China gegen Indien: Wie ein Zelt am falschen Ort mindestens 20 Soldaten das Leben gekostet hat

Indien und China liefern sich an der Grenze im Himalaya die schlimmste Auseinandersetzung seit über 50 Jahren.

Indien und China liefern sich an der Grenze im Himalaya die schlimmste Auseinandersetzung seit über 50 Jahren.

Nur mit Stöcken, Steinen und blanken Fäusten kämpften die beiden Atommächte Indien und China stundenlang im Dunklen gegeneinander. Bei der Auseinandersetzung auf 4200 Meter Höhe und Temperaturen unter null Grad fiel kein Schuss.

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Nach Grenzzwischenfall mit China - Indien beerdigt die toten Soldaten

Die Leichen der indischen Soldaten wurden an die Familien übergeben.

Dennoch starben mindestens 20 indische Soldaten, wie die Zeitung “Indian Express” am Mittwoch berichtete. Es ist die schlimmsten Eskalation zwischen den beiden Ländern seit über 50 Jahren. Der Tod so vieler Soldaten schockierte ganz Indien, das gerade mit den schweren Folgen der Corona-Pandemie kämpft.

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Der Streit eskaliert um ein Zelt im Niemandsland

Indiens Verteidigungsminister Rajnath Singh nannte den Verlust der Soldaten “zutiefst verstörend und schmerzhaft”. Auslöser war offenbar ein Zelt, das die chinesische Armee am Südufer des Galwan-Flusses im Himalaya-Gebirge errichtet hatte. Das Gebiet galt bislang zumindest als Pufferzone an der unmarkierten Grenze zwischen Indien und China. Der Streit um das Zelt im Niemandsland eskalierte in der Nacht von Montag auf Dienstag, als eine Gruppe indischer Soldaten unbewaffnet vor dem chinesischen Zelt erschien, um die Angelegenheit verbal zu klären.

Mitglieder der Organisation Rashtriya Bajrang Dal verbrennen bei einem Protest gegen die chinesische Regierung eine Puppe, die den chinesischen Staatspräsidenten Xi darstellen soll.

Mitglieder der Organisation Rashtriya Bajrang Dal verbrennen bei einem Protest gegen die chinesische Regierung eine Puppe, die den chinesischen Staatspräsidenten Xi darstellen soll.

Offenbar schlugen dann jedoch die beiden Seiten mit Knüppeln und Bambusstöcken aufeinander ein und bewarfen sich mit Steinen. Dabei wurden auch Soldaten in den Fluss gestoßen und starben vermutlich an Unterkühlung. Indien behauptet, dass auch 35 chinesische Soldaten ums Leben gekommen sind. Peking machte dazu jedoch keinerlei Angaben. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärte lediglich, das Galwan-Tal habe immer schon zu China gehört. Indiens Premierminister Narendra Modi reagierte mit keinem Wort auf die Krise und blieb auch auf Twitter merklich still. Indien, das China militärisch nicht das Wasser reichen kann, befindet sich in einer denkwürdig schwierigen Situation.

Noch in der vergangenen Woche hatte Indiens Armeechef Manoj Mukund Naravane erklärt: “Ich möchte allen versichern, dass die gesamte Situation an der Grenze zu China unter Kontrolle ist.” In diesem Monat hatte es bereits zwei kleinere Auseinandersetzungen zwischen indischen und chinesischen Soldaten gegeben.

Indienss Premierminister Narendra Modi hat sich bisher nicht zu den Vorkommnissen im Himalaya-Gebirge geäußert. (Archiv)

Indienss Premierminister Narendra Modi hat sich bisher nicht zu den Vorkommnissen im Himalaya-Gebirge geäußert. (Archiv)

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Die Grenze wurde nie von beiden Seiten anerkannt

Die 3500 Kilometer lange Grenze zwischen Indien und China ist nie offiziell von beiden Seiten anerkannt worden. Nur eine “Line of Control” nach dem Waffenstillstand im indisch-chinesischen Krieg 1962 teilt die beiden Länder. Gerade im unwirtlichen Himalaya-Gebirge ist deren Verlauf nicht markiert und zudem strittig. Das Galwan-Tal im indischen Ladakh, wo die 20 indischen Soldaten starben, war vor gut 50 Jahren bereits Schauplatz einer militärischen Eskalation zwischen den beiden Staaten. Im September 1967 kamen bei Scharmützeln zwischen der indischen und der chinesischen Seite 88 indische und mehr als 300 chinesische Soldaten ums Leben.

Nun wird spekuliert, warum der Konflikt zwischen Indien und China nach so vielen Jahrzehnten plötzlich wieder hochkocht. Der indische Außenpolitikexperte Brahma Chellaney erklärte auf Twitter, Indien habe sich von China überrumpeln lassen. In der Coronavirus-Pandemie gehe es China darum, seine Macht auszubauen, um im eigenen Land nicht als schwach zu erscheinen. Der chinesische Vorstoß in Hongkong mit einem neuen Sicherheitsgesetz für stärkere Kontrolle über die Sonderverwaltungszone passe ebenso in dieses Bild wie Chinas aggressives Verhalten im Südchinesischen Meer.

Chinas Parlament ebnet Weg für Hongkongs Sicherheitsgesetz

In Hongkong protestierten erneut Bürger gegen die Pläne und den ansteigenden Einfluss Chinas auf Hongkong.

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Guterres ruft zur Zurückhaltung auf

Indien sorgt sich schon seit Längerem um die wachsende Macht Chinas in Südasien. Satellitenbilder zeigen, dass an der indisch-chinesischen Grenze beide Seiten ihre Präsenz in den vergangenen Wochen verstärkt haben. Indien hat in der Himalaya-Region an der Grenze zu China neue Straßen gebaut.

Auch Indiens Entscheidung, die bislang autonome Region Ladakh im August 2019 ganz in den indischen Zentralstaat zu integrieren, hatte Peking verärgert, das in dem Gebiet territoriale Ansprüche hat. Das Galwan-Tal gehörte aber bislang nicht zu den umstrittenen Gebieten. Die Vereinten Nationen zeigten sich besorgt über die Eskalation: UN-Chef Antonio Guterres forderte beide Seiten auf, “größtmögliche Zurückhaltung” walten zu lassen.

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