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Gutscheine bei Reise-Stornos: Bitter für Verbraucher

  • Verbraucher sollen bei abgesagten Flügen, Pauschalreisen oder Konzerten in der Corona-Krise statt Bargeld Gutscheine erstattet bekommen.
  • Das ist ein harter Einschnitt, schreibt unser Kommentator Andreas Niesmann.
  • Dass die Politik zu dieser unpopulären Entscheidung bereit ist, zeigt, wie groß die Not der Unternehmen inzwischen ist.
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Berlin. Für Verbraucher ist es auf den ersten Blick eine bittere Nachricht: Wer ein Ticket für Pauschalreisen, Flüge, Konzerte oder Sportveranstaltungen gekauft hat, die wegen der Corona-Epidemie abgesagt werden, soll nach dem Willen der Bundesregierung kein Bargeld mehr zurückbekommen. Statt der Cash-Erstattung sollen Kunden mit Gutscheinen entschädigt werden, die sie irgendwann - wenn die Krise vorbei ist - einlösen können.

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Wer stattdessen lieber sein Geld haben will muss warten: Erst Ende 2021 laufen die Gutscheine ab, dann müssen die Veranstalter den Kaufpreis zurück bezahlen - wenn es sie dann noch gibt. Wenn nicht - und das ist die gute Nachricht -, sollen Versicherungen oder der Staat einspringen. Das Geld ist also nicht weg, es ist nur ein Weile nicht verfügbar. “Zwangskredit”, diese von Verbraucherschützern in die Debatte eingebrachte Bewertung ist nicht ganz falsch.

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Kleine und mittlere Unternehmen trifft Corona-Krise besonders hart

Dass die Politik diesen unpopulären Schritt gegangen ist, zeigt, wie groß die Not in Reisewirtschaft, Veranstaltungsbranche und Kulturbetrieb inzwischen ist. Zahlreiche Unternehmen bangen um ihre Existenz, vor allem die Kleinen und Mittelgroßen trifft die Krise mit Wucht. Die staatlichen Zuschüsse reichen oft gerade einmal für die laufenden Zahlungen eines Monats aus. Und danach? Wenn zusätzlich zu den Einnahmeausfällen auch noch eine Rückerstattungswelle gekommen wäre, hätten mutmaßlich viele Betriebe vor dem finanziellen Ruin gestanden.

Die Regierung verlangt nun von den Kunden einen Beitrag zur Rettung der Unternehmen ab. Diejenigen, die es sich leisten können, werden das verschmerzen. Allen anderen bleibt, auf die angekündigten Härtefallregelungen zu hoffen. Dabei steckt der Teufel im Detail: Es ist wichtig, dass die Regierung eine großzügige und unbürokratische Regelung für Menschen findet, die auf die Rückzahlung angewiesen sind. Einem Reiseveranstalter die eigene finanzielle Situation offen zu legen, ist niemanden zuzumuten.

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