Herr Böhmermann, bitte einmal ins Abkühlbecken!

  • TV-Komiker Jan Böhmermann hat Horst Seehofer bei Twitter drastisch verunglimpft.
  • Auch wenn man den Bundesinnenminister ganz sicher kritisieren kann, ist er damit zu weit gegangen, kommentiert Christian Burmeister.
  • Mit solchen Ausfällen schadet der 39-Jährige nicht nur sich selbst massiv.
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Berlin. Der TV-Satiriker Jan Böhmermann ist einer der einflussreichsten politischen Köpfe in Deutschland. Vor allem mit seinen mehr als zwei Millionen Followern bei Twitter und pointierten Beiträgen nimmt er erheblichen Einfluss auf die öffentliche Debatte. In dieser Hinsicht kann er es locker mit einigen prominenten Politikern oder Journalisten aufnehmen. Nun hat er mal wieder Innenminister Horst Seehofer (CSU) ins Visier genommen: “Fick dich, Opa!” schleuderte er ihm per Kurznachricht entgegen und setzte mit Blick auf die bei Twitter zahlreich vertretenen Medienleute nicht ganz uneitel hinzu: “Darf gerne für die Berichterstattung verwendet werden."

Nun kann man Seehofer für seine erneute Weigerung, eine Rassismusstudie bei der Polizei zuzulassen, durchaus kritisieren. Was Böhmermann getan hat, war aber in mehrfacher Hinsicht problematisch, auch wenn er den Tweet nach einigen Stunden wieder gelöscht hat: Der beim ZDF beschäftigte 39-Jährige steht so stark in der Öffentlichkeit, dass man von ihm eine gewisse Vorbildfunktion erwarten darf – oder zumindest, dass er Respektlosigkeit und eine Verrohung der Sprache im Allgemeinen und gegenüber demokratischen, gemäßigten Politikern im Speziellen nicht noch befeuert. Herr Seehofer ist sicher nicht Erdogan oder ein pöbelnd-provozierender AfD-Provinzpolitiker.

Regulieren wollen, aber selbst pöbeln – das macht sich nicht gut

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Kann man das aber sogar noch als Geschmacksfrage betrachten, wird es an anderer Stelle geradezu fatal: Durch diesen Tweet hat Böhmermann sich und damit ein Stück weit auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen angreifbar und auch unglaubwürdig gemacht. Seit Langem tritt Böhmermann dafür ein, Facebook und Twitter zu verstaatlichen, um dort menschenverachtende Äußerungen besser regulieren zu können. Da macht es sich nicht gut, wenn man selbst herumpöbelt und so auch die um sich greifende Lagerbildung weiter verschärft.

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Vielleicht sollte sich der heiß gelaufene Comedian mal eine Twitter-Auszeit gönnen oder in den digitalen Netzwerken zumindest etwas kürzertreten, um “herunterzukühlen” und den Blick wieder zu weiten. Seine neue Sendung im ZDF bietet ihm ja auch so schon eine ziemlich große Bühne.

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