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„Der Tag“

Hat der Kalte Krieg nie aufgehört?

Russlands Präsident Wladimir Putin.

Russlands Präsident Wladimir Putin.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wenn der Mensch sich die komplexe Gegenwart zu erklären versucht, blickt er gern in die Vergangenheit. Das ist so, seit Geschehnisse in mündlicher Überlieferung von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Auch im aktuellen Konflikt um die Ukraine sieht man diese Tendenz. Schon 2014 zog Wolfgang Schäuble, damals noch Bundesfinanz­minister, den Vergleich von Putins Besetzung der Krim zu Hitlers Vorgehen im Sudetenland. Und tatsächlich ist die Analogie noch heute reizvoll. Sie zieht eine Verbindung vom Münchner (1938) zum Minsker Abkommen (2015) und erzählt vom scheiternden Appeasement gegenüber dem landhungrigen Machthaber. Sie gibt einer komplexen Erzählung einen interpretativen Rahmen und der Sorge vor einem neuen Weltkrieg mehr Gewicht.

Historiker und Historikerinnen werden aber wahrscheinlich im Rückblick auf den Krieg in der Ukraine weniger eine Analogie sehen als vielmehr eine Fortschreibung. Der Zusammenbruch der Sowjetunion 1989, er war womöglich doch nicht das Ende des Kalten Krieges und schon gar nicht „das Ende der Geschichte“, das der politische Philosoph Francis Fukuyama vor 30 Jahren sah.

Noch immer stehen sich zwei Blöcke gegenüber

Schon der Zeitraum von 1945 bis 1989 war geprägt von unterschiedlichen Phasen. Block­bildung, heiße Phase zwischen Korea-Krieg und Kuba-Krise, Bemühungen der Abrüstung in den 1960er- und 1970er-Jahren und die erneute Verschärfung des Konflikts in den Achtzigern.

Sicher, der Systemfeind Kommunismus, ihn gibt es heute in dieser Form nicht mehr. Aber an der grundsätzlichen Dynamik zweier Machtblöcke in Ost und West, der Fähigkeit beider Lager, sich dank zahlloser Atomwaffen gegenseitig zu vernichten, der unausgesprochenen Einigung, militärische Konflikte nie direkt gegeneinander, sondern stets über Stellvertreter auszutragen, hat sich nichts geändert.

Die aktuelle Phase des Kalten Krieges könnte dann geprägt sein vom Niedergang Russlands und dem Aufstieg Chinas als neuem Gegengewicht des Westens. Mein Kollege Sven Christian Schulz hat mit zwei Russland-Experten gesprochen, und diese zeichnen ein düsteres Bild der russischen Zukunft. Zwar werde das System Putin nicht implodieren, seine Macht über das Land nicht brechen, doch der Schaden, den der Konflikt um die Ukraine und die westlichen Sanktionen dem Land zufügten, sei dennoch zu groß. „Die größte langfristige Heraus­forderung für die Weltordnung geht von China aus“, sagte auch US-Außenminister Antony Blinken kürzlich in einer Grundsatzrede. Russland hat sich ins Aus manövriert.

 

Zitat des Tages

Wenn der Torwart beim Gegner Man of the Match ist, ist immer ’ne Scheißnachricht.

Jürgen Klopp,

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Jürgen Klopp konnte den Siegerpokal der Champions League gestern nicht in den Händen halten. Sein FC Liverpool verlor das Finale der Königsklasse mit 0:1 gegen Real Madrid. Das Spiel war mit über einer halben Stunde Verspätung angepfiffen worden, weil es beim Einlass der Fans Probleme gegeben hatte.

 

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Ihr Paul Berten

 

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