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Streeck bei Lanz: „Wir haben keine Ziele, wie wir in die Endemie reinkommen“

  • Am Freitag treffen sich Bund und Länder, um über das weitere Vorgehen gegen Corona zu beraten.
  • Vorher kritisiert Virologe Hendrik Streeck im TV-Talk von Markus Lanz die deutschen Pandemiepläne.
  • Außerdem argumentiert er gemeinsam mit Linken-Politiker Gregor Gysi gegen die allgemeine Impfpflicht.
Tobias Dinkelborg
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Hannover/Berlin. Der Freitag ist wieder einmal ein Tag der Entscheidung. Bund und Länder beraten über den weiteren Umgang mit Corona und besonders der Omikron-Welle: Unter anderem stehen die Ausweitung der 2G- sowie 2G-plus-Regel und Änderungen von Quarantäne- und Isolationsregeln im Fokus. Deshalb drehte sich am Donnerstagabend auch im TV-Talk von Markus Lanz – fast – alles um die Pandemie.

Geladen waren neben dem Linken-Politiker Gregor Gysi auch die Journalistin Eva Quadbeck, stellvertretende Chefredakteurin des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), der Virologe Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung der Universität Bonn und Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung, und die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU).

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Am meisten ließ Streeck aufhorchen, als er sagte: „Wir haben keine Ziele, wie wir in die Endemie reinkommen.“ In Deutschland gebe es Pandemiepläne, die vor allem in den ersten Phasen genau definiert seien, aber immer verschwommener würden, je länger die Pandemie dauere. „Es wird ein schleichender Übergang sein“, betonte der Virologe. „Wir werden im Frühjahr einen Abfall der Infektionszahlen haben, aber dann beginnt die harte Arbeit. Dann muss man die kurzfristigen und langfristigen Ziele stecken, das Gesundheitssystem krisenresilienter zu machen, wir müssen weiter mit der Impfkampagne gehen und sehen, ob man angepasste Impfstoffe bei Omikron hat.“

Eine allgemeine Impfpflicht lehnte Streeck ab, „weil wir sehen, dass sich auch Geboosterte infizieren können und der Impfschutz nach drei Monaten nachlässt“. Er forderte, stattdessen „im Herbst und Winter“ vor allem Risikopatientinnen und -patienten gezielt zu impfen, um sie vor einer Ansteckung zu bewahren. Im Fall von jüngeren Menschen reiche es, sie vor schweren Verläufen zu schützen.

Linken-Politiker Gysi argumentierte ebenfalls gegen die Impfpflicht. „Was man nicht leisten kann, soll man nicht machen“, sagte er. Es gebe keine Kapazitäten, um eine solche Pflicht durchzusetzen und zu sanktionieren. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wolle, betonte Gysi, diese Pflicht; er wolle auch Bußgelder. „Aber er will kein Gefängnis. Da irrt er sich.“ Denn: Wer Bußgelder nicht bezahle, müsse in Erzwingungshaft.

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Streeck: „Wir müssen mit einer enormen Welle rechnen“

RND-Journalistin Quadbeck bezeichnete die Impfpflichtdebatte als „die verlogenste Debatte, die ich in den 20 Jahren, in denen ich Politikberichterstattung mache, erlebt habe“. Sie trage zum Vertrauenslust in die Politik bei. Und Gysi ergänzte: „Die Leute sind so misstrauisch geworden. Es muss uns mehr einfallen.“

Mit dem Blick auf die am Freitag anstehenden Corona-Beratungen forderte Virologe Streeck eine gute Vorbereitung auf die zu erwartenden Folgen der Omikron-Welle. Nicht mehr die Intensivstationen seien das Nadelöhr. Es gehe nun vielmehr um eine rasant steigende Belegung auf den Normalstationen. „Wir müssen mit einer enormen Welle rechnen“, sagte Streeck, „auch bei Geimpften, vor allem bei zweifach Geimpften.“ Den Vorschlag, die Quarantänezeiten zu verkürzen, bezeichnete er als „sehr gut“.

Gesprochen wurde zu Beginn der Sendung auch über die Auswirkungen der Omikron-Variante auf die Schulen. Wer enge Kontaktperson einer mit Omikron infizierten Person sei, müsse – sofern geboostert oder ohne Symptome – nicht in Quarantäne, sagte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Prien. Weil viele Jugendliche und alle Grundschulkinder noch keine Auffrischungsimpfung erhalten haben, sei es gut, dass sich „enge Kontaktpersonen nach sieben Tagen freitesten können“.

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