Grüne fordern Verbot von hormonstörenden Stoffen

  • Sie werden für zahlreiche Krankheiten, Fehlbildungen und eine abnehmende Fruchtbarkeit verantwortlich gemacht: Sogenannte hormonstörende Chemikalien.
  • Die Grünen fordern einen Nationalen Aktionsplan zum Schutz der Bevölkerung.
  • Verbote sollen rasch umgesetzt werden.
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Berlin. Die Grünen wollen erreichen, dass die Bevölkerung besser als bisher vor Weichmachern und anderen gefährlichen Chemikalien geschützt wird, die in das Hormonsystem von Menschen eingreifen. „Die bisherigen Regulierungen auf europäischer und nationaler Ebene sind nicht ausreichend“, heißt es in einem Bundestags-Antrag der Grünen-Fraktion, der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Die Grünen fordern unter anderem nach dem Vorbild Frankreichs einen Nationalen Aktionsplan zum Schutz vor den sogenannten hormonstörenden Chemikalien und ein rasches nationales Verbot von Stoffen, bei denen bereits ausreichend Hinweise auf schädliche Wirkungen vorliegen. Konkret nennen die Grünen ein Verbot von Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen und von sogenannten PFC-Chemikalien in Verpackungen aus Pappe und Papier.

Zahlreiche Krankheiten

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Hormonstörende Chemikalien, die in Kosmetikprodukten, Textilien oder Verpackungen enthalten sind, werden nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation mit vielen Krankheiten in Verbindung gebracht. Dazu zählen Brustkrebs, Diabetes, Asthma, Alzheimer, Parkinson, ADHS und Autoimmunerkrankungen. Studien deuten darauf hin, dass sie Übergewicht und Bluthochdruck begünstigen sowie ein früheres Einsetzen der Pubertät auslösen können. Sie werden auch für Fehlbildungen an weiblichen und männlichen Geschlechtsorganen sowie für eine abnehmende Fruchtbarkeit verantwortlich gemacht.

Die Grünen fordern in ihrem Antrag, alle hormonstörenden Chemikalien müssten schnellstmöglich durchgeprüft und reguliert werden. Ziel müsse sein, möglichst innerhalb der nächsten fünf Jahre die mehr als 1000 verdächtigen Stoffe zu bewerten und dann bei Hinweisen auf eine Gefährdung zu verbieten. Solange derartige Chemikalien weiter in Produkten enthalten seien, sei eine konsequente und leicht verständliche Produktkennzeichnung notwendig.

"Dick, dumm, krank und unfruchtbar"

„Es steht die sehr begründete Frage im Raum, ob uns hormonstörende Chemikalien dick, dumm, krank und unfruchtbar machen können“, sagte Bettina Hoffmann, Sprecherin für Umweltpolitik und Umweltgesundheit der Grünen-Bundestagsfraktion, dem RND. In Deutschland entwickele sich erst langsam ein Bewusstsein für die Gefahren des Einsatzes dieser Chemikalien, beklagte sie. In anderen Ländern sei die Debatte schon weiter, dort werde auch eher gehandelt. „Einem Vorstoß von Frankreich haben wir es beispielsweise zu verdanken, dass Bisphenol A mittlerweile zumindest in Babyflaschen europaweit verboten ist“, sagte Hoffmann. „Wir wollen das Thema deshalb im Bundestag oben auf die Agenda setzen.“