Greta Thunberg in Davos: So gut wie nichts erreicht

  • Greta Thunberg und andere Klimaaktivisten fordern auf dem Weltwirtschaftsgipfel mehr Mitsprache ihrer Generation in Klimafragen.
  • Von den bisherigen Erfolgen im Kampf gegen den Klimawandel zeigte sich die Schwedin enttäuscht.
  • Das Klima ist dieses Jahr eines der bestimmenden Themen in Davos.
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Davos. Greta Thunberg ist enttäuscht. Enttäuscht darüber, wie wenig erfolgreich der Kampf gegen die Erderwärmung ihres Erachtens bislang ist. Trotz der weltweiten Protestaktionen sei beim Klimaschutz so gut wie nichts erreicht worden, sagte die schwedische Klimaaktivistin am Dienstag zum Auftakt des 50. Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos.

Der Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase vergrößere sich immer weiter, betonte die 17-Jährige. Sie forderte, dass die Regierungen den Klimaschutz endlich ernst nehmen müssten. Weltweit habe sich bei vielen Menschen ein Bewusstsein für den Umweltschutz gebildet.

Ihre Redezeit nutzte Thunberg auch, um an den Forschungsstand zum Klimawandel und die Dringlichkeit des Handelns zu erinnern. Sie sprach über die Erkenntnisse eines Berichts des Weltklimarats IPCC von 2018. „Bei den heutigen Emissionswerten ist das verbleibende (CO₂-)Budget innerhalb von weniger als acht Jahren aufgebraucht“, sagte die Aktivistin. „Diese Zahlen geben nicht die Meinung oder politische Ansichten von irgendjemandem wieder. Dies ist die derzeit beste verfügbare Wissenschaft. Obwohl viele Wissenschaftler diese Zahlen für zu moderat halten, sind dies die Zahlen, die vom IPCC akzeptiert wurden.“

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Thunberg sparte nicht mit Kritik an Medien und Politikern. Sie sagte: „Seit dem letzten Sommer habe ich diese Zahlen in fast jeder Rede immer wieder wiederholt, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich einmal gesehen habe, wie irgendein Medienunternehmen oder eine Person an der Macht dies und was es bedeutet, vermittelt hat. Ich weiß, dass Sie nicht darüber berichten wollen. Ich weiß, dass Sie nicht darüber sprechen wollen. Aber ich versichere Ihnen, dass ich diese Zahlen so lange wiederholen werde, bis Sie es tun."

Am Dienstag soll auch US-Präsident Donald Trump vor dem Forum sprechen. Außerdem werden in dem Alpenort Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie weitere rund 50 Staats- und Regierungschefs erwartet. Der Klimawandel und seine verheerenden Folgen sollen das zentrale Thema des viertägigen Forums mit 3000 Teilnehmern sein, das unter starken Sicherheitsvorkehrungen stattfindet.

US-Präsident Donald Trump kam am Dienstagmorgen in der Schweiz an, er sollte in Davos die Eröffnungsrede halten. Bereits am Mittwoch ist Trumps Rückflug nach Washington geplant. Dort beginnt am Dienstag der inhaltliche Teil des Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn.

Aktivisten fordern Mitsprache ihrer Generation

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Neben Thunberg nehmen auch andere junge Klimaaktivisten am Weltwirtschaftsforum teil, um eine stärkere Mitsprache ihrer Generation beim Kampf gegen den Klimawandel zu fordern. Die Politik habe die Erfahrung, die jungen Leute die Ideen, sagte Natasha Mwansa aus Sambia am Dienstag. Sie müssten besser integriert werden. Es gehe nicht um Reden, sondern um Handlungen und Unterstützung. „Was zählt, ist, was wir zu Hause machen. Wir werden nicht immer in Davos sein.“

Greta Thunberg forderte, die Wissenschaft stärker einzubinden. „Wir müssen die Krise behandeln als das, was sie ist: eine Krise“, sagte sie. „Es muss viel mehr passieren, dies ist erst der Anfang.“ Persönlich könne sie sich über Aufmerksamkeit nicht beklagen. „Aber die Wissenschaft und die Stimmen der jungen Generation stehen nicht im Zentrum der Debatte. Doch das müssen sie.“

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Salvador Gomez-Colon von der Karibikinsel Puerto Rico forderte, die Klimakrise nicht zu politisieren. „Es ist keine politische Frage.“ Die Kanadierin Autmun Peltier kritisierte, die Menschen konzentrierten sich nur auf Geld. „Wir müssen uns aber darauf fokussieren, was passiert“, sagte sie. Mwansa betonte, es sei wichtig, dass Politiker Gesetze einbringen. „Aber die Macht liegt nicht nur bei ihnen, sondern in jedem Einzelnen.“

Weitere Themen des Weltwirtschaftsforums reichen von Staatsverschuldung über Hilfen für arme Länder bis zu Managementfragen, erklärte der Vorsitzende des Forums, Klaus Schwab. Das Motto des Forums mit Hunderten Einzelveranstaltungen lautet „Interessensvertreter für eine kohäsive und nachhaltige Welt“.

In der Schweiz demonstrierten linke Gruppen gegen das Forum, wobei die Kritik vor allem auf die Auswüchse des Kapitalismus und die Passivität vieler Regierungen angesichts des Klimawandels zielt. Das 1971 von dem Deutschen Schwab gegründete Weltwirtschaftsforum trifft offiziell keine politischen oder ökonomischen Entscheidungen.

RND/epd/dpa/fh

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