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Groß-Events besser absagen: Spahn erhöht Druck auf Veranstalter

  • Geht es nach Gesundheitsminister Jens Spahn, müssten in Deutschland angesichts der Ausbreitung des Coronaerregers mehr Veranstaltungen abgesagt werden – insbesondere solche mit mehr als 1000 Besuchern.
  • Offensichtlich ist Spahn unzufrieden damit, wie die Behörden vor Ort mit der Infektionsgefahr umgehen.
  • Unterstützung bekommt der Minister von Ärzteseite.
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Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ruft dazu auf, Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern angesichts der Ausbreitung des Coronaerregers abzusagen. Doch seine Partei, die CDU, schlägt die Mahnung des Ministers erst mal in den Wind. In der Parteizentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus, wird an den Planungen für den CDU-Parteitag am 25. April in Berlin jedenfalls weiter festgehalten. “Alle Vorbereitungen gehen ganz normal weiter”, so ein Sprecher auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

Dabei zählen Parteitage der Christlich Demokratischen Union Deutschlands laut Satzung genau 1001 Delegierte. Nicht zu vergessen, dass für gewöhnlich jede Menge Gäste, Journalisten und Helfer im Saal mit von der Partie sind.

Man stehe in engem Austausch mit den Berliner Gesundheitsbehörden, heißt es nun aus dem Konrad-Adenauer-Haus. Klar sei schon jetzt eine erste Maßnahme. Diesmal soll es keine internationalen Gäste geben.

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Wohl eher eine gegriffene Zahl

Erstaunlich ist, dass Spahn ausdrücklich die Zahl 1000 nannte, als er sich am Sonntagnachmittag über die Deutsche Presse-Agentur zu Wort meldete. Allerdings dürfte es sich dabei eher um eine gegriffene Zahl handeln.

Spahn sagte, zurzeit sei man bei Absagen von Veranstaltungen mit Besucherzahlen in dieser Größenordnung aus seiner Sicht noch zu zaghaft: “Angesichts der dynamischen Entwicklung der letzten Tage sollte das schnell geändert werden.” Von solchen Absagen betroffen sein könnten unter anderem Sportveranstaltungen, Messen und Konzerte.

Absagen oder nicht? Vor diesem Dilemma stehen inzwischen viele Event-Macher. Zuletzt war unter anderem die Internationale Tourismusbörse in Berlin und die Internationale Handwerksmesse in München abgesagt worden, die Hannover Messe dagegen wurde verschoben. Keine Absagen gab es dagegen etwa von Fußballspielen. In der Bundesliga wurde am Wochenende wie gewohnt gespielt.

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Der Rechtfertigungsdruck wird nun noch größer

Mit seinen Äußerungen erhöht Spahn – auch ohne Änderung der offiziellen Handlungsempfehlungen, die der Krisenstab der Bundesregierung Ende Februar ausgesprochen hatte – den Druck auf alle, die für die nächsten Wochen und Monaten größere Veranstaltungen vorbereiten.

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Wer an seiner Planung unbeirrt festhält, dürfte unter großen Rechtfertigungsdruck geraten. Geisterspiele in der Bundesliga, leere Bühnen, verwaiste Konzerthallen und weitere Messeabsagen werden dadurch wahrscheinlicher.

Und wenn Veranstalter dennoch nicht absagen, stellt sich für den Einzelnen immer noch die Frage: Hingehen oder daheim bleiben?

Spahn stellt die bisherige Verfahrensweise nicht infrage. Die Entscheidung darüber, was stattfindet und was nicht, bleibt bei den Veranstaltern.

Rückendeckung erhält Spahn für seinen Kurs aus der Ärzteschaft. “Man kann nicht Fußballspiele mit 35.000 Besuchern stattfinden lassen, als wäre nichts geschehen”, sagte Frank Ulrich Montgomery, Chef des Weltärztebundes, am Sonntag dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

“Wenn man wirklich daran interessiert ist, den Erreger, den wir hier in Deutschland hervorragend im Griff haben, weiter einzudämmen, muss man raten, solche Veranstaltungen abzusagen und sie nicht zu besuchen”, so Montgomery weiter. Es sei “völlig richtig”, dass Spahn jetzt diese Empfehlung ausspreche.

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