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„Der Tag“

Gruselburg statt Märchenschloss

In den kommenden Tagen ist hier etwas mehr los als gewohnt: Der G7-Gipfel findet auf Schloss Elmau statt.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

auf rund 1000 Metern Höhe im Tal des Wettersteingebirges liegt Schloss Elmau. Mitten zwischen Wiesen, Wäldern und Bergen umgibt das Luxushotel eine Atmosphäre, die zum Entspannen einlädt – vielleicht sogar zum Träumen.

Nicht so in diesen Tagen.

18.000 Polizistinnen und Polizisten aus ganz Deutschland sind in den Landkreis Garmisch-Partenkirchen gekommen, um die Sicherheit beim heute beginnenden G7-Gipfel zu gewährleisten. Das Tal wird großräumig gesperrt. Stattliche 170 Millionen Euro kostet das Treffen insgesamt. Vom 26. bis zum 28. Juni kommt die „Gruppe der sieben“ auf Einladung des Bundeskanzlers Olaf Scholz im beschaulichen Schloss Elmau zusammen.

Das sind: Joe Biden (Präsident der USA), Emmanuel Macron (Präsident Frankreichs), Boris Johnson (Premierminister Großbritanniens), Mario Draghi (Ministerpräsident Italiens), Justin Trudeau (Premierminister Kanadas) und Fumio Kishida (Premierminister Japans).

Auch die Themen, mit denen sich die Regierungschefs auseinandersetzen müssen, machen aus dem Tagungsort eher eine Gruselburg als ein Märchenschloss.

Krieg, Hunger, Energiekrise, Inflation – die schlechten Nachrichten nehmen in den letzten Tagen nicht ab, die Herausforderungen werden umso größer. Das Jahr 2022 zeigt abermals, dass wir in einem Zeitalter der multiplen Krisen leben, die sich gegenseitig bedingen und verschlimmern. Dazu zählt auch der Klimawandel und seine Folgen, der aufgrund der akuten Krisen, immer wieder in den Hintergrund rückt. Wie unsere krisengeplagte Welt die Arbeit der Politikerinnen und Politiker erschwert, hat Hauptstadt-Korrespondent Markus Decker aufgeschrieben.

G7-Staaten sehen ernsthafte Bedrohung der Nahrungsmittel­sicherheit

In einer gemeinsamen Erklärung der G7-Staaten hieß es, Russlands Krieg verschärfe die Nahrungsmittelkrise.

Dabei spüren die Bürgerinnen und Bürger in Europa und in Deutschland die Konsequenzen in Form von Hitzewellen, Waldbränden und Dürreperioden immer mehr. Im französischen Villars-sur-Var führte das vor einigen Tagen sogar dazu, dass die Menschen zum Zähneputzen kein Wasser aus dem Hahn benutzen durften.

Um dieser Krise zu begegnen, will Scholz auch über den von ihm vorgeschlagenen „Klimaclub“ sprechen. Dessen Zweck wäre es, gemeinsame Ziele im Kampf gegen den Klimawandel festzulegen und zu erreichen – wie zum Beispiel den Verzicht auf fossile Energien. Was außerdem auf der Tagesordnung steht, hat Kristina Dunz, stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros, aufgelistet.

Müdigkeit unter Demonstrierenden?

In der Bevölkerung stößt das Treffen auf Unmut. 17 Demonstrationen wurden für die nächsten Tage angemeldet, melden die örtlichen Behörden. Einige Aktivistinnen und Aktivisten zelten bereits seit einigen Tagen in Garmisch-Partenkirchen und planen, sich über die Wanderwege ihren Weg möglichst nah an das schwer gesicherte Schloss Elmau zu bahnen, um den Politikern ihre Kritik vorzutragen. Bisher ist es aber ruhiger als angenommen. Am Samstag waren zu einer Protestaktion in München eigentlich rund 20.000 Personen angemeldet, gekommen sind überraschenderweise lediglich rund 4000. Es scheint, als lasse die Kraft der Demonstrierenden nach – zu groß der Frust über die Missstände, die sich nicht ändern.

Aber können die G7 dieses Mal eine Lösung finden?

Nun ja, die Erwartungen an das Gipfeltreffen dämpfte nicht zuletzt der Bundeskanzler selbst. In der zweiten Folge seines Videoformats „Kanzler kompakt“ sagte er am Samstag: „Berge versetzen werden wir dort sicher nicht.“ Und das, obwohl doch genügend Objekte in nächster Nähe stünden.

Rund 4000 Menschen demonstrieren in München gegen G7-Gipfel

Einen Tag vor dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau hatten 15 Verbände zu einer zentralen Protestversammlung nach München geladen.

 

Zitat des Tages

„Ich sah, wie ein Mann mit einer Tasche auf das Gelände kam. Er nahm eine Waffe in die Hand und begann zu schießen.“ Zuerst habe er gedacht, der Mann habe ein Luftgewehr bei sich. „Dann zersprang das Glas der Bar nebenan und ich wusste, dass ich in Deckung gehen musste.“

Olav Rønneberg,

norwegischer Journalist

In der norwegischen Hauptstadt Oslo wurden in der Nacht zu Samstag zwei Menschen in der Nähe des Queer-Clubs London Pub durch Schüsse getötet, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Erste Ermittlungen der Polizei zeigen, dass es sich um eine Tat mit islamistischem Hintergrund handeln könnte. Wir haben hier alles, was bisher über den Fall und den mutmaßlichen Täter bekannt ist, zusammengefasst.

 

Leseempfehlungen

Keine Frage, Pandemien sind eine Katastrophe für die Menschheit. Aber sie sind gleichzeitig auch eine Chance für Innovationen. Die Cholera etwa brachte uns sauberes Trinkwasser. Welche Erkenntnis der Corona-Pandemie wird nicht nur unser Leben, sondern auch das Leben unserer Kinder und Enkelkinder verbessern? Meine Kollegin Anna Schughart wirft einen Blick auf die Chancen in der Corona-Krise.

70 Grad Celsius im Norden, Flut im Süden: China wird von zwei Naturkatastrophen gleichzeitig heimgesucht. Beide sind Anzeichen des Klimawandels, dem die Regierung mit Rekordinvestitionen in erneuerbare Energien die Stirn bieten will. China-Korrespondent Fabian Kretschmer erklärt, wie das gelingen soll.

 

Aus unserem Netzwerk

Eine Hundeführerin der Polizei Hannover gibt als „Instacop“ Einblicke in ihre tägliche Arbeit. Privat ist die junge Frau offenbar mit einem vorbestraften Neonazi zusammen. Die Behörde hat nun erste Konsequenzen gezogen, berichtet die „Hannoversche Allgemeine“.

 

Termine des Tages

  • Auftakt G7-Gipfel: Um 10.30 Uhr geht es mit einem Treffen von Bundeskanzler Scholz und US-Präsident Biden los.
  • Ein neues Führungsduo haben die Linken mit Martin Schirdewan und Janine Wissel gewählt. Am letzten Tag des Bundesparteitags geht es weiter darum, einen Weg aus der Krise zu finden.
 

Wer heute wichtig wird

Am 26. Juni 1997 – heute vor 25 Jahren – ist der erste Band der „Harry Potter“-Serie erschienen. „Harry Potter und der Stein der Weisen“ ist das erste von insgesamt sieben Büchern von J. K. Rowling über den Zauberlehrling, der die ganze Welt erobert hat.

Am 26. Juni 1997 – heute vor 25 Jahren – ist der erste Band der „Harry Potter“-Serie erschienen. „Harry Potter und der Stein der Weisen“ ist das erste von insgesamt sieben Büchern von J. K. Rowling über den Zauberlehrling, der die ganze Welt erobert hat.

 

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihre Chantal Ranke

 

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