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Halle: Im Rathaus könnten noch mehr Personen vorzeitig geimpft worden sein

  • Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand hatte bereits bestätigt, dass er und zehn Stadträte entgegen der planmäßigen Reihenfolge schon geimpft worden seien.
  • Inzwischen gibt es Berichte, wonach noch mehr Personen im Rathaus bereits ein Vakzin erhalten haben.
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Halle/Berlin. Im Rathaus von Halle könnten neben Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) und zehn Stadträten noch mehr Personen entgegen der planmäßigen Reihenfolge geimpft worden sein. Das sagte Sachsen-Anhalts Bildungsminister und Halles CDU-Vorsitzender Marco Tullner sowohl der „Mitteldeutschen Zeitung“ (MZ) als auch dem „MDR“.

„Ich hatte mehrere Anrufe aus dem Rathaus. Dort wurde mir gesagt, dass das gesamte OB-Büro bis hin zu Praktikanten und drei von vier Beigeordneten ebenfalls gegen das Coronavirus geimpft worden sein sollen. Die Reichweite dieses Skandals muss umgehend aufgeklärt werden“, sagte Tullner der „MZ“.

Wiegand bestätigt Impfung

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Am Samstag hatte Wiegand die Impfungen für sich und zehn Stadträte bestätigt. Er verteidigte das Abweichen von der Impfverordnung damit, dass übrig gebliebene Impfdosen nicht verfallen sollten. Das Impfteam versuche bei solchen Resten, zunächst Angehörige der ersten Prioritätsgruppe zu erreichen.

Gelinge das nicht, würden aus einem Pool von Mitarbeitern der Stadt, von Rettungsdiensten und Fachärzten zufällig Kandidaten für die sogenannte Ad-hoc-Impfung ermittelt. 585 Menschen seien bislang in Halle mit übrig gebliebenen Dosen geimpft worden, sagte Wiegand.

Kritik von Haseloff und Tullner

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte ihn und andere Politiker aufgefordert, sich an die festgelegte Reihenfolge zu halten. Die Impfverordnung des Bundes sei „eine klare Rechtsgrundlage, die strikt einzuhalten ist“, sagte Haseloff am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. „Alle politischen Verantwortungsträger sind in der Pflicht, für die Durchsetzung der Verordnung Sorge zu tragen und durch Transparenz des Handelns die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen.“

Scharfe Kritik übte auch Tullner. „Hier scheint der moralische Kompass abhandengekommen zu sein“, sagte er.

Kritik an dem mit dem Land nicht abgesprochenen Verfahren wies Wiegand zurück. „Man kann fast sagen, das ist eine Hexenjagd auf die Personen, die geimpft sind“, sagte er am Samstag. Nach der massiven öffentlichen Empörung räumte er dann am Sonntag Fehler bei der Kommunikation ein. “Das kann man natürlich transparenter machen, und das hätte man natürlich auch transparenter machen müssen”, sagte Wiegand. Das grundsätzliche Vorgehen bei seiner Impfung verteidigte Wiegand erneut. “Wir im Katastrophenschutzstab stehen zu dem Vorgehen.” Er habe seine Erstimpfung zunächst nicht bekanntgemacht, da dies eine persönliche Angelegenheit sei.

Auch im Landkreis Stendal sowie Wittenberg waren Fälle von vorzeitigen Impfungen bekannt geworden.

RND/cz/dpa

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