Handelskonflikt um eine Teenagerparty

  • US-Präsident Donald Trump ringt mit China um den Sitz der Videoplattform Tiktok.
  • Der Weltpolitik geht es dabei um Meinungsmacht, den rund zwei Milliarden Nutzern vor allem um Spaß.
  • Einblicke in ein soziales Netzwerk, das jünger, präsenter und sogar umstrittener ist als Facebook und Co.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie, was Ihre Kinder auf Tiktok ansehen oder gar anstellen? Nicht? Das ist auch keine Überraschung. Schließlich verhält sich Tiktok zu Facebook und Twitter wie eine Teenagerparty zum Seniorennachmittag, schreibt RND-Chefreporter Thorsten Fuchs. Auch für ihn waren die Inhalte der Videoplattform weitestgehend Neuland, bis er sich fragte, warum ausgerechnet diese App US-Präsident Donald Trump so wichtig ist, dass er dafür einen weiteren Handelskonflikt mit China auf sich nimmt.

Bei der Recherche für seine Geschichte sprach Fuchs unter anderem mit Nic Kaufmann. Der damals 17-jährige Münchner veröffentlichte vor etwas mehr als einem Jahr sein erstes Video auf Tiktok – mittlerweile zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Tiktok-Stars, drei Millionen Nutzer in Deutschland und den USA sehen sich regelmäßig seine Videos an. Zwei Milliarden Mal, so erklärte das sonst mit Zahlen sparsame chinesische Unternehmen in einem Verfahren um die Verbotsdrohung in den USA, wurde die App bisher heruntergeladen. “Es ist nicht klar, ob Tiktok selbst die Zukunft ist. Aber die, denen die Zukunft gehört, sind bei Tiktok”, schreibt Fuchs. “Auf Tiktok kann man schneller bekannt werden als auf jeder anderen Plattform.”

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Trumps nervöser Blick auf Tiktok

Besonders in den USA ist Tiktok in den vergangenen Monaten zur politischen Plattform herangewachsen. Trump-Gegner hatten sich im Frühjahr etwa über Tiktok dazu verabredet, Plätze für seine Wahlkampfveranstaltungen zu reservieren, diese dann aber nicht zu besuchen, sodass der US-Präsident vor leeren Reihen stand. Black-Lives-Matter-Aktivisten posteten ihre Protestvideos, das Hashtag zählt bis jetzt 14,4 Milliarden Aufrufe. Tiktok habe für die Proteste eine ähnliche Funktion wie Twitter für den Arabischen Frühling, konstatierte die Agentur Reuters.

Das erklärt vielleicht auch, warum Trump in der heißen Phase des US-Wahlkampfes so nervös auf Tiktok blickt. Wochenlang stand die Video-App unter dem Druck der US-Regierung – jetzt scheint die Zukunft Tiktoks in den USA gesichert zu sein, nachdem Präsident Donald Trump einen Deal zwischen dem chinesischen Eigentümer Bytedance und US-Unternehmen gebilligt hat. Das weltweite Geschäft von Tiktok komme in eine neue Firma mit Sitz in den USA, “wahrscheinlich in Texas”, sagte Trump in der Nacht zu Sonntag. “Ich habe den Deal abgesegnet.”

Auch Jens Spahn ist kurz davor, einen Deal abzuschließen, berichten unsere RND-Korrespondenten Tim Szent-Ivanyi und Tobias Peter heute exklusiv: Mit einer neuen Gesetzesinitiative will der Bundesgesundheitsminister dafür sorgen, dass zeitnah 20.000 neue Stellen für Pflegehilfskräfte geschaffen werden. Der Bundestag soll am Mittwoch abstimmen, in Kraft treten soll das “Gesetz zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege” bereits am 1. Januar 2021. “In der Pflege zu arbeiten wird wieder attraktiver, wenn mehr Kolleginnen und Kollegen mit anpacken”, sagte Spahn dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Offen ist, woher das Personal kommen soll. Bisher waren die Initiativen des Bundesgesundheitsministers für die Gewinnung von mehr Fachpersonal weitgehend erfolglos geblieben. Doch die Branche kann neue Impulse gebrauchen.

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Zitat des Tages

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Es wird eine Frau sein.

US-Präsident Donald Trump bei seiner Ankündigung, in dieser Woche einen Vorschlag für die Nachfolge der verstorbenen Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg zu machen

Leseempfehlungen

Die Termine des Tages

  • In Brüssel steht für heute um 9 Uhr ein Treffen der EU-Außenminister auf dem Programm. Die Gespräche werden von der aktuellen Lage bestimmt – das sind die jüngsten Entwicklungen in Belarus und Libyen, außerdem wollen die Politiker über den Erdgasstreit im östlichen Mittelmeer sprechen.
  • Die mangelnde Digitalisierung und die Praxistauglichkeit der derzeitigen Quarantäneregelungen sollten heute bei den Beratungen zur Lage der Schulen im Kanzleramt Thema sein – zumindest, wenn man die aktuellen Sorgen von Eltern und Lehrern kennt. Bei dem Termin beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und SPD-Chefin Saskia Esken mit allen 16 Kultusministern der Länder.
  • Hat sich die Corona-Krise auf die Zahl der Eheschließungen ausgewirkt? Das Statistische Bundesamt gibt heute erste Erkenntnisse dazu für das erste Halbjahr 2020 bekannt.

Der Schnappschuss des Tages

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Kane Tanaka wurde im Jahr 1903 geboren. Die Japanerin ist 117 Jahre alt – und damit der älteste Mensch der Welt. Nun hat sie einen neuen Rekord gebrochen – und wurde als “ältester in Japan bekannter Mensch” ausgezeichnet. © Quelle: imago images/Kyodo News

Mehr zum Thema: 117-Jährige ist nun auch “ältester in Japan bekannter Mensch”

Jede Stunde neu: News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihre Dany Schrader

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