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Griechenland startet Corona-Impfungen in Flüchtlingslagern – Bereitschaft gering

  • Die Migranten in den Camps auf den griechischen Ägäisinseln können sich endlich gegen Corona impfen lassen.
  • Aber die Bereitschaft zur Impfung ist gering.
  • Eingesetzt wird vor allem das Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson, das nur eine Impfung erfordert.
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Athen. Nach langen Verzögerungen und viel Kritik hat die griechische Regierung jetzt begonnen, den Asylbewerbern in den Lagern der ostägäischen Inseln Impfungen gegen Covid-19 anzubieten. Am Donnerstag und Freitag wurden die ersten Menschen auf den Inseln Lesbos, Samos und Chios geimpft. Eingesetzt wird das Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson, das nur eine Impfung erfordert. Damit soll die Impfkampagne beschleunigt werden.

Impfstoffe und medizinisches Personal werden aus Athen auf die Inseln geflogen

„Wir haben Impfstoff, wir haben Personal, wir sind motiviert, und wir erwarten, dass alles gut verlaufen wird“, sagte Anastasios Chatzis, ein Beamter der staatlichen Gesundheitsbehörde EODY zum Auftakt der Kampagne auf Lesbos.

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Künftig sollen die Impfungen jeden Donnerstag und Freitag angeboten werden. Dazu werden die Impfstoffe und das medizinische Personal aus Athen auf die Inseln geflogen. Nach Lesbos, Chios und Samos sollen in der kommenden Woche auch die Camps auf Kos und Leros mit Impfstoff versorgt werden.

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Die Zahl der Schutzsuchenden in den ersten vier Monaten ist im Vorjahresvergleich um 73 Prozent gesunken

In den fünf Erstaufnahmelagern auf den ostägäischen Inseln leben derzeit nach offiziellen Angaben 9400 Menschen. Weitere 2700 wohnen in anderen Unterkünften außerhalb der Lager. Noch im vergangenen Jahr gab es auf den Inseln mehr als 40.000 Asylbewerber.

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Der Rückgang kam dadurch zustande, dass die griechischen Behörden die Asylverfahren wesentlich beschleunigten und besonders schutzbedürftige Migranten aufs Festland umsiedelten. Überdies ging die Zahl der Schutzsuchenden, die aus der Türkei zu den griechischen Inseln kamen, in den ersten vier Monaten 2021 gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent zurück.

Bisher gab es kaum Impfmöglichkeiten – trotz hoher Ansteckungsgefahr

Trotz der Entlastung der Lager stand Griechenland bei Hilfsorganisationen in der Kritik, weil es bisher keine Impfmöglichkeiten gab. Dabei ist die Ansteckungsgefahr in den Lagern besonders hoch. Für die dort lebenden Menschen ist es nahezu unmöglich, Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Nachdem die Behörden Ende Mai damit begonnen haben, die erwachsene Bevölkerung von 19 größeren Inseln unabhängig von Altersgruppen komplett zu impfen, beginnen nun auch die Impfungen in den Lagern.

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Die Resonanz ist aber sehr dürftig. Bisher hätten nur etwa 15 Prozent der Lagerbewohner Interesse an einer Impfung gemeldet, sagt Manos Logothetis, Generalsekretär im Migrationsministerium. Die geringe Impfbereitschaft erklärt Logothetis auch damit, dass etwa 30 Prozent der Menschen in den Lagern unter 18 Jahren ist. Diese Altersgruppe kommt bisher nicht für eine Impfung infrage. Geschätzt weitere 30 Prozent haben Antikörper, weil sie von Covid-19 genesen sind oder sich mit dem Virus infizierten, ohne Symptome zu entwickeln. Damit sei die Zahl derer, die überhaupt für eine Impfung infrage kommen, überschaubar, sagt Generalsekretär Logothetis.

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