Griechen und Türken hoffen auf einen friedlichen Sommer

  • Nach einer schweren Krise in ihren Beziehungen gehen die Regierungschefs Griechenlands und der Türkei aufeinander zu, wenn auch nur in kleinen Schritten.
  • Beim NATO-Gipfel in Brüssel gelobten der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Gesprächsbereitschaft.
  • Die bilateralen Konflikte schwelen aber weiter.
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Athen. Noch im vergangenen Jahr hatte der türkische Staatschef ein Treffen mit dem griechischen Premier schroff zurückgewiesen. Jetzt besann sich Erdogan eines Besseren. Wenn er die strapazierten Beziehungen zur Europäischen Union reparieren und drohende Sanktionen abwenden will, kommt er um den Griechen nicht herum.

„Das Eis ist gebrochen“, hieß es am Montagabend in griechischen Delegationskreisen nach dem 50-minütigen Gespräch der beiden Regierungschefs am Rand des Brüsseler NATO-Gipfels. Man sei übereingekommen, dass sich die Spannungen des vergangenen Jahres nicht wiederholen sollten. Erdogan selbst bestätigte nach dem Treffen vor der Presse, 2021 werde „ein ruhiger Sommer“ in den griechisch-türkischen Beziehungen.

Gute Nachricht für Touristen

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Das ist nicht nur eine gute Nachricht für die beiden Völker, sondern auch für die Touristen, die auf den griechischen Inseln oder an der türkischen Ägäisküste Ferien machen. Sie müssen nicht befürchten, dass plötzlich Kampfjets über die Strände donnern und Kriegsschiffe am Horizon aufkreuzen.

Erst vergangenes Jahr gerieten die beiden Nachbarländer an den Rand eines Krieges. Im März erklärte Erdogan die Grenze nach Griechenland für geöffnet und ließ zehntausende Migranten in Bussen zum Übergang Kastanies bringen, wo die Menschen wochenlang die Schlagbäume belagerten. Wenig später gingen türkische Bohrschiffe, eskortiert von Fregatten, in Seegebieten auf Erdgassuche, die nach dem UNO-Seerecht Griechenland als Ausschließliche Wirtschaftszone zustehen. Beide Länder mobilisierten ihre Kriegsflotten. Erst als die EU der Türkei mit Sanktionen drohte, zog Erdogan seine Schiffe ab.

Streitparteien setzen auf „die Wiederbelebung des Dialogs“

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In Brüssel einigten sich die beiden Regierungschefs darauf, dass sich dieses Szenario nicht wiederholen soll. Stattdessen setze man auf „die Wiederbelebung des Dialogs“, sagte Erdogan nach dem Treffen. Die Annäherung beschränkt sich aber einstweilen auf Absichtserklärungen. In den eigentlichen Streitfragen gab es keine greifbaren Fortschritte. Vor allem im Konflikt um die Abgrenzung der beiderseitigen Wirtschaftszonen bleiben die Fronten verhärtet. Die Sondierungen über eine Lösung sollen auf Diplomatenebene fortgesetzt werden. Aber die Türkei widersetzt sich weiter dem griechischen Vorschlag, den Streit dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zur Schlichtung vorzulegen.

„Die Differenzen bleiben“ twitterte Mitsotakis nach dem Gespräch mit Erdogan. Als Nachbarn sollten die beiden Länder aber „bei Themen gemeinsamen Interesses zusammenarbeiten“, unterstrich der griechische Premier. Dazu gehört aus griechischer Sicht die Migrationspolitik. Konkret erwartet Athen unter Berufung auf den EU-Flüchtlingspakt von der Türkei die Rücknahme von 1450 Migranten, deren Asylanträge in Griechenland abgelehnt wurden. Mitsotakis trug das Thema Erdogan vor. Eine Antwort scheint er nicht bekommen zu haben.

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