Grönemeyer gegen rechts: Danke, Herbert!

  • Kaum ein Künstler engagiert sich so langfristig und glaubwürdig gegen rechts wie Herbert Grönemeyer.
  • Es ist infam, wenn ausgerechnet Vertreter der AfD nun einen Auftritt des Künstlers mit Reden aus der Zeit vor 1945 vergleichen.
  • Wir brauchen mehr Menschen wie Grönemeyer, kommentiert Tobias Peter.
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Berlin. „Hart im Hirn, weich in der Birne, ohne Halt, einfältig und klein. Auf der Suche nach einem Führer: Es ist hart, allein beschränkt zu sein“, sang Herbert Grönemeyer bereits im Jahr 1993 in seinem Song „Die Härte“: ein musikalisches Plädoyer gegen Neonazis und rechte Tendenzen im Land. Ich war damals gerade 14 Jahre alt geworden. Und ich habe auf einem der ersten großen Konzerte meines Lebens jedes einzelne Wort mitgesungen. Oder vielleicht eher mitgegrölt.

Jeder, der sich zumindest einmal zwei Minuten lang mit Grönemeyer beschäftigt hat, weiß, dass der 63-Jährige zu den Künstlern gehört, die sich seit vielen Jahren mit größter Glaubwürdigkeit und höchstem Engagement gegen Rechtsextremismus einsetzen. Und jeder, der schon mal eine Platte des Popmusikers gehört hat oder auf einem seiner Konzerte war, weiß: Grönemeyer ist kein Stimmakrobat, der immer jeden Ton in Perfektion trifft. Die Menschen lieben seine Stimme eher, weil er mit ihr große Emotion transportiert, gelegentlich auch ungestüm.

Grönemeyer: Meinung klar, Stimme überdreht

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Jetzt setzt es Kritik an Grönemeyer für einen Auftritt in Wien, bei dem er die Menschen dazu aufgefordert hat, „keinen Millimeter nach rechts“ zu rücken. Grönemeyers Stimme ist dabei laut und überdreht, keine Frage. Er ruft den etwas unglücklichen Satz ins Mikrofon: „Und ich glaube, es muss uns klar sein, auch wenn Politiker schwächeln – und das ist, glaube ich, in Österreich nicht anders als bei uns in Deutschland –, dann liegt es an uns, zu diktieren, wie eine Gesellschaft auszusehen hat.“

Grönemeyer hält keine Parlamentsrede, er steht auf einer Konzertbühne. Er muss seine Botschaft gegen den Pegel des Jubels im Publikum herausrufen. Vor allem aber ist für jeden, der nicht böswillig zuhört, eindeutig, was er meint: Er will keine Fremdenfeindlichkeit, keinen Rassismus. Es ist infam, wenn Grönemeyer nun ausgerechnet aus der AfD unterstellt wird, er wolle eine Diktatur und habe eine totalitäre Hassrede gehalten. Und auch andere, die sich zum Stil seiner Rede kritisch geäußert haben, sollten sich klarmachen: Jeglicher Vergleich mit Rednern vor 1945 ist absurd und deplatziert.

Grönemeyer: Warum ein Föhn keine Kettensäge ist

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Der Satiriker Shahak Shapira hat vollkommen recht, wenn er schreibt: „Vergleichen Leute jetzt Grönemeyer mit Goebbels, nur weil er eine Rede in ähnlicher Lautstärke gehalten hat? Mein Föhn ist ungefähr so laut wie eine Kettensäge und ich bekomme trotzdem unterschiedliche Ergebnisse, wenn ich sie mir an den Kopf halte.“

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Wir leben in Zeiten, in denen es Menschen braucht, die für eine weltoffene Gesellschaft werben. Grönemeyer tut das. Damit ermutigt er viele Menschen, es ihm nachzutun. Dafür – da kann man Außenminister Heiko Maas nur zustimmen – muss man einfach sagen: Danke, Herbert Grönemeyer!

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