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  • Grünen Wahlplakate zur Bundestagswahl 2021: Zwischen Optimismus und Sarkasmus?

Optimistisch und in Teilen sarkastisch: Grüne stellen Wahlplakate für Bundestagswahl vor

  • Die Grünen haben ihre Wahlplakate für die Bundestagswahl im September vorgestellt.
  • Laut Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner soll die Wahlkampagne Optimismus und den Wunsch nach Veränderung ausstrahlen.
  • Ein bisschen Sarkasmus ist in den Videospots und auf einem Plakat mit Robert Habeck auch zu finden.
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Berlin. Annalena Baerbock laufe am besten, sagt Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner. Zumindest bei den Grünen-Wahlplakaten scheint das so zu sein und das ist ja eigentlich kein Wunder. Baerbock ist schließlich Kanzlerkandidatin.

Aber nach Wochen der Debatten um Baerbocks Buch und Lebenslauf kann man die Bestsellerqualitäten offenbar doch noch mal erwähnen. Die Wahlkampagne ist dadurch schließlich gehörig ins Schlingern geraten, die Umfragewerte sind abgerutscht.

Jetzt sind es noch gute zwei Monate bis zur Bundestagswahl, Zeit für die Präsentation der Wahlplakate also. Kellner setzt ein Lächeln auf. Es handele sich um „eine optimistische Kampagne, die auf Veränderung setzt“, sagt er. Es gehe um die großen Aufgaben der Zeit, die Klimakrise, die soziale Ungleichheit und den Zusammenhalt der Gesellschaft.

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Einen Raum in einem großen Gebäude mit vielen Start-up-Firmen haben die Grünen für die Präsentation gemietet. 40 Jahre sind die Grünen vergangenes Jahr geworden, aber irgendwie sehen sie sich auch als Start-up, als kleine Garagenfirma, die die großen Konzerne mit neuen Ideen überholt.

117.000 Mitglieder seien für die Grünen viel, sagt Kellner, aber eben wenig im Vergleich zu Union und SPD mit ihren mehreren Hunderttausend Mitgliedern. Und weniger Geld habe man auch – einen Wahlkampfetat von 12,5 Millionen Euro, während die Konkurrenz über 20 Millionen Euro ausgeben könnte.

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In einem schnell geschnittenen Spot mit vielen Satzkombinationen versuchen die Grünen mit Erwartungen und Vorurteilen zu spielen. „Wir sind pünktlich – beim Einhalten der Klimaziele“, heißt es da etwa, oder „Aufgehoben wird ein Tempolimit – auf der Datenautobahn“. Den Wahlkampfspruch der Union aus dem Jahr 2017 – „Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben“ – verfremden die Grünen zu „Ein Land, in dem man gut und gerne atmet“.

Große Sprüche und Sarkasmus

Auf Großplakaten mit dem Spitzenduo Annalena Baerbock und Robert Habeck heißt es: „Unser Land kann viel, wenn man es lässt“ und „Klimaschutz mit Wirkung“. Zehn Motive gibt es dann eben noch im kleineren Format für die Straßenaufsteller: rangelnde Kinder zum Thema Armut, eine Pflegerin zum Thema gerechte Bezahlung, eine strahlende junge Frau zu Europa, ein ernster Parteichef Robert Habeck mit dem Spruch „Züge, Schulen, Internet – ein Land, das einfach funktioniert“.

Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner bei der Präsentation der Wahlplakate für die Bundestagswahl 2021. © Quelle: Getty Images

Und eben Baerbock, mit einem Anflug von Lächeln und dem Spruch „Wirtschaft und Klima ohne Krise“. Der Hinweis, dass es sich um die Kanzlerkandidatin handelt, fehlt. Weiter personalisiert werde kurz vor der Wahl, in einer dritten Plakatewelle, sagt Kellner. Was dann plakatiert werde, sei noch nicht entschieden.

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Sein Plakatlieblingsmotiv, sagt Kellner, sei das mit den rangelnden Kindern.

Der Plagiatsprüfer, der Baerbocks Buch auseinandergenommen hat, hat mittlerweile angekündigt, sich nun auch mit Habecks Büchern zu befassen.

Die Kanzlerkandidatin hat nach Medienberichten bezüglich des Stipendiums, das sie von der Heinrich-Böll-Stiftung für ihre geplante, aber schließlich abgebrochene Promotion bekommen hatte, nun die Stiftung beauftragt, nochmal zu prüfen, ob sie sich richtig verhalten habe.

Nach mehreren Bildungspolitikern und Wissenschaftsvertretern warf sich am Montag auch der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jan-Marco Luczak, für Baerbock in die Bresche: Baerbock habe sich nicht rechtswidrig verhalten. Dass sie zum Zeitpunkt des Stipendiums Grünen-Chefin in Brandenburg gewesen sei, sei ein für ein Stipendium erwünschtes gesellschaftspolitisches Engagement. Die dafür gezahlte Aufwandsentschädigung sei kein Gehalt und damit unerheblich.

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