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Haiti und der Mord an Präsident Moïse: ein Land im Würgegriff der Gangs

  • Haitis Präsident Jovenel Moïse ist ermordet worden.
  • Und nun beginnen im Land die Machtkämpfe danach.
  • Die Ausgangslage lässt nichts Gutes erahnen.
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Bogóta. Am Tag nach dem Attentat auf Haitis Präsidenten Jovenel Moïse gab es die nächsten Toten: Vier der mutmaßlichen ausländischen Auftragskiller seien bei einem Feuergefecht mit der Polizei ums Leben gekommen, teilte Haitis Polizeichef Léon Charles mit. Diese vier Tatverdächtigen werden also keine Aussage mehr über die Hintergründe machen können, wohl aber zwei im Rahmen dieser Aktion verhaftete Tatverdächtige.

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USA: keine militärische Hilfe für Haiti
1:22 min
Die USA haben die Anfrage der haitianischen Regierung auf militärische Unterstützung zum Schutz wichtiger Infrastrukturen wie Flughafen und Häfen abgelehnt.  © Reuters

Damit wird Léon Charles zu einer Schlüsselfigur bei der Aufklärung des Falles, der auch auf die politische Entwicklung im Land Einfluss nehmen wird. Wer sind die geistigen Urheber des Attentats, welche Motive stecken hinter der Ermordung von Moïse? Dessen Ehefrau überlebte das Attentat schwer verletzt und wird in Florida behandelt.

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Koalitionen zwischen Gangs zerbrochen

Einer, der Haiti gut kennt, ist Michael Huhn vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Er erklärt die unübersichtliche Lage in Port-au-Prince so: „In Haitis Hauptstadt gibt es gut 90 Gangs, die mindestens ein Drittel der Stadt in ihrer Gewalt haben und wechselnde Koalitionen bilden. In den letzten Wochen kam es zum Bruch von Koalitionen.“

Mit diesem Bruch kam es auch zu einem Ausbruch an neuer zusätzlicher Gewalt. „Daraufhin endete die ‚stabile‘ Herrschaft einzelner Gangs beziehungsweise von Koalitionen in den Stadtteilen und Vororten Bas-Delmas, Belair, Cité Soleil, Croix-des-Bouquets, La Saline, Martissant und Tabarre. Infolgedessen sind Kämpfe um die künftige Herrschaft in diesen Vierteln und Vororten ausgebrochen.“

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Haitis Präsident Moïse in Privatresidenz erschossen
1:13 min
Eine Gruppe bislang unbekannter Angreifer hat in der Nacht die Privatresidenz des Präsidenten überfallen und Jovenel Moïse erschossen.  © Reuters
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Machtkampf der organisierten Kriminialität

Kurzum: In Haiti tobt ein Machtkampf der organisierten Kriminalität um Reviere, Macht- und Marktanteile. Darunter leidet vor allem die arme Bevölkerung enorm, die zwischen die Fronten gerät. Allerdings stand auch Moïse im Zentrum von Korruptionsverdächtigungen. Seiner Regierung wird vorgeworfen, im sogenannten Petrocaribe-Skandal tief in die Kasse gegriffen zu haben.

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Petrocaribe ist ein Abkommen über subventionierte Erdöllieferungen aus Venezuela an einige Karibikstaaten, zu denen auch Haiti zählt. In der Amtszeit von Moïse begann auch die organisierte Kriminalität weiter zu wachsen. Der schwache Staat gilt als ideales Transitland für Drogenlieferungen. Gewalt und Kriminalität nahmen in jüngster Zeit bedrohlich zu.

Viele fliehen vor Gewalt und Armut

Das alles führt dazu, dass ein Teil der Bevölkerung vor dieser alltäglichen Gewalt und Armut zu fliehen versucht. Viele zieht es in die benachbarte Dominikanische Republik, die in bester „Trump-Manier“ für den Bau einer Grenzmauer wirbt. Erst am Tag vor dem Attentat war es an einem Grenzübergang zu dem Versuch gekommen, die Grenze zu überrennen.

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Zudem mehren sich die Stimmen in Santo Domingo, die eine internationale Eingreiftruppe der Vereinten Nationen fordern, um die Stabilität im Lande zumindest einigermaßen zu garantieren. Die „Blauhelme“ sollen das Vakuum füllen, dass der schwache Staat in Haiti hinterlässt. Für dieses Vakuum sind allerdings die haitianischen Politiker verantwortlich, die in einem Korruptionssumpf sondergleichen stecken. Dieser Sumpf bildet den Nährboden für noch mehr organisierte Kriminalität und Gewalt. Ein Kreislauf, aus dem es anscheinend keinen Ausweg mehr gibt.

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