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Baerbock bedankt sich für „starken Rückenwind nach dem Gegenwind der letzten Wochen“

  • Auf dem Parteitag der Grünen in Berlin haben die Delegierten Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin gewählt.
  • In ihrer Rede im Anschluss warb sie für klimagerechten Wohlstand.
  • Auch zeigte sie sich froh über den „starken Rückenwind nach dem Gegenwind der letzten Wochen“.
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Berlin. Nach ihrer Bestätigung als Kanzlerkandidatin der Grünen hat Annalena Baerbock in ihrer Rede klimagerechten Wohlstand als Ziel für Deutschlands Zukunft formuliert. „Klimagerechter Wohlstand bedeutet, dass wir uns zutrauen, Umwelt und Wirtschaft zu versöhnen“, sagte sie beim Wahlparteitag am Samstagnachmittag in Berlin.

Mit Mut, „Erfindergeist, Solidarität und Vielfalt“ lasse sich eine Veränderung gestalten, die Halt geben könne in der Zukunft. „Über alldem steht die große Aufgabe unserer Zeit, das Abwenden der Klimakrise“, fügte sie hinzu. Baerbock sprach sich für eine neue soziale Marktwirtschaft aus, und das sei „eine sozial-ökologische Marktwirtschaft“, sagte sie beim Wahlparteitag am Samstagnachmittag in Berlin.

Baerbock will dabei auf Anreize und Investitionen, einen Preis, der lenkt, und Ordnungsrecht setzen. Das sei alles nichts Neues. Sie nannte die Gefahr des Ozonlochs als Beispiel. Nachdem FCKW verboten worden war, hatte sich das Problem gelöst.

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Mit 98,55 Prozent der Stimmen gewählt

Zuvor war Baerbock von den Delegierten mit 98,55 Prozent der Stimmen offiziell zur Kanzlerkandidatin gewählt worden. „Vielen Dank für dieses wahnsinnige Ergebnis. Vielen Dank für diesen Rückenwind nach dem Gegenwind der letzten Wochen“, sagte sie mit Blick auf ihre eigenen Fehler, über die sie sich „tierisch geärgert“ habe. Unterstützung habe sie dabei nicht zuletzt von Habeck bekommen. „Das hat Kraft gegeben und Power“, sagte sie. „Herzlichen Dank!“

Auch auf den Vorwurf, eine Verbotspartei zu sein, reagierte Baerbock in ihrer Rede. „Statt zu verhindern und abzuwarten, will ich ermöglichen!“, sagte sie. Sie kämpfe dafür, „dass unsere Kinder auch in Zukunft in Freiheit leben können“.

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Annalena Baerbock mit großer Mehrheit als Grünen-Kanzlerkandidatin bestätigt
0:59 min
Auf dem Parteitag der Grünen in Berlin haben die Delegierten Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin gewählt.
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Baerbock will Kinderrechte stärken

Diese hätten in der Pandemie besonders gelitten. Eine geschlossene Schule sei etwas anderes als ein geschlossenes Großraumbüro, sagte sie weiter. Die nächste Regierung müsse Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt ihrer Politik stellen. Dafür stehe sie ein. „Das bedeutet, dass wir endlich anerkennen, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind“, so Baerbock. Es sei ein „Armutszeugnis“, dass sich die Union nach diesem Jahr dem Anliegen verweigert habe, starke Kinderrechte ins Grundgesetz zu schreiben. Und: „Es ist ein Unding, dass in unserem Land – auch schon vor Corona – jeder dritte Hartz-IV-Empfänger ein Kind ist.“ Sie wolle ihnen mit einer Kindergrundsicherung unter die Arme greifen.

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CDU und CSU kritisierte sie auch mit Blick auf den Mindestlohn. „Niemand hindert die Union daran, den Mindestlohn endlich auf 12 Euro anzuheben“, sagte sie. Die Grünen hatten am Samstag eine Erhöhung in ihr Wahlprogramm aufgenommen.

Baerbock versuchte zudem gezielt, auch Menschen außerhalb der eigenen Blase anzusprechen. Wenn sie „wir“ sage, seien damit nicht nur die Mitglieder der eigenen Partei gemeint, sondern „mit ‚wir‘ meine ich jeden Bürger und jede Bürgerin“, sagte Baerbock am Samstag beim digitalen Grünen-Parteitag. „Dem Wohle aller zu dienen – das ist unser Kompass.“

Zu den Themen Rassismus, Antisemitismus und Sexismus äußerte sich die Grünen-Chefin deutlich. „Es gibt hier kein Verharmlosen, kein Wegsehen“, sagte sie. Die Freiheit werde mit Füßen getreten, wo Menschen auf ihre Herkunft, ihre Religion oder ihr Geschlecht reduziert würden.

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Baerbock forderte Deutschland und Europa überdies auf, mehr Verantwortung zu übernehmen. „Wir können Deutschland nur erneuern, wenn unser Aufbruch ein europäischer Aufbruch ist“, sagte sie. Auf Basis von Menschenwürde und Men­schen­rech­ten, Freiheit, Solidarität und Rechtsstaatlichkeit könne gemeinsam gehandelt werden, sagte sie mit Blick auf den Klimaschutz und die Wirtschaftspolitik. Dabei müsse Europa gegenüber China selbstbewusster und souveräner werden. Man dürfe nicht schweigend zusehen, wenn etwa Blogger in Belarus aus Flugzeugen gezerrt und verhaftet würden.

Baerbock schloss ihre Rede mit einem Blick nach vorn. „Erstmals seit Jahrzehnten liegt echter Wechsel in der Luft“, sagte sie. Die Grünen lieferten sich ein „Duell mit der Union“. „Jetzt ist der Moment, unser Land zu erneuern“, sagt Baerbock weiter. „Denn alles ist drin.“

RND/cz/mdc/dpa

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