Die Grünen sind nicht mehr wiederzuerkennen

  • Die SPD lieferte sich einen beinharten Wettkampf um den Parteivorsitz, jetzt tut es ihr die CDU gleich.
  • Die Grünen-Spitze macht die Kanzlerkandidatur derweil unter sich aus.
  • Für eine einst „basisdemokratische“ Partei ist das erstaunlich, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. Wer die Geschichte der Grünen seit ihren Anfängen begleitet hat, der reibt sich verwundert die Augen. Früher war die Ökopartei zunächst auf Fundamentalopposition und später auf rot-grüne Bündnisse geeicht. Heute koalieren Grüne in Ländern mit Christdemokraten, die teilweise der AfD nahestehen.

Auch personalpolitisch ist der Wandel fundamental. Während sich nach der SPD nun die CDU einen beinharten Wettkampf um den Vorsitz liefert, macht die Grünen-Spitze die Kanzlerkandidatur unter sich aus. Kein Parteitag wird gefragt, nicht mal ein Vorstand. Dabei soll die Entscheidung möglichst spät fallen – so wie bei der Union. Man schielt aufeinander.

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Die Grünen huldigen dem Wachstum

Das alles ist für eine einst „basisdemokratische“ Partei erstaunlich. Der Erfolg hat sich als maßgebliches Kriterium durchgesetzt. Was noch erstaunlicher ist: Es gibt weit und breit keinen halbwegs bedeutenden Grünen mehr, der das Prozedere noch infrage stellen würde. Sie huldigen politisch dem Prinzip, das sie einst ökonomisch gegeißelt haben: dem Wachstum.

Freilich wäre es falsch, dies zu beklagen. Denn die Grünen sind zwar in ihrem Gebaren längst bürgerlicher als jene Parteien, die sie ehedem „Altparteien“ nannten. Allerdings sind umgekehrt auch größere Teile der Gesellschaft von grünem Denken durchdrungen. Es handelt sich gewissermaßen um einen dialektischen Prozess. Außerdem sind die Grünen jetzt 40 Jahre alt; es wäre ein Wunder und weitaus problematischer, wenn sie sich nicht verändert hätten.

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Der Wahlkampf mit einer Kanzlerkandidatin oder einem Kanzlerkandidaten – Annalena Baerbock hätte als einzige Frau unter lauter männlichen Kandidaten wohl die besseren Chancen – wird die Grünen zu weiteren Anpassungen zwingen. Denn sie können unter gewissen Umständen zwar wirklich gewinnen. Nur hätte das wie alles im Leben seinen Preis.

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