Hängt die Demokratie an 86 Cent?

  • Gestern feierte die ARD 50 Jahre „Tatort“.
  • Nun geht der Streit über den Rundfunkbeitrag in die entscheidende Phase.
  • Außerdem im Briefing „Der Tag“: Wie die Parteien das Wochenende verbracht haben.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

gestern war ich an dieser Stelle – zumindest zwischen den Zeilen – voll des Lobes für den öffentlichen Rundfunk. Ist ja auch wirklich nicht schlecht, wie die ARD mit ihrer „Tatort“-Reihe seit 50 Jahren Maßstäbe in der Fernsehunterhaltung setzt.

Heute geht es aber um die andere Seite der öffentlich-rechtlichen Rundfunkmedaille: Wie viel darf das alles kosten?

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Setzen sich ARD, ZDF und Deutschlandfunk durch, wird ihr Programm vom 1. Januar 2021 an für jeden Haushalt um 86 Cent im Monat teurer. 18,36 Euro würde die Abgabe dann betragen. Es wäre die erste Erhöhung seit 2009. Damit – so die Sender – würde lediglich ausgeglichen, was durch aufgebrauchte Rücklagen vom nächsten Jahr an nicht mehr zur Verfügung stehe.

Das sind die Fakten. Bevor der Beitrag steigen kann, muss jedes Landesparlament zustimmen. In Sachsen-Anhalt ist darüber ein ordentlicher Streit ausgebrochen. Die AfD ist gegen die Erhöhung, weil sie generell nichts vom „Staatsrundfunk“ hält. Unterstützung erhält sie von der CDU-Fraktion. Zusammen ergäbe das eine Mehrheit gegen die Erhöhung.

Dass es also um mehr als 86 Cent geht, wird schnell klar: ARD und ZDF verteidigen sich mit den größtmöglichen Argumenten: Ohne ausreichende Finanzierung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk stehe die Demokratie auf dem Spiel. Dazu kommt: Würde die CDU tatsächlich mit der AfD gemeinsame Sache machen, wäre das eine Annäherung der beiden Parteien, an der die Unionsspitze in Berlin absolut kein Interesse hat.

Das alles hat ein RND-Team aus Berlin und Hannover für Sie zusammengefasst. Ist vielleicht nicht ganz so spannend wie der „Tatort“ gestern Abend – aber es fallen immerhin Wörter wie im Wilden Westen. Es geht um „Showdowns“ und „Skalps“.

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Das politische Wochenende in Zitaten

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Das wird ein hartes Rennen werden, das ist auch noch nicht gelaufen.

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident

Aus Söders Sicht wird die Bundestagswahl 2021 enger, als die Union das derzeit wahrhaben möchte. Das sagte er auf dem Deutschlandtag der Jungen Union.

Es hat mir bombastischen Spaß gemacht.

Kevin Kühnert, Nochvorsitzender der Jusos

Kevin Kühnert tritt bald als Vorsitzender der SPD-Jugend­organisation zurück. Zum Abschied wurde es emotional. Die unterschiedlichen Strategien der Jungen in den beiden großen Parteien beschreibt Chef­korrespondentin Daniela Vates in ihrem Kommentar.

Wir leben in keiner Diktatur, sonst könnten wir diesen Parteitag auch heute wohl kaum so abhalten.

Jörg Meuthen, Bundessprecher der AfD

Jörg Meuthen hat den Rechtsextremen in seiner eigenen Partei eine verbale Abreibung verpasst. Beruhigt hat das die AfD aber keineswegs. Der Richtungsstreit tobt dort wie eh und je, kommentiert Jan Sternberg.

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Ich hoffe es.

Donald Trump, gefragt nach seinem Glauben an einen späten Wahlsieg gegen Joe Biden

Der Noch-US-Präsident Donald Trump hat sein erstes TV-Interview nach der US-Wahl gegeben. Dort äußerte er ein weiteres Mal seine unbegründeten Vorwürfe des Wahlbetrugs. Die Fakten sprechen weiterhin gegen ihn.

Leseempfehlungen

Reportage im Extremen: In 100 Tagen 20 Jahre jünger aussehen möchte TV-Reporter Jenke von Wilmsdorff (55). Am Montagabend läuft sein Selbstversuch „Jenke. Das Schönheitsexperiment“ auf Pro Sieben. Mit RND-Reporter Thomas Kielhorn sprach von Wilmsdorff über seinen Wechsel von RTL und über seine ungebrochene Leidenschaft für Reportagen: „Es wird immer wieder Themen geben, die für die Gesellschaft so relevant sind, dass wir sie zum Experiment machen können.“

Biologisch zur Bescherung: Wer an Heiligabend den geschmückten Baum bewundert, denkt wohl kaum an Pestizide und Monokulturen. Doch beides ist bei vielen Bäumen der Regelfall. Welche Umweltprobleme es rund um Weihnachtsbäume gibt und wie Sie ein nachhaltiges Exemplar finden, verrät unser Überblick.

Urlaub auf Abstand: Abstand halten – das war die oberste Regel im Corona-Jahr 2020. Weil Ferienhäuser dafür optimal sind, waren die meisten schnell ausgebucht. Auch im Sommer 2021 sind an manchen Urlaubsorten schon mehr als die Hälfte der Unterkünfte weg. Das zeigt eine exklusive Analyse für den Reisereporter von Home to go.

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Die Termine des Tages

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gibt die „Wörter des Jahres 2020“ bekannt (10 Uhr). Mit dieser Aktion kürt die GfdS seit 1977 regelmäßig Wörter und Wendungen, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich in besonderer Weise bestimmt haben.

Das Statistisches Bundesamt gibt die Inflationsrate für den November 2020 bekannt (14 Uhr). Dies ist allerdings nur eine erste Schätzung.

Videokonferenz der Euro-Gruppe: Auf der Tagesordnung steht das Großprojekt ESM-Reform, das den Euro-Rettungsschirm stärken und für die nächste Krise wappnen soll. Euro-Gruppen-Chef Paschal Donohoe hofft auf eine endgültige Einigung. Das würde auch den Weg ebnen für eine rasche Einführung der sogenannten Letztsicherung des Bankenabwicklungsfonds SRF (14 Uhr).

Wer heute wichtig wird

Ein gewohntes Bild im Herbst: nassgraues Wetter. © Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

Gefühlt ist es ja immer so im Herbst: Wir finden das Wetter zu kalt, zu nass, zu grau. Aber war das in diesem Jahr wirklich so? Oder war es nicht zu warm und zu trocken? Heute stellt der Deutsche Wetterdienst seine vorläufige Herbstbilanz vor. Nur eines scheint vorab sicher zu sein: Die ganz große Kälte war bisher nicht dabei, Schnee gab es nur in den äußersten Höhenlagen.

Jede Stunde neu: unsere News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die Woche,

Ihr Christian Palm

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