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Militärmanöver über Ägäisinseln

Türkische Kampfjets machen die Griechen nervös

Luftbild des Küstenortes Kokkari auf Samos im Sommer.

Über mehreren griechischen Inseln in der Ägäis wurden diese Woche Jets der türkischen Luftstreitkräfte beobachtet (Symbolbild).

Athen. Die türkischen Kampfpiloten donnerten heran, als die meisten Bewohner der griechischen Insel Kastelorizo gerade beim Abendessen saßen. Um 19.38 Uhr überflogen zwei F-16 mit der türkischen Flagge am Leitwerk das kleine Eiland, das dicht vor der türkischen Küste liegt. 20 Minuten später überflogen türkische Kampfflugzeuge die griechische Insel Kalolimnos, zehn Minuten darauf die Insel Lipsi. Danach bekamen auch die Bewohner von Symi und Rhodos sowie Samos, Leros Nisyros und Karpathos ungebeten Besuch der türkischen Militärpiloten.

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Die Überflüge am vergangenen Mittwoch waren der vorläufige Höhepunkt einer Serie von türkischen Militärmanövern über den griechischen Ägäisinseln. Bereits an den Vortagen verzeichnete der griechische Generalstab einen massiven Anstieg von Luftraumverletzungen. In einigen Fällen donnerten türkische Bomber in nur 300 Metern Höhe über bewohnte griechische Inseln.

Das griechische Außenministerium übergab dem türkischen Botschafter in Athen eine Protestnote. Aber dabei blieb es nicht. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis informierte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg über die jüngsten Spannungen. „Ich habe gegenüber dem Generalsekretär deutlich gemacht, dass dieses Verhalten eines Nato-Verbündeten nicht akzeptabel ist“, sagte Mitsotakis. Die Türkei untergrabe damit „die europäische Sicherheit und die Einigkeit der Nato, auf die es jetzt angesichts der fortdauernden Aggression Russlands gegen die Ukraine besonders ankommt“.

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Mitsotakis kritisierte auch, dass die Türkei sich nicht an den Sanktionen gegen Russland beteiligt. Das sei „nicht normal für ein Land, das sich um Beitritt zur europäischen Familie bemüht“, sagte Mitsotakis.

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Liveblog +++

Athen informierte auch die EU und die Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates. In der griechischen Hauptstadt ist man von den türkischen Überflüge besonders irritiert, weil Mitsotakis erst im März in Istanbul mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan zusammengetroffen war. Beide vereinbarten damals, auf eine Entspannung der strapazierten Beziehungen hinzuarbeiten, auch um die Südostflanke der Nato angesichts des Krieges in der Ukraine nicht zusätzlich mit bilateralem Streit zu belasten. Jetzt tritt genau das ein.

23.04.2022, Russland, Moscow: Wladimir Putin, Präsident von Russland, besucht den orthodoxen Ostergottesdienst in der Christ-Erlöser-Kathedrale und hält eine Kerze. Die orthodoxen Kirchen im Osten halten sich an den alten julianischen Kalender und feiern das orthodoxe Osterfest in diesem Jahr am 24. April. Foto: Alexander Zemlianichenko/Pool AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Das türkische Außenministerium stellt die Überflüge als eine Art Vergeltung für angebliche Luftraumverletzungen griechischer Militärpiloten an der türkischen Ägäisküste dar: Dort hätten Flugzeuge der Hellenic Air Force diese Woche in der Gegend von Datca, Dalaman und Didim den türkischen Luftraum verletzt. In Athen bestreitet man den Vorwurf – und fragt sich, ob hinter den türkischen Flugmanövern nicht mehr steckt als eine Retourkutsche.

Jahrelanger Streit

Die beiden Nachbarstaaten streiten seit Jahrzehnten um die Hoheitsgebiete in der Ägäis. So beansprucht Griechenland über der Ägäis einen Luftraum von zehn Meilen, während die Türkei nur eine Sechsmeilenzone anerkennt. Eine neue Qualität hat der Streit bekommen, seit die Türkei im Februar in einem Brief an UNO-Generalsekretär Antonio Guterres Griechenland die Souveränität über zwei Dutzend Ägäisinseln absprach, darunter Rhodos, Kos, Chios, Samos und Lesbos. Die Griechen hätten mit der Stationierung von Militär auf diesen Inseln die Verträge von Lausanne aus dem Jahr 1923 und Paris von 1947 verletzt und damit den Anspruch auf die Inseln verwirkt.

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Tatsächlich verpflichtete sich Griechenland in den Verträgen von Lausanne und Paris, die Dodekanes-Inseln und die ostägäischen Inseln weitgehend zu demilitarisieren. Vor allem nach der türkischen Invasion auf Zypern 1974 verstärkte Griechenland aber seine Militärpräsenz auf den Inseln. Als Rechtfertigung verweist Athen auf die starken Konzentrationen von Landungstruppen an der türkischen Ägäisküste und das in der UNO-Charta verankerte Recht zur Selbstverteidigung. In Griechenland wächst nun die Sorge, der türkische Staatschef Erdogan könnte versuchen, im Windschatten des Krieges in der Ukraine den Boden für eine Annektierung dieser Ägäisinseln vorzubereiten.

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