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Kostenlose Corona-Schnelltests: Wie sie wirken, wo man sie bekommt, was sie bringen

  • Bund und Länder haben beschlossen, dass sich jeder Bürger einmal pro Woche gratis auf Corona testen lassen kann.
  • Aber wird das wirklich gelingen? Was soll es bringen?
  • Wir beantworten alle wichtigen Fragen: wie man an die Tests kommt, welche die besten sind – und wie Jens Spahn und Andreas Scheuer helfen sollen.
Eva Kunkel
Laura Beigel
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Berlin. Die Corona-Schnelltests als erster Ausweg aus dem Lockdown – so hatte es Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt: „Eine intelligente Öffnungsstrategie ist mit umfassenden Schnelltests, gleichsam als Freitesten, untrennbar verbunden.“

Um das Freitesten zu ermöglichen, hatte die Ministerpräsidentenkonferenz in einer der vergangenen Runden beschlossen, dass allen Bürgern ab Montag, dem 8. März, ein kostenloser Schnelltest pro Woche ermöglicht werden soll – etwa in Testzentren, Apotheken oder Praxen. Die Kosten übernimmt der Bund. Wir beantworten die damit verbundenen Fragen:

Wer kann und darf Schnelltests durchführen?

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Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen herkömmlichen Corona-Schnelltests und sogenannten Laientests. Die Zusage des Bundes, dass jedermann pro Woche Anspruch auf einen Test hat, bezieht sich auf die herkömmlichen Schnelltests: Sie dürfen nur von medizinischem Personal oder besonders geschulten Personen vorgenommen werden.

Möglich sind solche Tests in Arztpraxen, in Testzentren, in Apotheken, Pflegeheimen oder Krankenhäusern. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei den Laientests zumeist um Schnelltests, bei denen ein Abstrich im vorderen Nasenraum ausreicht. Diese dürfen von jedermann gekauft und zu Hause ohne Aufsicht angewendet werden.

Was kosten die Tests, wenn man sie sich selbst kauft?

Eines der klarsten Angebote kommt vom Discounter Aldi. Er hatte zu Beginn angekündigt, Corona-Schnelltests für den Selbstgebrauch als Aktionsartikel zu verkaufen. Die Packung mit fünf Tests kostete 24,99 Euro, also rund 5 Euro pro Stück. Der Test sei in Deutschland produziert und für den Heimgebrauch zugelassen.

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Das Unternehmen beugte aber schon einmal vor: Um möglichst vielen Kundinnen und Kunden den Kauf zu ermöglichen, durfte jeder zunächst nur eine Packung kaufen. Die erste Charge war schnell ausverkauft.

Die Firma Viromed bietet im Internet eine Packung mit 25 Stück für 245,50 (pro Test 9,90 Euro inklusive Mehrwertsteuer). Die Drogerieketten dm und Müller wollen nach eigenen Angaben die Tests so günstig wie möglich anbieten.

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Welche Laientests sind gut und leicht zu handhaben?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte listet sieben in Deutschland zugelassene Antigen-Schnelltests für Laien. In der Anwendung unterscheiden sie sich kaum von den Schnelltests, die von geschultem Personal durchgeführt werden müssen: Beide Produkte weisen einen Bestandteil des Coronavirus, das Antigen, nach und zeigen über einen Teststreifen wie bei Schwangerschaftstests binnen Minuten das Ergebnis.

Zwei Striche bedeuten, dass eine Person Sars-CoV-2-positiv ist. Ein Strich stellt ein negatives Testergebnis dar. Bei den Schnelltests für Laien genügt ein Abstrich im vorderen Nasenbereich. Das heißt, das Wattestäbchen muss nicht mehr durch die Nase bis an die hintere Rachenwand geführt werden, wie es bei den bisherigen Antigen-Schnelltests üblich war.

Die Qualität der Selbsttests ist abhängig von der Spezifität und Sensitivität, die beschreiben, wie zuverlässig der Test infizierte und nicht infizierte Personen erkennt. So wies beispielsweise der Test „Aesku.Rapid Sars-CoV-2“ der Firma Aesku.Diagnostics in einer Studie eine Sensitivität von 100 Prozent und eine Spezifität von 98 Prozent auf. Durch ähnlich hohe Werte zeichnet sich der „Clinitest Rapid Covid-19 Self-Test“ aus, den Siemens Healthcare Diagnostics Products vertreibt. Aber auch die anderen fünf Schnelltests zur Eigenanwendung weisen hohe Spezifitäts- und Sensitivitätsraten auf.

Wie kommt man an die medizinischen Tests heran, und was kosten sie?

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Die Termine für Corona-Schnelltests lassen sich online buchen, bei einer Stichprobe in Berlin-Mitte ging es am 5. März zum Beispiel schon für den nächsten Tag.

Wer einen PCR-Abstrichtest möchte, der als weniger fehlerhaft gilt, hat weniger Auswahl an freien Zeitfenstern. Es ist zu erwarten, dass die Terminsuche – sobald die Tests kostenlos angeboten werden – schwieriger wird.

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Im RND-Videointerview blickt Virologe Marco Binder nach dem Corona-Gipfel auf noch fehlende Schnelltests, womit weitere Öffnungen nicht umsetzbar scheinen.  © RND

Zudem bietet aktuell bundesweit rund jede zehnte Apotheke Schnelltests an, sagt Regina Overwiening, Präsidentin der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Einbindung der Apotheken in die Teststrategie hält sie grundsätzlich für richtig. Aber: „Die entsprechende Rechtsverordnung zur Umsetzung der Teststrategie muss jetzt so gestaltet werden, dass das Testen in Apotheken unbürokratisch funktioniert und wirtschaftlich machbar ist“, schränkt sie ein.

Außerdem seien nicht alle Apotheken so ausgestattet, dass sie die Schnelltests durchführen können. Der Test müsse in gesonderten Räumen stattfinden, das Personal müsse Vollschutzkleidung tragen, und die Apotheken brauchen ein gesondertes Zertifikat. Der Preis dafür variiert, weil die Apotheker ihn selbst kalkulierten. In manchen Apotheken zahlt man etwa 40 Euro.

Wie hoch ist die Quote von falschen Ergebnissen bei den Schnelltests?

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Im Vergleich zu den PCR-Tests erkennen Antigen-Schnelltests infizierte und nicht infizierte Personen schlechter. Das könne zu einer höheren Anzahl falsch negativer und falsch positiver Ergebnisse führen, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI). Falsch positive Ergebnisse könnten durch einen nachfolgenden PCR-Test erkannt werden. Sollte ein Antigen-Schnelltest für Laien positiv ausfallen, sei das „noch keine Diagnose einer Sars-CoV-2-Infektion“.

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Gleichzeitig schließt ein negatives Testergebnis eine Infektion nicht aus. „Weiterhin ist die Aussagekraft eines solchen Testergebnisses zeitlich begrenzt“, heißt es vom RKI. „Es ist also durchaus möglich, dass eine infizierte Person, die ein negatives Antigen-Testergebnis erhält, bereits am darauffolgenden Tag – bei gestiegener Viruslast im Nasen-Rachen-Raum – ein positives Ergebnis bekommt.“ Ein negatives Testergebnis ist also immer nur eine Momentaufnahme.

Welche Bereiche können zusätzlich öffnen, wenn das Schnelltestsystem läuft?

Grundsätzlich darf bei einer Inzidenz von unter 50 ab dem 8. März der Einzelhandel und viele Bereiche des öffentlichen Lebens wieder öffnen. Nach weiteren 14 Tagen – also ab 22. März – sollte die Außengastronomie öffnen, mit vorheriger Anmeldung. Doch wegen der wieder steigenden Infektionszahlen haben viele Bundesländer diese Lockerungen inzwischen auf Eis gelegt.

Für die Grünen ist die Einbindung der Schnelltests dabei noch nicht groß genug: „Bund und Länder gehen den zweiten Schritt vor dem ersten“, sagt ihre Obfrau im Gesundheitsausschuss, Kirsten Kappert-Gonther: „Schnelltests und Selbsttests sind entscheidende Bausteine zur Bewältigung der Pandemie und müssten die Grundlage für jeden Öffnungsschritt sein. Doch bei der Beschaffung dieser Tests steht Gesundheitsminister Spahn auf der Bremse.“

Wie sollen die Testungen an Schulen und Kitas laufen?

„Im Sinne der gemeinsamen Beschlüsse der Regierungschefs und Regierungschefinnen der Länder mit der Bundeskanzlerin sollten auch die Schulen nun Schritt für Schritt weiter geöffnet werden“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) dem RND nach dem Bund-Länder-Treffen.

Der Beschluss sieht vor, dass alle Schüler und das Personal an Schulen und Kitas pro Präsenzwoche mindestens einen kostenlosen Schnelltest erhalten sollen. Die neuen Testmöglichkeiten würden den Schulen in den nächsten Tagen und Wochen „ein gutes Stück mehr Sicherheit geben“, so Karliczek.

Wann und wie Schulen und Kitas wieder öffnen, obliegt den Ländern. Die Vorsicht sollte im Vordergrund stehen, sagte die Bildungsministerin. „Ansonsten würde auch bei den Schulen riskiert werden, dass es zu Rückfällen im Infektionsgeschehen kommt, was es absolut zu vermeiden gilt.“

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (CDU). © Quelle: imago images/Reiner Zensen

Endet mit den Tests der Appell zum Homeoffice für die Arbeitnehmer?

Nein. Der Beschluss sieht zwar die Einführung von Schnelltests für Mitarbeiter durch die Unternehmen vor. „Das darf aber nicht als Aufforderung missverstanden werden, dass die Unternehmen nun die Beschäftigten aus dem Homeoffice wieder in die Büros holen können“, sagte Arndt Kempgens, Anwalt für Arbeitsrecht, dem RND.

Das Gegenteil sei gemeint: Zum MPK-Beschluss gehört auch die Aufforderung an die Arbeitgeber, „großzügige Homeoffice-Lösungen mit stark reduziertem Präsenzpersonal umzusetzen“. Erstmals ist sogar davon die Rede, dass Unternehmen ihre Büros „ganz geschlossen“ halten sollen, sofern das machbar ist. „Das ist noch einmal eine Verstärkung des Appells zum Ausschöpfen der Homeoffice-Regelung, die überdies bis zum 30. April verlängert wurde“, so Kempgens.

Ist ein Schnelltest pro Woche ausreichend?

Nein, sagt Ärztepräsident Klaus Reinhardt. „Lediglich ein kostenfreier Test pro Woche und Bürger wird kaum ausreichen, um die kommenden Öffnungsschritte mit der dafür notwendigen Sicherheit zu flankieren“, erklärte Reinhardt dem RND. „Gerade an Schulen und Kitas brauchen wir mindestens zwei Tests, um Betreuungsangebote und Wechselunterricht für alle Altersstufen sicher anbieten zu können.“

Der Ärztepräsident kritisierte zudem, dass die Öffnungsschritte allein an die Infektionsrate gekoppelt werden: „Wir brauchen sehr viel ausdifferenziertere Kennzahlen zur Beurteilung der Infektionslage, als das allein mit der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz möglich ist.“

Dazu gehöre unter anderem die Zahl der belegten Intensivbetten, die Auslastung der Kliniken insgesamt, die Entwicklung des R-Wertes, die Sterberate sowie die Infektionslage und -entwicklung in den unterschiedlichen Altersgruppen. „Diese und weitere Parameter sollten dann zu einem Gefahrenindex zusammengeführt werden, der eine verlässliche Grundlage für die Entscheidung über mögliche Öffnungsschritte bieten würde.“

Gibt es ausreichend Tests auf Vorrat?

Über die konkreten Zahlen hatte es bei den Bund-Länder-Beratungen Verwirrung gegeben. Einen Tag danach stellte das Gesundheitsministerium klar: Der Bund habe für dieses Jahr 800 Millionen herkömmliche Schnelltests bei der Industrie gesichert. 150 Millionen Tests seien sofort abrufbar, sie lägen bei den Herstellern bereit. Das reicht nach Einschätzung von Merkel etwa für einen Monat – also bis Ostern.

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Spahn: Wir müssen schneller beim Impfen werden
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Bei Corona-Schnelltests übersteige das Angebot deutlich die Nachfrage, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.  © Reuters

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im Bundestag, es sei nicht Aufgabe des Bundes, die Tests zentral zu bestellen und abzurufen – sondern die der Länder, Städte und Landkreise. Von den Laientests hat der Bund nach Angaben des Gesundheitsministeriums bisher 200 Millionen Stück gesichert.

Die Apotheken sehen Ausbaubedarf: „Um die Bürger flächendeckend mit Schnelltests zu versorgen, muss das Angebot noch gesteigert werden“, sagte Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein dem RND. Das könne aber gelingen. Die Apotheken würden bereits seit Dezember 2020 in Eigenverantwortung Schnelltests durchführen.

Ob in den Apotheken bald ausreichend Selbsttests zur Verfügung stehen, kann Preis nicht sagen. „Die Lage für Apotheken ist sehr unübersichtlich. Es laufen Bestellungen, wir hören aber auch, dass Bestellungen schon wieder abgesagt wurden. Es kann natürlich nicht sein, dass der Staat im großen Stil Tests aufkauft und dann viele Bürger das Nachsehen haben“, so Preis.

Corona-Test-Taskforce: Was kann die bewegen?

Die Taskforce soll laut Gesundheitsministerium den Ländern helfen, die Bestellung zu optimieren. Eine Option sei der Aufbau einer Bestellplattform, damit Schulen und Kitas die Schnelltests einfacher abrufen können. Das Ministerium weist aber darauf hin, dass es weiterhin Aufgabe der Länder sei, ihre Schulen und Kitas mit Schnelltests zu versorgen. Ob diese Taskforce wirklich Sinn ergibt, ist allerdings fraglich. Häufig zeigt sich, dass zentral gemanagte Projekte langsamer vorankommen als Vorhaben, die auf regionaler Ebene umgesetzt werden.

Wie stark belastet die Kostenübernahme der Schnelltests den Bundeshaushalt?

Die Kosten sind höher als bisher angenommen. Das geht aus der Neufassung der Testverordnung hervor, die dem RND vorliegt. Danach geht das Bundesgesundheitsministerium nunmehr davon aus, dass eine Million Tests den Bund 21 Millionen Euro kosten. Bei einem Bedarf von bis zu 150 Millionen Tests pro Monat entstehen so Kosten von monatlich bis zu 3,15 Milliarden Euro. Das Gesundheitsministerium hatte die monatlichen Kosten bisher auf bis zu 810 Millionen Euro geschätzt.

Welche Erfahrungen machen andere EU-Länder mit dem massenhaften Einsatz von Schnelltests?

In Österreich werden seit November 2020 Schnelltests eingesetzt. Inzwischen haben alle Österreicher die Möglichkeit, sich in Teststraßen, beim Arzt oder in Apotheken kostenlos testen zu lassen. Die Strategie geht auf: Österreich hat die zweitniedrigste Rate an Positivtests in der EU. Seit dem 1. März werden von den Apotheken die ersten Selbsttests für zu Hause verteilt.

Auch in Frankreich wird die Bevölkerung massenhaft getestet. Ende Februar waren es jede Woche mehr als zwei Millionen Menschen. Private Labors und Testzentren bieten kostenlose PCR-Tests an. Die Zahl der Neuinfektionen in Frankreich ist zwar noch immer hoch, die Zahl der Toten aber stark zurückgegangen. Seit Ende Februar kommen auch in Schulen massenhaft Schnelltests zum Einsatz.

Die Slowakei setzte im November auf Schnelltests statt hartem Lockdown und testete die Bevölkerung flächendeckend. Trotzdem verzeichnet das Land weltweit mit die höchste Zahl an Corona-Toten. Die verwendeten Antigen-Schnelltests gelten als weniger zuverlässig als PCR-Schnelltests. Weil die jüngsten Zahlen Erholung versprechen, weicht die Slowakei den zuletzt strengeren Lockdown aktuell auf.

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