„Habe eine solche Situation noch nie erlebt“: Bayerischer Landkreis reißt 1000er-Inzidenz

Der bayerische Landkreis Rottal-Inn weist am Mittwoch (10. November) eine Corona-Inzidenz von über 1100 auf.

Der bayerische Landkreis Rottal-Inn weist am Mittwoch (10. November) eine Corona-Inzidenz von über 1100 auf.

Rottal-Inn/Hannover. „Liebe Bürgerinnen und Bürger, man kann es nicht mehr schönreden: Die Lage ist dramatisch.“ Es ist ein Satz, der die ganze Hilflosigkeit, die ganze Enttäuschung, die ganze Notlage eines gesamten Landkreises auf den Punkt bringt. Es sind die Worte von Michael Fahmüller, dem Landrat des bayerischen Landkreises Rottal-Inn. Jenes Landkreises, der seit Mittwoch mit einer Inzidenz von 1104 bundesweit den traurigen Spitzenplatz belegt. Angesichts der Verschärfung hat er sich nun in einem emotionalen Statement an die Bürgerinnen und Bürger gewandt.

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Die Situation in den Kliniken und auf den Intensivstationen sei in ganz Bayern „besorgniserregend“, schreibt der Landrat. Das Personal sei am Ende seiner Leistungsfähigkeit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zermürbt, müde und frustriert. „Ich habe eine solche Situation noch nie erlebt.“ Er habe deshalb seine Landratskollegen nachdrücklich zum Ausrufen des landesweiten Katastrophenfalls aufgefordert, „um insbesondere die notwendigen organisatorischen Maßnahmen leichter umsetzen zu können“.

Am Mittwoch waren in über der Hälfte der 96 Kreise und größeren Städte Bayerns weniger als 10 Prozent der Intensivbetten frei, wie aus dem Divi-Intensivregister hervorgeht. Davon meldeten 21 Kommunen, dass bis auf das letzte Bett die Intensivstationen voll belegt seien. Landesweit waren 653 Covid-Patientinnen und ‑Patienten in Intensiv­behandlung, gut 130 mehr als vor einer Woche und rund doppelt so viele wie noch vor drei Wochen. Im landesweiten Schnitt sind knapp 91 Prozent der Intensivbetten belegt.

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„Müssen da jetzt gemeinsam durch, koste es, was es wolle“

„Wir können die Pandemie weder wegleugnen noch vor ihr kapitulieren. Wir müssen da jetzt gemeinsam durch, koste es, was es wolle“, so Fahmüller, der in seinem Landkreis ein Déjà-vu erlebt. Angesichts extrem gestiegener Corona-Zahlen wurde in Rottal-Inn Ende Oktober 2020 als zweitem Landkreis von der bayerischen Landesregierung ein regionaler Lockdown veranlasst. Nun ist der Landkreis wieder im festen Klammergriff der Pandemie. „Woran dies liegt, vermögen wir derzeit nicht zu sagen, denn Ursachen und Ansteckungsgründe zu ermitteln ist derzeit nicht mehr machbar.“

Landrat Fahmüller appelliert an die Bürgerinnen und Bürger: „Bitte verhalten Sie sich – auch ohne staatlich verordneten Lockdown und Kontaktsperre – vernünftig und gehen Sie keine unnötigen Risiken ein.“ Menschen ohne Immunisierung bittet er, ihre Entscheidung nochmals zu überdenken. Trotz vieler Impfdurchbrüche seien schwere Verläufe „zu etwa 90 Prozent bei Ungeimpften“ zu finden. „Die Pandemie hat uns im Griff und wir können uns nur gemeinsam daraus lösen.“

RND mit Material der dpa

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