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Handelskonflikt: China provoziert Australien mit Bauprojekt auf Insel

  • Auf einer winzigen Insel Papua-Neuguineas soll eine Stadt entstehen – finanziert von China.
  • Das Projekt ist gerade mal 200 Kilometer vom australischen Festland entfernt.
  • Mitten im Handelskonflikt der beiden Staaten wirkt der neue Schritt wie eine Drohung.
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Peking/Canberra. Lange Zeit waren Australien und China Freunde. Seinen Wohlstand verdankt der fünfte Kontinent der Volksrepublik, die bis heute dessen größter Handelspartner ist. Doch die Freundschaft hat einen Riss bekommen, seitdem Australien die Gängeleien des immer mächtiger werdenden Chinas nicht mehr hinnehmen will. So hat sich Australien – anders als die Europäische Union – in der jüngeren Vergangenheit nicht mit Kritik an Chinas Menschenrechtsverletzungen in der Provinz Xinjiang oder in Hongkong zurückgehalten.

Es hat den chinesischen Telekommunikations­anbieter Huawei vom Aufbau des australischen 5G-Netzwerks ausgeschlossen und forsch eine unabhängige Untersuchung des Pandemie­ursprungs gefordert. Seit Monaten übt China deswegen an Australien Rache mit offenen Beleidigungen, der Schikane australischer Journalisten sowie mit Handelsbarrieren und -stopps.

Große Pläne für eine winzige Insel

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Nun scheint die Volksrepublik noch einen weiteren Affront vorzubereiten, der durchaus auch als Drohgebärde interpretiert werden könnte. Ort des neuen Zankapfels ist die Torres-Straße, der Engpass zwischen Australien und Papua-Neuguinea. In dieser Meerenge befindet sich Daru Island, ein knapp 15 Quadratkilometer großes Eiland, das bisher nicht wirklich viel zu bieten hat. Doch das soll sich nun ändern, wenn es nach einem Vorschlag der chinesischen Firma WYW Holding geht. Diese hat Pläne für eine Industrie- und Gewerbezone sowie einen Hafen auf der Insel vorgelegt. Außerdem sollen ein Resort sowie ein 100 Quadratkilometer großes Wohngebiet entstehen. Für „New Daru City“ haben die Chinesen 39 Milliarden australische Dollar oder umgerechnet über 25 Milliarden Euro veranschlagt.

Im vergangenen Dezember wurde zudem bekannt, dass ein weiteres chinesisches Unternehmen namens Fujian Zhonghong Fishery eine Absichtserklärung mit der Regierung von Papua-Neuguinea unterzeichnet hat, um einen „groß angelegten multifunktionalen Industriepark für Fischerei“ im Wert von 204 Millionen australischen Dollar (fast 133 Millionen Euro) auf der Insel einzurichten.

Letzteres alarmierte die australischen Behörden nicht zuletzt, da keine kommerziellen Fischereiflotten in der Region zugelassen sind. Dies vereinbarten die Länder einst im sogenannten „Torres Strait Treaty“, der seit 1985 in Kraft ist. Der australische Parlamentarier Warren Entsch, in dessen Wahlkreis auch die Torres-Straße fällt, äußerte sich besonders beunruhigt über die Entwicklung. Im Gespräch mit dem staatlichen Sender ABC stellte er die Frage, warum die Chinesen an einem Ort, an dem es „nicht wirklich viele Fische“ gebe, einen so großen Fischereibetrieb errichten wollten.

Umstrittenes Engagement im Pazifik

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Angesichts der Pläne auf Daru Island fürchtet Australien ganz klar um seine Grenzhoheit. Wie ernst die chinesischen Pläne jedoch wirklich sind, lässt sich bisher nur schwer abschätzen. Die Chinesen würden die Australier nur „ärgern“ wollen und sich heimlich ins Fäustchen lachen, meinte beispielsweise Martyn Awayang Namoron, ein ehemaliger Berater der Regierung Papua-Neuguineas, gegenüber dem „Guardian“. Doch ein Blick in die Region zeigt auch, dass China bei Weitem nicht nur Interesse an der verarmten Region nördlich von Australien hat.

Dass China auf den umstrittenen, teilweise künstlich angelegten Inseln im Südchinesischen Meer aufrüstet, beobachtet die Welt bereits mit Sorge. Wenig bekannt ist dagegen, dass China seit Jahren auch erstaunlich großes Engagement im Pazifik zeigt. Mithilfe von Bargeld und Investitionen werden vor allem die ärmeren Inselstaaten wie die Salomonen oder Kiribati zum Bündnispartner gemacht. Experten befürchten seit Langem, dass das Land die Region nicht aus der Güte seines Herzens hofiert, sondern, weil sie „die Lebensader oder der Engpass zwischen Amerika und Australien und Neuseeland“ ist, wie Jim Fanell, der frühere Geheimdienstchef der Pazifikflotte der US-Marine, einst in einem Interview sagte.

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Da Australien ein militärischer Verbündeter der USA ist, ist das amerikanische Verhältnis zu China auch Wegweiser für die australisch-chinesische Beziehung. Erst als der frühere US-Präsident Richard Nixon in den 1970ern die Gespräche mit dem kommunistischen China aufnahm, etablierte auch Australien diplomatische Beziehungen. Je schlechter das Verhältnis der US-Regierung unter Donald Trump mit China wurde, umso mehr wandelte sich auch das Verhältnis zwischen China und Australien. „Einige, vor allem im Ausland, sehen das kleine Australien gerade als den Mutigen, der sich gegen den Bully China aufbäumt“, sagte Hugh White, ein Strategieexperte an der Australischen Nationaluniversität in Canberra. Natürlich sei da etwas Wahres dran, so White. „Doch die Lage ist noch mal deutlich komplizierter.“

China statuiert ein Exempel

Kompliziert ist, dass China und Australien deutlich enger miteinander verbunden sind, als dies Australien inzwischen lieb ist. Denn die Volksrepublik ist nicht nur Australiens wichtigster Handelspartner, sondern hat auch große Investitionen auf dem Kontinent. So besitzt China einen Flughafen in Westaustralien, einen Hafen in Darwin, mehrere australische Kohlebergwerke, Windparks und neun Millionen Hektar Ackerland. Die Abhängigkeit, die Australien über Jahre hinweg aufgebaut hat, kommt das Land nun teuer zu stehen.

Denn quasi als Strafe für sein aufmüpfiges Verhalten statuiert die Volksrepublik seit Monaten ein Exempel an Australien: Massive Strafzölle auf Weine, hohe Tarife für Gerste, wartende Schiffe vor der chinesischen Küste sind nur einige Beispiele. Auch beim Baumwoll-, Rindfleisch- und Hummerimport macht China Australien das Leben schwer. Selbst chinesischen Studenten rät man inzwischen von einem Studium an australischen Universitäten ab und auch die vielen chinesischen Urlauber werden nach der Pandemie wohl nicht nach Australien zurückkehren.

Cyberangriff auf Wahlen in Australien

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Dass Australien diese lukrative Beziehung zu China überhaupt aufs Spiel gesetzt hat, liegt nicht nur an den chinesischen Menschenrechts­verletzungen, die eigentlich die ganze Welt anprangern sollte. Bevor das Land so „mutig“ aufgetreten ist, hat sich der chinesische „Freund“ auch gegenüber Australien einiges geleistet. So kam der australische Geheimdienst schon im September 2019 zu dem Schluss, dass China vor den Parlamentswahlen im Mai des gleichen Jahres für einen Cyberangriff auf das australische Parlament und die drei größten politischen Parteien verantwortlich war.

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Im Oktober 2019 behauptete die ABC, ein Großteil der chinesischen Studenten in Australien würde ein Sicherheitsrisiko darstellen. Der Sender ließ einen Analysten zu Wort kommen, der sagte, dass es nicht im Interesse Australiens sein könne, Wissenschaftler auszubilden, die Technologien entwickeln würden, die gegen das australische Militär und gegen Australien selbst eingesetzt werden könnten. Ein weiterer brisanter Fall kam im November 2019 ans Tageslicht: Wang Liqiang, ein mutmaßlicher chinesischer Spion, der sich den australischen Behörden stellte und um Asyl bat, berichtete, dass China einen Spionagering in Australien betreiben würde. China dementierte die Vorwürfe aufs Heftigste.

Der Strategieexperte Hugh White blickt inzwischen mit immer größerer Sorge auf die Situation in der Asien-Pazifik-Region und das erstarkte China. Ob ein Krieg in der Region auf Dauer verhindert werden kann, liegt seiner Meinung nach vor allem daran, welchen Umgang der Westen künftig mit China findet. Australiens Beispiel zeigt auf alle Fälle, wie schnell die Freundschaft kippen kann.

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