Griechenland lockt „digitale Migranten“ mit Steuervorteilen

  • Die Corona-Krise hat gezeigt: Das Arbeiten aus dem Homeoffice funktioniert – auch in großem Stil.
  • Griechenland will sich diesen Umstand nun zunutze machen.
  • Die Regierung lockt ausländische Heimarbeiter mit massiven Steuervorteilen.
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Athen. Wer sein Homeoffice nach Griechenland verlegt, um von dort zu arbeiten, bekommt in den nächsten sieben Jahren die Hälfte seiner Einkommenssteuer erlassen. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, den Finanzminister Christos Staikouras am Montag dem Parlament zur Beratung vorlegte.

Zu den dauerhaften Veränderungen, die das Coronavirus hinterlässt, dürfte der Trend zum Homeoffice gehören. Davon möchte Griechenland profitieren. „Wir haben in der Covid-Pandemie gelernt, dass wir dank der technologischen Fortschritte wählen können, wo wir leben und arbeiten“, sagt Alex Patelis, Chef­wirtschafts­berater von Minister­präsident Kyriakos Mitsotakis.

Wer seinen Steuerwohnsitz nach Griechenland verlegt, bekommt einen Nachlass von 50 Prozent auf die Einkommenssteuer. Der griechische Fiskus belastet Einkommen von über 40.000 Euro im Jahr regulär mit dem Spitzensteuersatz von 44 Prozent.

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Nach dem geplanten Modell sind es maximal 22 Prozent, für kleinere Einkommen entsprechend weniger.

„Wir haben nicht nur die Sonne zu bieten, sondern auch steuerliche Anreize“

Die Vergünstigung gilt für sieben Jahre. Wirtschaftsberater Patelis sieht sein Land damit im Wettbewerb um die neuen „digitalen Migranten“ gut aufgestellt: „Wir haben nicht nur die Sonne zu bieten, sondern auch steuerliche Anreize.“

Eine wichtige Zielgruppe des Programms sind Selbstständige der IT- und Finanzbranche, für die es eigentlich egal ist, wo auf der Welt sie vor ihrem Laptop sitzen. Patelis hofft auch auf einen „Brexit Bonus“: Mit den Steuervergünstigungen wirbt die griechische Regierung gezielt um Ausländer, die wegen des Ausscheidens Großbritanniens aus der EU das Land im nächsten Jahr verlassen.

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„Der Brexit bietet vor allem bei der Verlagerung von Finanzdienstleistungen riesige Chancen“, sagt Patelis. „Wir wollen uns einen Teil von diesem Kuchen abschneiden.“ Man befinde sich bereits „in fortgeschrittenen Gesprächen mit drei Finanz­institutionen, die wegen des Brexits aus London heraus diversifizieren möchten“, bestätigt Patelis.

Mindestaufenthalt im Jahr: sechs Monate

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Wer als Ausländer seinen steuerlichen Wohnsitz nach Griechenland verlegen und den Rabatt bei der Einkommens­steuer in Anspruch nehmen möchte, muss sich dort mehr als sechs Monate im Jahr aufhalten. Die Steuervorteile bekommt allerdings nur, wer in den vergangenen acht Jahren mindestens sieben Jahre lang nicht in Griechenland steuerpflichtig war.

Mit dem Steuerrabatt hofft die Regierung, auch griechische Auswanderer, die während der Schuldenkrise ihre Heimat verließen, zur Rückkehr zu bewegen. Zwischen 2010 und 2018 kehrten rund 800.000 Griechinnen und Griechen ihrer Heimat den Rücken und suchten ihr Glück im Ausland. Überwiegend handelte es sich um Akademiker und gut ausgebildete Fachkräfte. Griechenland verlor damals viele seiner besten Talente. Jetzt will der Finanzminister diesen Braindrain umkehren.

Steuervorteile auch für ausländische Rentner

Nicht nur „digitale Migranten“, Brexit-Flüchtlinge und Auslandsgriechen versucht die griechische Regierung jetzt ins Land zu locken, sondern auch Ultrareiche. Wer mindestens eine halbe Million Euro in Griechenland investiert, etwa in eine Immobilie, zahlt unabhängig von der Höhe seines Einkommens pro Jahr eine Steuerpauschale von 100.000 Euro. Das sieht ein bereits im Dezember 2019 verabschiedetes Gesetz vor.

Ergänzend dazu beschloss das griechische Parlament im Juli dieses Jahres Steuervorteile für ausländische Rentner, die ihren Wohnsitz nach Griechenland verlegen. Sie zahlen auf ihre Rente nur eine Flatrate von 7 Prozent.

Der Mini­steuer­satz soll auch für Nebeneinkünfte wie Kapitalerträge oder Mieteinnahmen gelten. Für deutsche Rentner hängt es aber vom Einzelfall ab, ob sich das Steuer­exil wirklich rechnet.

Es gibt Fallstricke: Im Ausland lebende Rentner mit Einkünften aus Vermietung oder aus Gewerbe­betrieben sind in Deutschland zumindest beschränkt steuerpflichtig. Das kann unter dem Strich teuer werden, denn vieles, was die Steuerbelastung mindern könnte, wie Grundfreibetrag, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und sogar das Ehegattensplitting geht bei der beschränkten Steuerpflicht verloren.

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