• Startseite
  • Politik
  • Hagia Sophia darf keine Moschee werden - Türkische Gemeinde in Deutschland stellt sich gegen Erdogan

Türkische Gemeinde stellt sich gegen Erdogan: Hagia Sophia darf keine Moschee werden

  • Die weltberühmte Hagia Sophia von Istanbul war bisher ein Museum.
  • Nun soll dieses Museum als Moschee genutzt werden.
  • Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, lehnt das mit deutlichen Worten ab.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, hat die Umwandlung der Hagia Sophia von einem Museum in eine Moschee kritisiert. “Die Hagia Sophia ist Welterbe und ein Symbol friedlichen Zusammenlebens der Religionen. Dass man daraus eine Moschee macht, ist eine absolute Fehlentscheidung”, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Die Türkei wird nun als das Land verurteilt werden, das mit so einem Erbe nicht umgehen kann.”

Sofuoglu verwies darauf, dass viele Menschen nicht zuletzt wegen der Hagia Sophia nach Istanbul kämen und dies nun voraussichtlich nicht mehr täten. Außerdem gebe es in der Umgebung genug andere Moscheen. Er wünsche sich deshalb, dass man beim alten Zustand bleibe. “Man sollte mit religiösen Symbolen keine Politik machen”, sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde. “Das hat in der Vergangenheit nicht gefruchtet und wird es auch in Zukunft nicht tun.” Es dürfe jetzt jedenfalls nicht so polarisiert werden, dass die Gegner der Entscheidung als Feinde der islamischen Religion dargestellt würden.

Bedford-Strohm mahnt

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Auch andernorts stößt die Entscheidung weiter auf Kritik. “Ich hoffe sehr, dass diese Entscheidung noch einmal überdacht wird”, schrieb der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Samstag auf Facebook.

Er erklärte, die im 6. Jahrhundert als christliche Kirche errichtete und seit dem 15. Jahrhundert als Moschee genutzte Hagia Sophia sei seit der Umwandlung in ein Museum 1935 durch den türkischen Republikgründer Kemal Atatürk von vielen Menschen “als Ort eines friedlichen Zusammenlebens der Religionen besucht worden. Das war gut so.”

Es sollte das Ziel aller sein, dieses friedliche Zusammenleben zu stärken, so Bedford-Strohm weiter. “Und es sollte auch Ziel staatlichen Handels sein. Die jetzige Entscheidung wirkt dem entgegen und sollte rückgängig gemacht werden.”

Anzeige

Die Menschenrechtsorganisation “Gesellschaft für bedrohte Völker” (GfbV) aus Göttingen ging noch weiter. “Es ist enttäuschend, dass die meisten Muslime in Deutschland offenbar keine Solidarität für christliche Minderheiten in der Türkei aufbringen können”, sagte GfbV-Nahostexperte Kamal Sido.

Kritik an Muslimen

Sido hat nach eigenen Angaben alle größeren Islam- und Moscheeverbände Deutschlands um Unterstützung für die bedrängten Minderheiten in der Türkei gebeten. Alevitische Verbände lehnten demnach die Islamisierung der Hagia Sophia ab. “Die größeren muslimischen Gemeinden in Deutschland, vor allem die DITIB, scheinen das Vorgehen der türkischen Regierung aber stillschweigend zu unterstützen.”

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Freitag angeordnet, das Gebäude in ein muslimisches Gotteshaus umzuwandeln. Kurz zuvor hatte das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei den Weg dafür frei gemacht. Es annullierte eine Entscheidung des türkischen Ministerrats aus dem Jahr 1934, mit der das Gebäude damals zu einem Museum geworden war. Dutzende gläubige Muslime quittierten das Urteil vor der Hagia Sophia mit Jubel und riefen “Allah ist groß”.

Papst Franziskus “schmerzt” Gedanke an “St. Sophia”

Auch Papst Franziskus nahm Stellung. Am Sonntag sprach er von seinem Fenster auf den Petersplatz blickend über das Meer an Menschen und wich dann vom Skript ab, als er sagte: “Und das Meer bringt mich mit meinen Gedanken ein bisschen weiter weg: nach Istanbul. Ich denke an St. Sophia und es schmerzt mich sehr.” Mehr sagte das katholische Kirchenoberhaupt nicht, nahm damit aber eindeutig Bezug auf die Entscheidung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, aus der Hagia Sophia wieder eine Moschee zu machen.

mit AP

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen