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„Fräulein Bundeskanzlerin“: Hass trifft statt Merkel nun Baerbock

  • Kanzlerin Angela Merkel wurde immer wieder auch attackiert, weil sie eine Frau ist.
  • Das gleiche Schicksal ereilt nun Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.
  • Sie bekommt neuerdings Personenschutz.
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Berlin. Wer wissen will, wo das Problem liegt, der muss nur die Kommentare zu einem x-beliebigen Tweet von Annalena Baerbock durchscrollen.

Man stößt dann auf Anmerkungen wie: „Vollkommen weltfremd, Fräulein Bundeskanzlerin.“ Dabei ist die 40-Jährige eine verheiratete Mutter von zwei Kindern.

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An anderer Stelle wird sie als „ehemalige FDJ-Sekretärin“ bezeichnet. Tatsächlich stammt Baerbock aus dem westdeutschen Hannover und war noch dazu nicht einmal zehn Jahre alt, als die Mauer fiel.

Das mit der FDJ-Sekretärin ist aber interessant. Denn es ist den Angriffen auf jene Frau entlehnt, die jetzt noch regiert: Angela Merkel.

Was Merkel – der Pegida-Anhänger Slogans wie „Mutti muss weg!“ zuriefen – erlebt hat, seitdem sie zur CDU-Vorsitzenden und Kanzlerin aufstieg, erlebt die Kanzlerkandidatin der Grünen jetzt in ähnlicher Weise: Sie wird angegriffen, weil sie eine machtbewusste Frau ist.

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Angebliche Nacktbilder

Dabei sind die eingangs genannten Zitate noch relativ harmlos. Gravierender sind angebliche Nacktbilder, die neuerdings im Netz kursieren, aber gar nicht Baerbock zeigen, sondern ein russisches Model. Viele Attacken gehen nach Angaben von Experten auf das Konto rechter Gruppen, teilweise unterstützt aus Russland.

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Parteisprecherin Nicola Kabel sagt: „Sowohl Annalena Baerbock als auch Robert Habeck werden im Netz schon lange attackiert. Aber seit der Nominierung von Annalena Baerbock haben gefälschte Zitate und gefakte Bilder noch mal einen Schub bekommen. Das begann gleich in den ersten Tagen.“

Allein in den letzten zwei Wochen habe die Parteizentrale 15 Meldungen im Rahmen des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes gemacht. „Wenn Dinge strafrechtlich relevant erscheinen, bringen wir sie zur Anzeige“, sagt Kabel. „Nicht alles hat automatisch eine frauenfeindliche Komponente; aber sie kommt in manchen Fällen noch dazu.“

Ein Ergebnis der Angriffe ist, dass Baerbock jetzt Personenschutz bekommt.

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„Spätestens seitdem klar ist, dass Annalena Baerbock Kanzlerin werden könnte, sehen wir eine Schwemme des Hasses gegen sie: Beleidigungen, Drohungen, Diffamierungen“, sagt Susanne Kaiser, Autorin des Buches „Politische Männlichkeit. Wie Incels, Fundamentalisten und Autoritäre für das Patriarchat mobilmachen“.

„Das ist kein Zufall, sondern die typische Behandlung einer Frau, die sich in einer ‚Männerdomäne‘ bewährt, als Politikerin mit Macht und Einfluss.“ Die Angriffe hätten das Ziel, sie aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. Deshalb werde versucht, Baerbock auf ihr Frausein zu reduzieren, indem ihre Gegner immer wieder thematisierten, wo eine Frau hingehöre: in die Familie, in die eigenen vier Wände, ins Bett.

Das Ziel: Frauen verdrängen

„Dieser gut organisierte Hass ist ein vergleichsweise neues Phänomen, er trifft alle Frauen, die etwas erreichen, von dem offenbar nicht wenige denken, dass es ihnen nicht zustehen würde: Macht, Autorität, Einfluss“, fährt Kaiser fort.

„Dieselben Reflexe ließen sich schon beobachten, als Angela Merkel Kanzlerin wurde.“ Sie gehöre zu den meistgehassten Frauen weltweit und stehe auf Todeslisten von Rechtsterroristen – etwa dem Attentäter von Christchurch – ganz oben. Baerbock gehe es mit dem Polizeischutz nun ähnlich.

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Ulle Schauws, frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, findet derweil: „Dass eine Frau Kanzlerkandidatin bei den Grünen ist und deshalb angegriffen wird, zeigt eine gewisse Hilflosigkeit derer, die sie angreifen. Das ist ein sehr billiges und chauvinistisches Mittel. Und es spricht eher gegen die, die so vorgehen, als dass es Annalena Baerbock schadet.“

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