollah ist an der libanesischen Regierung beteiligt. Sie wird vom Iran unterstützt, dem Erzfeind Israels.

Solidaritätsbekundungen wie das Erleuchten des Rathauses von Tel Aviv in den Nationalfarben Libanons stießen in Israel vor allem bei rechten Politikern auf große Kritik. Einem Bericht der Zeitung “Haaretz” zufolge sagte etwa Jerusalem-Minister Rafi Peretz, dem Libanon humanitäre Hilfe anzubieten sei richtig. Die Fahne eines verfeindeten Staates im Herzen Tel Avivs wehen zu lassen, sei aber moralisch fragwürdig.

RND/dpa

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