Griechenland: Wie Impfen ohne Chaos funktioniert

  • Verzweifeln in der Hotline, Datenstau im Onlineportal: Deutschland stellt die Geduld vieler Impfwilliger auf eine harte Probe.
  • Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Griechenland.
  • Die Regierung wirbt für einen EU-weiten einheitlichen Impfpass.
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Athen. Griechenland hat bisher die Pandemie dank frühzeitiger Kontaktbeschränkungen besser gemeistert als viele andere europäische Länder. Jetzt zeigt das Land, wie man die Impfungen organisieren kann. Warteschlangen gibt es nicht vor den mehr als 700 Impfzentren.

Bisher wurden fast 800.000 Impfdosen verabreicht. 270.000 Menschen haben bereits die zweite Dosis erhalten. Griechenland liege damit in der EU auf dem vierten Platz, sagt Marios Themistokleous, der Generalsekretär des griechischen Gesundheitsministeriums. Pro Tag werden über 30.000 Menschen geimpft. Es könnten viel mehr sein, wenn es genug Nachschub gäbe. Gegenwärtig werden Menschen der Altersgruppe 75-79 mit dem Präparat von Pfizer/Biontech geimpft. Parallel dazu bekommen 60- bis 64-Jährige den Astrazeneca-Impfstoff.

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„Operation Freiheit“ läuft reibungslos

Die „Operation Freiheit“, wie die Regierung die Impfkampagne nennt, läuft bisher reibungslos. Die meisten Bürger brauchen gar nichts zu machen. Sie werden per SMS über ihren Impftermin unterrichtet und können ihn elektronisch umbuchen, wenn er nicht passt. Die Kontaktdaten der Bürger kommen aus dem System zur elektronischen Ausstellung von Rezepten, das schon zu Beginn der Pandemie eingeführt wurde, um die Arztpraxen zu entlasten. Wer noch nicht registriert ist, meldet sich online an und erhält dann ebenfalls seinen Impftermin.

Ältere, die keinen Internetzugang haben, können das in ihrer Apotheke oder im nächsten Bürgerzentrum erledigen. 90 Prozent der Termine werden eingehalten. Eine Hotline, wie sie in Deutschland viele Menschen zur Verzweiflung treibt, gibt es in Griechenland nicht. „Wir haben uns bewusst gegen ein Callcenter entschieden, weil es nicht in den digitalisierten Ablauf passt“, heißt es in Regierungskreisen.

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Griechenland wirbt für EU-weiten Impfpass

Alle Fäden laufen im rund um die Uhr besetzten Lagezentrum bei der Behörde für Zivil- und Katastrophenschutz zusammen. Akis Skertsos, Vizeminister für die Koordinierung der Regierungsarbeit, beschreibt das griechische Erfolgsrezept mit den Worten: „Digitalisierung, Transparenz, zentrale Planung und Überwachung der Abläufe in Echtzeit“. Der reibungslosen Organisation sei es zu verdanken, dass nur 0,5 Prozent der kostbaren Impfdosen verfallen und entsorgt werden müssen, so Skertsos.

Unterdessen wirbt Griechenland für die Einführung eines EU-weit einheitlichen Impfpasses. Er soll Urlaubs- und Geschäftsreisen für Geimpfte erleichtern. Premierminister Kyriakos Mitsotakis will das Thema an diesem Donnerstag bei der Videokonferenz der EU-Staats- und Regierungschefs ansprechen. Er hatte schon am 12. Januar in einem Schreiben an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Einführung eines Impfzertifikats vorgeschlagen. Die EU-Kommission hat auf den griechischen Vorschlag aber bisher hinhaltend reagiert. Es gebe noch „zu viele Fragezeichen“, so der Einwand der Kommissionspräsidentin.

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