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Halle-Prozess: So schildern Zeugen das Attentat im Döner-Imbiss

  • Weil Stephan B. der Zugang zur Synagoge verwehrt blieb erschoss er vor elf Monaten neben einer Passantin auch einen 20 Jahre alten Mann in einem nahe gelegenen Kiez-Döner in Halle.
  • Vor Gericht schildern Zeugen jetzt zum ersten Mal das Geschehen im Imbiss.
  • Zunächst erschrocken, dann in Todesangst sprang ein Professor im Ruhestand aus einem Fenster und entkam so dem Attentäter.
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Magdeburg. Im Prozess gegen den Synagogen-Attentäter von Halle ist am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Naumburg das Geschehen im Döner-Imbiss aufgerollt worden. Ein 74-jähriger Professor im Ruhestand, der sich für eine Konferenz in Halle befand und zur Tatzeit im Döner-Imbiss war, sprach im Gerichtssaal in Magdeburg von einem „zutiefst verabscheuungswürdigen Verbrechen“, das offenbar aus einer „schlafmützigen Mitte der Gesellschaft heraus geschehen konnte“. Es sei schlecht vorstellbar, dass der Angeklagte „mit seinen Hirngespinsten, der völlig irrigen Denkweise“ über die lange Zeit von seiner Umgebung nicht wahrgenommen worden sein soll, sagte er.

Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 aus einer antisemitischen und rassistischen Motivation heraus einen Anschlag auf die Synagoge in Halle verübt. Weil es ihm nicht gelang, in die Synagoge zu gelangen, erschoss er zunächst eine 40 Jahre alte Passantin und dann in dem nahegelegenen Imbiss Kiez-Döner einen 20-jährigen Mann. Der 74-jährige Zeuge saß in dem Imbiss, als es plötzlich einen Knall gegeben habe und durch die Schaufensterscheibe geschossen worden sei. Beim Attentäter sei ihm an seiner „Schnute“ seine wilde Entschlossenheit aufgefallen, sagte er vor Gericht. Erst als ein anderer Gast gerufen habe „Raus hier, der erschießt uns sonst alle“, habe ihn dies aus seinem Staunen und seiner Fassungslosigkeit befreit.

Rettung durch Sprung aus Fenster

Der Wissenschaftler beschrieb weiter, wie er dann die Stufen zur Toilette hochgegangen und in einem Nebenraum aus einem Fenster gesprungen sei. Als er bereits im Innenhof war, habe er ein Rufen gehört: "Nein, bitte nicht schießen." Da habe er furchtbare Angst gehabt. Bei dem Sprung in den Hof verletzte er sich, war danach wochenlang krank und musste starke Schmerztabletten nehmen. Zudem habe er noch lange schreckhaft und aggressiv auf Knallgeräusche reagiert.

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Vor dem Döner-Imbiss war auch eine 78-jährige Rentnerin durch einen Splitter am Fuß verletzt worden. Sie ging genau zur Tatzeit nach einem Arztbesuch an dem Haus vorbei, hörte „einen Riesenknall“, sah den Täter und dachte zunächst, er wollte jemanden erschrecken. „Er hat nichts gesagt, ich habe nichts gesagt. Das war wohl mein Glück.“ Das Gericht nahm am Mittwoch auch ein weiteres Video in Augenschein, dass der Angeklagte mit einer zweiten Kamera während des Anschlags gefilmt hatte. Mit einer anderen Helmkamera hatte B. seine Tat gefilmt und live ins Internet gestreamt.

Video
Attentäter von Halle vor Gericht
1:52 min
Neun Monate nach dem antisemitischen Anschlag von Halle hat der Prozess gegen Stephan B. begonnen.  © Reuters
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Zeugen in Todesangst

Ein 26-jähriger Student geriet in der Nähe des Döner-Imbisses ebenfalls in Visier des Attentäters. Der Student wollte zum Bahnhof, um nach Merseburg zu fahren, als er auf Stephan B. traf: "Ich glaube, er hat auf mich geschossen." Er habe Schüsse gehört und sei nur noch weggerannt, ohne sich umzudrehen. Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens fragte: "Hatten Sie Todesangst?" Der 26-Jährige antwortete knapp: "Ja."

Die Bundesanwaltschaft hat Stephan B. wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mehreren Fällen sowie weiteren Straftaten angeklagt. Mit Sprengsätzen und Schusswaffen wollte er in die abgeschlossene Synagoge gelangen, um möglichst viele Juden zu töten. Zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hielten sich dort 52 Gläubige auf. B. droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe. Zudem kommt eine anschließende Sicherungsverwahrung in Betracht.

RND/epd

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