Großbritannien: Eine Insel wächst zusammen

  • Schottland, England und Wales bilden einen Staat – aber das war nicht immer so.
  • Erst der „Act of Union“ formte 1701 das Vereinigte Königreich.
  • Das hatte vor allem einen Grund: Schottland war mehr oder weniger pleite.
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England? Schottland? Für viele stellt sich heute gar nicht die Frage, wo der Unterschied ist – ist doch schließlich alles Großbritannien, beziehungsweise das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland, wie der offizielle Staatsname lautet. Doch tatsächlich handelte es sich bei den beiden Ländern über etliche Jahrhunderte um zwei getrennte Königreiche. Schon die Römer, die vom Jahr 43 bis etwa 440 England und Wales beherrschten, vermochten es nicht, bis in den hohen Norden der Insel vorzudringen. Sie bauten stattdessen den Hadrianswall, eine Befestigungsanlage, mit der sie ihr Reich abschotteten.

Am 1. Mai 1701 formten Schottland und England mit dem „Act of Union“, dem Vereinigungsgesetz, das Vereinigte Königreich – nachdem beide Länder bereits seit 1603 in Personalunion von einem König regiert worden waren. Beide auch politisch zu vereinen war schon damals umstritten: Zwar stimmten knapp 45 Prozent der schottischen Abgeordneten für die Vereinigung – doch die Stimmung im Volk war konträr. Dennoch: Mit dem Vereinigungsgesetz wurde das Parlament in Edinburgh aufgelöst und der Norden der Insel fortan von London aus mitregiert. Schottland entsandte im Gegenzug Vertreter ins neue gemeinsame Ober- und Unterhaus.

Schottland war pleite

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Zwar waren den nun amtslosen schottischen Politikern allerlei Posten in der gemeinsamen Hauptstadt versprochen worden, doch der Grund des Zusammenschlusses schien eher wirtschaftlicher Natur: Schottland war zu Beginn des 18. Jahrhunderts mehr oder weniger pleite. Der Versuch des Landes, mit der Company of Scotland eine eigene Handelskolonie in Mittelamerika zu gründen, schlug gnadenlos fehl und vernichtete rund ein Viertel des schottischen Kapitals. Übergriffe der rivalisierenden Spanier sowie mehrere Epidemien bereiteten den kolonialen Bestrebungen das Aus. Im neuen gemeinsamen Staat konnten die Schotten nun frei handeln, England zahlte Reparationsforderungen und räumte dem Norden ein, unter anderem am eigenen Bildungssystem und der reformierten Kirche festzuhalten.

Die Geburt des Union Jacks

Der Union Jack, eigentlich Union Flag, wurde schon früh zum Symbol der Vereinigung. König Jakob I. hatte eine erste Version kurz nach der royalen Personalunion 1606 einführen lassen. Die Flagge stellt eine Überlagerung des englischen Georgskreuzes mit dem schottischen Andreaskreuz dar. 1801 wurde auch das irische Patrickskreuz hinzugefügt, und der Union Jack erhielt sein heutiges Aussehen.

Die Schotten taten sich fortan schwer damit, die Regierungsgeschäfte von London zu akzeptieren. Erst der britische Premierminister Tony Blair räumte ihnen 1998 mehr Souveränität ein: Unter seiner Regierung wurde das Parlament in Edinburgh wiederbelebt, das seitdem eine Reihe von Rechten zurückerhalten hat.

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