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Partygate in Großbritannien: der letzte Tropfen?

Der letzte Tropfen? Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, könnte gerade seine letzten Tage im Amt erleben. Der Druck nimmt nach weiteren Enthüllungen über Partys während des Lockdowns zu.

London. Briten mussten während des Lockdowns im Frühjahr 2020 auf viele schöne Dinge verzichten: auf einen Besuch im Pub, auf Treffen mit Freunden oder auch auf das Stöbern in Buchläden. Besonders schmerzlich vermisst wurden Geburtstagspartys.

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Schließlich sind sie Meilensteine im Leben von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Menschen in Seniorenheimen, die dort vielleicht zum letzten Mal feiern. Aber es gab keine Ausnahmen, Treffen in Innenräumen waren damals streng verboten.

Doch was für die Menschen im Königreich Gesetz war, galt offenbar nicht in der Downing Street 10 und nicht für Boris Johnson, wie am Dienstag bekannt wurde. Der Premierminister feierte anlässlich seines 56. Geburtstages am 20. Juni 2020 Medienberichten zufolge mit bis zu 30 Gästen. Es soll Sandwiches gegeben haben, einen Kuchen, und man habe „Happy Birthday“ für ihn gesungen.

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Johnsons Kommunikationsstrategie

Es ist eine weitere Party, von denen der Premier erst keine Kenntnis gehabt haben will und schließlich angeblich nicht wusste, dass solche Feiern verboten waren. Die Polizei hat unter dem massiven Druck der Öffentlichkeit nun die Ermittlungen aufgenommen.

In der Downing Street leugnete man am Dienstag nicht, dass das Treffen anlässlich des Geburtstages während des ersten Lockdowns stattgefunden hat, spielte es jedoch herunter. In einem offiziellen Statement wurde die vermeintliche Überraschungsparty als ein kurzes Treffen am Ende eines Arbeitstages beschrieben. Umweltminister George Eustice will sich außerdem daran erinnern, dass nicht etwa 30, sondern nur rund zehn Mitarbeiter dort waren.

Inzwischen ist die Rede von fast 20 Partys

Was genau stattgefunden hat, sollten mal wieder die Ermittlungen durch die Beamtin Sue Gray klären, die nun schon wochenlang zu mittlerweile knapp 20 Partys in der Downing Street 10 und weiteren Ministerien recherchiert. Ihr Bericht sollte diese Woche veröffentlicht werden und wurde nicht nur von der Opposition und den Gegnern Johnsons sehnsüchtig erwartet – zumindest bis Dienstag.

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Denn der Bericht liegt auf Eis, seit die Metropolitan Police nun doch zu den Partys ermittelt – wegen möglicher Verstöße gegen die Coronavirus-Vorschriften, wie es hieß. Welche Ereignisse durch die Polizei genau in den Blick genommen werden und ob der Schritt der Behörden etwas mit der Geburtstagsfeier des Premiers zu tun hat, wurde nicht bekannt.

Boris Johnson sei bereit, sich von der Polizei befragen zu lassen, glaube jedoch nicht, dass er gegen das Gesetz verstoßen habe, ließ einer seiner Sprecher verlauten. Auch Sue Gray werde bei den Ermittlungen behilflich sein, hieß es am Dienstag.

Zwei mögliche Szenarien

Beobachter bezeichnen dies als eine entscheidende Wendung, die aktuell vor allem zwei mögliche Entwicklungen für Boris Johnson wahrscheinlich macht. Entweder, so meinen manche, nimmt die Verzögerung der Veröffentlichung des Reports durch Sue Gray der Rebellion einiger Torys den Wind aus den Segeln, und das Thema verschwindet für eine Weile – vielleicht sogar monatelang – aus dem Blickfeld.

Lockdownpartys von Johnson: Scotland Yard ermittelt gegen Premierminister

Boris Johnson steht seit Wochen wegen Berichten über mutmaßlich illegale Partys in seinem Amtssitz massiv unter Druck.

Oder aber die polizeilichen Ermittlungen untergraben Johnsons Autorität endgültig und sind damit der letzte Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen bringt. So oder so liegt das Schicksal Boris Johnsons Experten zufolge in den Händen der Torys und der Frage, ob sie ihn nun endgültig loswerden wollen oder nicht.

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Über die Rolle von Johnsons Ex-Berater

Einer, der Boris Johnson auf jeden Fall loswerden will, ist der frühere Berater und Architekt der Brexit-Kampagne Dominic Cummings. Er hatte sich mit dem Premier überworfen und trat Ende des Jahres 2020 zurück. Seitdem versucht der umstrittene Stratege, Johnson mit immer neuen Anschuldigungen zu diskreditieren.

Dominic Cummings, einst der leitende Berater des britischen Premierministers Johnson.

Dominic Cummings, einst der leitende Berater des britischen Premierministers Johnson.

Im Sommer vergangenen Jahres behauptete er zum Beispiel, dass die jetzige Frau des Premiers versucht habe, Politikern, die er als „Clowns“ bezeichnete, Schlüsselpositionen in der Regierung zu verschaffen. Darüber hinaus kritisierte er die Entscheidungen der Regierung während der Pandemie: „Johnson hat keinen Plan.“

Zuletzt soll Cummings maßgeblich für immer neue Enthüllungen um Partys verantwortlich gewesen sein, um Johnson wieder loszuwerden. Dieses Mal vielleicht mit Erfolg.

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