Grünen-Chef Habeck deutet politischen Aschermittwoch um

  • Der Grünen-Chef spricht auf der zentralen Aschermittwochsveranstaltung seiner Partei in Landshut.
  • Doch wer auf Breitseiten gegen Markus Söder, die CSU oder sonstige politische Gegner gehofft hatte, wird enttäuscht.
  • Selbst an diesem Tag präsentiert Habeck sich und seine Partei ganz und gar staatstragend.
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Landshut. Grünen-Chef Robert Habeck fremdelt mit der Tradition des politischen Aschermittwochs. Jedenfalls möchte der Lübecker diesen Eindruck erwecken, als er – der selbsternannte “alte Fischkopp” – in Landshut auf die Bühne tritt. Die Tradition des Aschermittwochs bestehe laut Habeck im “persönlich Beleidigen, mal deftig Austeilen”. Das aber empfinde er in dieser politisch aufgeheizten Zeit als unpassend.

“Wie reden wir Klartext, ohne dem Populismus weitere Munition zu geben?”, ruft er aus. Seine Rede ist eine Antwort auf diese Frage: Sie fällt ziemlich staatstragend aus und gipfelt in einer für die Karnevalszeit nicht unbedingt naheliegenden Forderung: “Wir brauchen einen Schutzschild des Anstandes.”

Auf Kritik verzichtet der Grünen-Chef freilich nicht

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Gewiss verzichtet auch Habeck nicht auf Kritik am politischen Gegner. Er beklagt die Glaubwürdigkeitskrise der Regierungsparteien im Bund: “Wir haben uns an die Sehnsucht nach Bedeutungslosigkeit der SPD gewöhnt.” Jetzt käme da auch noch die Union hinzu. Die CSU und ihr Chef Markus Söder kommen erwartungsgemäß am schlechtesten weg. So seien die Christsozialen bloß “eine große Regionalpartei”. Bayerns Ministerpräsident Söder halte sich daheim zwar für einen Löwen. In Berlin aber schrumpfe er zu einem Kätzchen. Auf bundespolitischer Ebene hätten Söder und seine Partei nichts zu sagen.

Zudem drückt Habeck sein Misstrauen am Anti-AfD-Kurs der CSU aus, den diese an den Tag legt, seitdem sie bei der Landtagswahl 2018 viele Stimmen an die Grünen verlor. Er frage sich, so Habeck, “ob diese Einsicht einer tiefen Überzeugung folgt oder ob man seine Überzeugung sucht wie am Grabbeltisch beim Black Friday”. Habecks Botschaft ist klar: Wer bei den bevorstehenden bayerischen Kommunalwahlen am 15. März für Weltoffenheit und Toleranz stimmen will, der geht lieber auf Nummer sicher und wählt grün statt schwarz.

Und doch wirft Habeck eine Tradition über Bord

Viel war im Vorfeld dieses Aschermittwochs von einem Fernduell zwischen Habeck und Söder geschrieben worden. Schließlich machen die Grünen der CSU ihre Vormachtstellung im Freistaat streitig. Umfragen verorten sie bei 20 Prozent. Damit drohen viele CSU-Kommunalpolitiker ihre Ämter an die Ökos zu verlieren. Doch statt sich dem rhetorischen Schlagabtausch hinzugeben, entsagt Habeck den Erwartungen, als seien sie unter seinem Niveau.

“Überlassen wir es den anderen, sich mit sich selbst zu beschäftigen”, sagt er. In beinah präsidialem Tonfall fordert der Grünen-Chef: “Halten wir Aschermittwochsreden der Zuversicht und nicht der Bepöbelung des politischen Gegners.” Habeck wirft eine Tradition über Bord – unter dem Jubel seiner Anhänger.

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