• Startseite
  • Politik
  • Halle-Attentat: Urteil soll bis Weihnachten fallen - Attentäter wohl schuldfähig

Halle-Prozess auf der Zielgeraden: Attentäter wohl schuldfähig

  • Bis Weihnachten soll das Urteil im Prozess gegen den rassistischen und antisemitischen Attentäter von Halle fallen.
  • Der psychiatrische Gutachter hält ihn trotz Persönlichkeitsstörung für schuldfähig und legt eine Sicherungsverwahrung nach der Haft nahe.
  • Ein Zusatzgutachten beschäftigt sich mit seinem Intelligenzquotienten.
|
Anzeige
Anzeige

Magdeburg. Der Prozess gegen den Attentäter von Halle befindet sich auf der Zielgeraden. Spätestens in der Woche vor Weihnachten soll das Urteil gegen den 28-Jährigen gesprochen werden.

Er hatte am 9. Oktober 2019 versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur mit selbst gebauten Waffen ein Blutbad in der Synagoge anzurichten. Er scheiterte beim Versuch, auf das Grundstück zu gelangen, erschoss eine Passantin und einen jungen Mann in einem Dönerimbiss.

Video
Gedenktag 9. Oktober: Halle hält inne
2:05 min
Ein Jahr nach dem rechtsterroristischen Anschlag in Halle am jüdischen Feiertag Jom Kippur wurde am Freitag der Opfer gedacht.  © Reuters
Anzeige

Wenn Stephan B. schuldfähig ist, erwartet ihn eine lange Haftstrafe - und möglicherweise anschließende Sicherungsverwahrung wegen Wiederholungsgefahr. Um die Frage seiner psychischen Verfassung wird es am Dienstag beim nächsten Verhandlungstag im Saal des Landgerichts in Magdeburg gehen.

Zwei Gutachten stehen im Mittelpunkt des Interesses. Der renommierte Psychiater Norbert Leygraf hat ein mehr als 100 Seiten langes forensisches Gutachten über B. erstellt, er wird es am Dienstag mit seinen Beobachtungen aus der Hauptverhandlung ergänzen.

Er bezeichnet den Angeklagten als fanatisch-ideologisch motivierten Einzeltäter mit einem von Rassismus und Antisemitismus geprägten Weltbild. B. glaube, dass es eine jüdische Weltverschwörung gebe, gegen die er sich als „Weißer“ wehren müsse. Einen bewusstseinsgestörten Zustand stellte der Gutachter nicht fest.

B. sei zwar sozial gehemmt und zeige Ansätze einer autistischen Persönlichkeit. Laut Strafgesetzbuch gilt unter anderem als schuldunfähig, wer unter einer „schweren anderen seelischen Abartigkeit” unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen. Diese „Abartigkeit“ liege bei B. vor, schuldfähig sei er dennoch. Denn ihm sei bewusst gewesen, dass er sich mit seinem Attentat fundamental gegen die Werte und Normen dieser Gesellschaft gestellt habe.

Eine Sicherungsverwahrung sei zumindest möglich, schließt Leygraf. So lange der Täter an seinem fanatischen Rassismus und Antisemitismus festhalte, sei die Wahrscheinlichkeit weiterer schwerer Straftaten gegeben – bis hin zum Mord.

Intellektuell argumentierte B. laut Gutachter eher schlicht. Ein testpsychologisches Zusatzgutachten ergibt einen durchschnittlichen Intelligenzquotienten von 105. Anhaltspunkte für Wahnvorstellungen oder Ich-Störungen stellte die Zusatzgutachterin nicht fest.

B. legte gegenüber den Gutachtern Wert darauf, seine Tat nicht als Handlung eines psychisch Gestörten wahrzunehmen. Dennoch wird die Verteidigung vermutlich seine Schuldfähigkeit in Zweifel ziehen. Nach den Aussagen Leygrafs am Dienstag könnte das schwer werden.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen