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Halle: Entsetzen nach tödlichen Schüssen – wer waren die Opfer?

  • Ein mutmaßlicher Rechtsextremist wollte in einer Synagoge in Halle offenbar ein Massaker anrichten.
  • Nachdem das gescheitert war, richtete er seine Waffen auf Passanten.
  • Zwei Menschen starben: So waren sie.
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Halle. Eigentlich sollte der Angriff des Attentäters von Halle den Besuchern einer Synagoge im Paulusviertel der Stadt gelten. Nachdem er es jedoch nicht geschafft hatte, die Tür des jüdischen Gotteshauses zu öffnen, suchte sich Stephan B. seine Opfer völlig wahllos. Als Erstes erschoss er von hinten eine Passantin, die vor der Synagoge ungerührt an dem bewaffneten und in Kampfmontur gekleideten Mann vorbeilief. So ist es in dem Video zu sehen, das der Täter mit der Helmkamera aufgenommen und ins Netz gestreamt hat.

Bei diesem ersten Opfer handelt es sich nach Informationen der „Mitteldeutschen Zeitung“ um die 40 Jahre alte Jana L. Bekannt war sie in Halle als Sammlerin von Autogrammen Prominenter. In sozialen Netzwerken nehmen Freunde von ihr Abschied. „Erst Montag waren wir noch in Leipzig. Mittwoch früh hast du mich noch angerufen, und nun musste ich erfahren, dass du gestern bei dem fiesen Amoklauf dein Leben lassen musstest. Ruhe in Frieden“, schreibt eine Freundin auf Facebook.

Video
Am Tag nach dem Anschlag in Halle: Die Situation im Wohngebiet des Täters
2:43 min
Am Tag nach dem Attentat in Halle (Saale), bei dem zwei Menschen erschossen wurden, herrscht besonders um den Wohnort des Täters herum tiefe Betroffenheit.  © RND
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„Er war ein fröhlicher Mensch, der bei 80 Prozent der HFC-Spiele in der Kurve stand“

Das zweite Opfer des Attentäters tötete Stephan B. in einem Imbiss in der Ludwig-Wucherer-Straße, zu dem er mit dem Auto gefahren war. Bei dem Mann soll es sich um einen 20 Jahre alten Anhänger des Fußballvereins Hallescher FC aus Merseburg handeln. „Er war Teil der HFC-Familie“, hieß es in einem am späten Mittwochabend veröffentlichten Post auf der Facebook-Seite der HFC-Fankurve. Er soll zum Zeitpunkt der Tat auf einer nahe gelegenen Baustelle in Halle als Maler gearbeitet haben und hielt sich in dem Dönerladen auf, als diesen der Schütze betrat. Der Hallesche FC kündigte am Donnerstag an, bei einem nichtöffentlichen Testspiel am Abend in Aue sowie im kommenden Pokalspiel in Thalheim mit Trauerflor auflaufen zu wollen.

Auch die Libertà-Crew und die Domfalken Merseburg, beides Fangruppierungen des Halleschen FC, veröffentlichten einen entsprechenden Nachruf und sprachen der Familie des Toten im Netz ihr Beileid aus. „Er war ein fröhlicher Mensch, der bei 80 Prozent der HFC-Spiele in der Kurve stand“, sagte Nico Schmädicke, Chef der im Jahr 2016 gegründeten Gruppierung Libertà-Crew.

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Vater hatte bei Facebook verzweifelt auf Lebenszeichen gehofft

Nachdem Schmädicke am Mittwochabend das von dem Schützen mitgeschnittene Video der Tat zugespielt worden war, habe er anhand der Stimme und der Statur des Opfers in dem Dönerladen sofort an den Merseburger gedacht und seinen Verdacht dessen Vater mitgeteilt. Dieser hatte zuvor bei Facebook noch verzweifelt auf ein Lebenszeichen seines Sohnes gehofft, wie aus einem Eintrag auf seiner Seite hervorgeht. Wenig später wurde den Eltern die Todesnachricht offiziell überbracht.

RND/Dirk Skrzypczak/Michael Bertram