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Vor dem Lockdown: Die letzte Chance, das Massensterben zu vermeiden

  • Offiziell ist noch nichts entschieden, aber die Anzeichen verdichten sich, dass die Politik das Land in einen zweiten Lockdown schicken wird.
  • Angesichts der Infektionslage bleibt den Regierungschefs keine andere Wahl, kommentiert Andreas Niesmann.
  • Auch wenn die Entscheidung für viele Menschen bitter ist.
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Berlin. Machen wir uns nichts vor: Der zweite Lockdown wird kommen, und zwar schnell und hart. Wenn an diesem Sonntag die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin zusammenkommen, haben sie keine Wahl.

Die Corona-Infektionszahlen sind in der vergangenen Woche derart gestiegen, dass ein Kontrollverlust droht. Was das bedeutet, kann man in den USA sehen, wo derzeit 3000 Corona-Tote am Tag gemeldet werden.

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Spahn wirbt für Corona-Impfung – bis Ende 2021 könnten alle geimpft werden
2:43 min
Zusammen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ließ sich der Ministerpräsident Markus Söder durch die Impfstation auf dem Nürnberger Messegelände führen.  © Reuters
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Auch in Deutschland ist ein Massensterben nicht mehr zu vermeiden, wenn die Politik nicht entschieden gegensteuert. In Sachsen warnen Klinikchefs bereits davor, bei ungebremster Entwicklung spätestens Weihnachten die Triage anordnen zu müssen. Ärzte würden Patienten bei Ressourcenknappheit nach dem Schweregrad ihrer Erkrankung sortieren.

Die Überlebenswahrscheinlichkeit würde darüber entscheiden, wer eine Behandlung bekommt und wer nicht. Niemand kann eine solche Situation wollen – und an Weihnachten erst recht nicht.

Wir müssen uns einschränken

Also werden wir uns einschränken müssen. Das kleinste Opfer ist die vorzeitige Schließung der Schulen. In den meisten Bundesländern hätten die Ferien ohnehin in der kommenden Woche begonnen, ein paar Tage Unterricht weniger werden den Lernerfolg nicht gefährden. Auch die Eltern werden die Betreuung organisiert bekommen. Bei Kitas sieht die Sache schon komplizierter aus. Kleinkinder sind betreuungsintensiver als Schüler, auch haben die meisten Einrichtungen in normalen Zeiten nicht so lange Weihnachtsferien wie Schulen. Eltern werden zu Hause bleiben müssen – und auf Verständnis sowie Flexibilität ihrer Arbeitgeber hoffen.

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Bitter wird die Entscheidung für den Handel. Das umsatzträchtige Weihnachtsgeschäft befindet sich in vollem Gange, die Händler hofften auf einen halbwegs versöhnlichen Abschluss nach einem verkorksten Jahr. Corona macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Die Frage ist nicht mehr, ob Boutiquen und Shoppingcenter ihre Türen schließen müssen, sondern nur noch wann. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Politik auch hier auf Tempo setzen wird. Torschlusspanik und volle Innenstädte am vierten Adventswochenende werden die Regierungschefs vermeiden wollen – zu Recht.

Unbeantwortet ist die Frage nach dem eigentlichen Weihnachtsfest. Viele Länder werden von der bereits verkündeten Lockerung der Kontaktbeschränkungen an den Feiertagen abweichen. Bei fünf Personen statt zehn liegt dann die Obergrenze für das private Fest. Jeder Einzelne wird für sich persönlich die Frage beantworten müssen, ob er das Limit ausreizt. Ganz allein sollte niemand unter dem Baum sitzen müssen, ansonsten aber spricht vieles dafür, die Feiertage im allerengsten Familien- und Freundeskreis zu verbringen.

Die kurzfristigen Aussichten sind düster, aber es kommen wieder bessere Zeiten. Mit etwas Glück schon im neuen Jahr.

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