Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

“Hart aber fair”: “Die Wahrscheinlichkeit, an Corona zu erkranken, ist extrem gering”

“Hart aber fair”: Frank Plasberg spricht mit Experten über das Coronavirus.

“Hart aber fair”: Frank Plasberg spricht mit Experten über das Coronavirus.

Berlin. Mehr als 150 Menschen in Deutschland haben sich bereits mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert. Das öffentliche Interesse am Thema – manche würden es Hysterie nennen – ist groß. So groß, dass das Erste am Montag sein Programm geändert und Frank Plasberg seine “Hart aber fair”-Gäste bereits um 20.15 statt um 21 Uhr empfangen hat.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das Thema

Doch bevor die Gäste zum Thema “Zwischen Hysterie und begründeter Angst: Wie gefährlich ist das Coronavirus?” diskutieren konnten, war zunächst eine 30-minütige Reportage zur aktuellen Situation in Deutschland zu sehen. Viel zu sehen gab es allerdings nicht, zumindest in der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg – leere Straßen, leere Dönerbude, leere Hausarztpraxis, weil auch der Arzt in Quarantäne muss. Genau wie rund 1000 weitere Menschen im Landkreis.

Gähnende Leere auch in Supermarktregalen: Nudeln, Toilettenpapier und Desinfektionsmittel sind dank Hamsterkäufen vielerorts ausverkauft. Doch es gibt Entwarnung: Es herrsche keine Unterversorgung, man könne alles zügig nachbestellen, sagt ein Supermarktchef aus Stuttgart. Die Reportage zeigt eine Situation zwischen augenscheinlich gesunden Menschen in Quarantäne und ausgelasteten Kliniken, zwischen abgesagten Konzerten und unerschrockenen Stadionbesuchern.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Gäste

Karl-Josef Laumann: Der Gesundheitsminister Nordrhein-Westfalens (CDU) bezeichnet es als blamabel, dass in einem Gesundheitssystem wie dem deutschen medizinische Ausrüstung wie Atemmasken fehlt. Doch er sagt auch: “Wir haben schon ein gewaltiges Gesundheitssystem mit einer hohen Ärztedichte.”

Prof. Dr. Alexander Kekulé: Der Virologe und Seuchenexperte ist optimistisch: “Das politische Berlin scheint mir aus dem Dornröschen-Schlaf erwacht zu sein.”

Dr. Susanne Johna: Die Internistin und Pandemiebeauftrage der Bundesärztekammer würde sich wünschen, dass das deutsche Gesundheitssystem besser aufgestellt ist. “Wir brauchen die Zimmer, und wir brauchen das Personal.”

Prof. Dr. Joachim Kugler: Der Gesundheitswissenschaftler kritisiert, dass Medikamente günstig in China oder Indien produziert werden, was Lieferengpässe zur Folge habe. “Deutschland war mal die Apotheke der Welt. Heute haben wir 300 Medikamente, die seit Monaten nicht lieferbar sind”, sagt er.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Annabel Oelmann: Die Reiseexpertin der Verbraucherzentrale Bremen sagt: “Die reine Angst reicht nicht aus, um eine Reise kostenfrei zu stornieren. Aber es gibt viel Kulanz in den betroffenen Regionen.”

Prof. Borwin Bandelow: Der Psychiater und Experte für Angsterkrankungen bemerkt: “Wenn immer eine neue Gefahr kommt, die auch noch unbeherrschbar erscheint, führt das bei der Bevölkerung dazu, dass wir uns Horrorszenarien wie in Filmen erträumen. Die Panik macht sich in Deutschland breit.”

Coronavirus: Wie kann ich mich schützen?

Die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen, um sich gegen das Coronavirus zu schützen.

Darüber wurde diskutiert

Viel diskutiert wurde nicht, vielmehr beantworteten die Experten Zuschauerfragen: Bei welchen Symptomen sollte man zum Arzt gehen, wer ist besonders gefährdet, was unterscheidet Corona vom gewöhnlichen Grippevirus? Die Experten und der CDU-Politiker schienen sich einig in ihrem Anliegen, die Bevölkerung zu beruhigen. Besonders dominanter Gesprächspartner an diesem Abend war der Virologe Kekulé, der in überzeugender Nüchternheit etliche Fakten präsentierte – auch solche, die nicht unbedingt beruhigen.

Der Vorschlag des Abends

So kam dann auch die Idee des Abends vom Virologen: Er schlägt zwei Wochen Corona-Ferien für Schulen, Kitas und Großveranstaltungen vor. “Durch Unterbrechung der Infektionskette können wir einen Reset machen”, sagt Kekulé. “Aber wenn wir das machen, müssen wir das jetzt machen. In sechs Wochen ist es zu spät.”

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Gesundheitsminister Laumann warnte daraufhin vor “Maßnahmen, die nicht verhältnismäßig sind und zu Hysterie in der Bevölkerung führen”. Er betont: “Wir müssen auch sehen, dass das öffentliche Leben weitergeht.”

Der witzigste Moment

Es war nur eine Randbemerkung auf die Frage nach Impfstoffen: Der Virologe berichtete, dass es gegen das ähnliche, in Saudi-Arabien vor einigen Jahren aufgetretene Mers-Virus einen Impfstoff gebe. “Allerdings nur für Kamele”, sagte er.

Das beste Zitat

Das Zitat des Abends stammt von Angstforscher Bandelow. Zunächst hatte Kekulé ausgeführt: “Die Wahrscheinlichkeit, an Corona zu erkranken, ist extrem gering. Im schlimmsten Fall rennen in Deutschland 5000 Corona-Infizierte rum. Einem von denen zu begegnen ist so unwahrscheinlich wie irgendwas – verglichen mit den Millionen Grippekranken. Man muss die Dinge auch relativ sehen.” Darauf entgegnete ein erleichterter Bandelow: “Jetzt bin ich noch beruhigter als vorher.”

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Fazit

Zwischen den Gesprächspartnern bestand wenig Bedarf nach Diskussion, stattdessen bemühten sich alle um Aufklärung. Am Ende war es eben keine Gesprächsrunde zwischen Hysterie und Angst, sondern zwischen berechtigter Kritik und Beruhigung.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen