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Reporter widersprechen Griechenland: Schüsse auf Migranten kein Fake

  • Seit der türkische Präsident Erdogan die Grenzen geöffnet hat, sieht sich Griechenland vor einer neuen Flüchtlingskrise.
  • Die griechischen Sicherheitskräfte sollen türkischen Medienberichten nach auf die Migranten und Flüchtlinge geschossen haben.
  • Dabei soll ein Mann ums Leben gekommen sein. Die Regierung in Griechenland weist diese Vorwürfe zurück.
Elena Boshkovska
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Athen. Die griechische Regierung hat die Vorwürfe türkischer Medien, ihre Sicherheitskräfte würden auf Flüchtlinge schießen, erneut entschieden zurückgewiesen. Regierungssprecher Stelios Petsas dementierte Vorwürfe, wonach die griechischen Soldaten an der Grenze am Evros Migranten beschossen hätten. „Die Türkei schafft und verbreitet falsche Nachrichten zu Lasten unseres Landes. Eine weitere solche Falschmeldung, dass unsere Sicherheitskräfte auf Migranten geschossen haben, ist heute aufgetaucht. Diese Behauptungen lehne ich kategorisch ab“, so der Regierungssprecher.

Zunächst sei von Verletzten die Rede gewesen, danach sei ein Todesopfer vermeldet worden. „Bei den Fake News ist kein Ende in Sicht. Auf griechischer Seite ist kein Vorfall als Folge von Beschuss zu verzeichnen“, sagt er nach der Sitzung des Rates für nationale Sicherheit.

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Griechenland fühlt sich im Stich gelassen

Griechische Medien halten an diesen Aussagen fest. Über die allgemeine Situation an der Grenze zur Türkei wird viel diskutiert. Die Berichterstattung richtet sich vor allem auch gegen Europa. Griechenland fühle sich im Stich gelassen. Auch mit Rückblick auf 2015 fallen die Worte griechischer Politiker hart aus. Der Zeigefinger ist weiterhin Richtung Europa gerichtet.

In einer Ansprache im Parlament warf Makis Voridis, Minister für landwirtschaftliche Entwicklung, der vorherigen Regierung unter Leitung der linken Partei Syriza vor, bei der letzten Flüchtlingskrise verantwortungslos gehandelt zu haben. „Die Einstellung damals war, dass es sich um Flüchtlinge handelt, und wir sie als solche aufnehmen und mit ihnen leben müssen. Ob es zehntausend oder dreißigtausend sind, ob sie von Erdogan benutzt und instrumentalisiert werden oder nicht, war egal“, fasste Voridis zusammen.

Auch 2015 habe die Europäische Union sich abgeschottet und Griechenland mit den vorbeiziehenden Menschenmassen alleine gelassen. Es hätte aber eine andere Lösung geben müssen, betonte der Politiker der regierenden Nea Dimokratia. „Wir schließen die Grenzen. Wir verteidigen die Grenzen“, so Voridis.

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Video
Griechenland macht die Grenze dicht
1:03 min
Tausende Flüchtlinge sind nun im Niemandsland gefangen, weil auch die Türkei ihre Grenze abriegelt.  © Reuters

SkyNews-Reporter widerspricht: Video ist echt

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Derzeit sieht es so aus, als würde diese Strategie umgesetzt werden. Die Sicherheitskräfte an der Grenze zur Türkei gehen mit Tränengas und Blendgranaten gegen die Flüchtlinge vor. Schenkt man dem SkyNews-Reporter Mark Stone Glauben, stehen die Flüchtlinge, die nach Griechenland wollen, sogar unter Beschuss. Das Video, das in den letzten Tagen im Netz kursiert und mehrere Verletzte zeigt, wie sie von anderen in Decken eingewickelt von der Grenze getragen werden, sei laut dem Reporter und entgegen der Behauptungen des griechischen Regierungssprechers Petsas kein Fake.

Bei den Vorkommnissen am Grenzübergang beim Fluss Evros seien insgesamt sechs Menschen angeschossen worden: drei hätten Schusswunden an den Beinen, einer im Leistenbereich, einer sei am Kopf getroffen worden und einem hätten die Sicherheitskräfte in die Brust geschossen, heißt es in dem SkyNews-Bericht. Letzterer soll verstorben sein.

Auch die Journalistin Jenan Moussa, die für den arabischen Fernsehsender Al-Aan TV im Nahen Osten unterwegs ist, widerspricht den Behauptungen von Regierungssprecher Petsas. Auf Twitter richtet sie klare Worte an den griechischen Politiker: Sie sei in Kontakt mit der Familie des Verstorbenen. Am Mittwoch solle der junge Mann namens Mohammad Arab nach Syrien zu seinen Eltern gebracht worden sein. Wo sie ihn begraben wollten, wüssten sie allerdings noch nicht, twittert die Journalistin.

In dem abschließenden Tweet des dreiteiligen Threads erklärt sie zudem noch, dass die Autopsie schon in der Türkei durchgeführt wurde und die zuständigen Behörden vor Ort mit Zeugen gesprochen hätten. Auch dass die Türkei gerichtlich gegen Griechenland wegen des Todes vorgehen werde, vermeldet Moussa.

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Laut neuesten Medienberichten setzt die Polizei an der griechisch-türkischen Grenze offenbar „potenziell tödliche“ Tränengasgeschosse gegen Flüchtlinge und Migranten ein. Das Investigativ-Netzwerk Bellingcat berichtete am Donnerstag auf seiner Webseite, dass nahe der Grenze Tränengaskartuschen mit scharfer Spitze gefunden worden seien. Bellingcat schreibt, dass die Meldungen über Verletzte an der Grenze auch auf den Einsatz solcher Tränengaspatronen zurückgeführt werden können.


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