Gorleben ist überall: Deutschland geht auf Endlagersuche

  • Deutschland ist aus der Atomkraft ausgestiegen, aber das Problem mit dem Atommüll ist nicht gelöst.
  • Jetzt wagt sich die Politik an einen Neustart bei der Endlagersuche.
  • Landräte und Bürgermeister blicken der Entscheidung mit Bangen entgegen.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wohl jeder hat das schon einmal erlebt: Ein Problem wird so groß und belastend, dass man es nur noch wegschieben will, in eine dunkle Ecke oder auf ein fernes Datum. Irgendwann aber ist der Tag gekommen, an dem man das Thema anpacken und die Last aus dem Weg schaffen muss.

Für die Politik rückt dieser Tag bei einem besonders gravierenden Problem näher. Die Bundesregierung und die Länder müssen eine Entscheidung treffen, wo Deutschland seinen Atommüll für die nächsten Jahrhunderte sicher lagern will. Jahrzehntelang lang hat sich die Politik erfolglos am Standort Gorleben abgearbeitet und dabei tiefe Gräben zwischen sich und der Bevölkerung aufgerissen.

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Jetzt stehen alle Zeichen auf Neustart: Am Montag wird die Bundesgesellschaft für Endlagerung die Gebiete in Deutschland vorstellen, die für ein Atomlager infrage kommen. Dutzende Landräte und Bürgermeister, Hunderttausende Bürger werden erfahren, dass der gefährlichste Müll aus 60 Jahren Kernkraft bei ihnen landen könnte. “Gorleben ist überall”, das alte Motto der Antiatombewegung, bekommt jetzt eine ganz neue Bedeutung.

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RND-Hauptstadtkorrespondentin Marina Kormbaki analysiert in ihrem Atomreport, wie die Chancen für eine Lösung des Endlagerproblems in Deutschland stehen. Besonders spannend dabei ist, dass die Grünen im Verfahren eine besondere Rolle spielen werden – möglicherweise sogar in Regierungsverantwortung. Dass sich Bayern schon vorab gegen die Standortsuche sträubt, stößt bei den Grünen jedenfalls auf Unverständnis. “München verhält sich dumm”, sagt die Grünen-Politikerin Sylvia Kotting-Uhl im RND-Interview.

Da wir gerade von aufgeladenen Debatten sprechen: Wer regelmäßig Zeit vor der Flimmerkiste verbringt, dem wird es nicht entgangen sein, immer häufiger wird in Fernseh- und Radiobeiträgen der gesprochene Gendergap verwendet. Gemeint ist damit die Lücke, etwa bei Wörtern wie “Ärzt*in” oder “Journalist*in”, die alle Geschlechter miteinbeziehen soll.

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Anne Will gendert in ihrer Sendung schon länger, Claus Kleber versucht es zumindest. Und Walter Krämer geht das mächtig gegen den Strich. Er ist Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache und hat den Rundfunkräten der öffentlich-rechtlichen Sender deshalb einen Beschwerdebrief geschrieben. Die Antworten der Sender ließen nicht lange auf sich warten, wie RND-Autor Matthias Schwarzer berichtet.

Zitat des Tages

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Leseempfehlungen

Interview: Wissenschaftler aus Bremen haben Folgen der Corona-Maßnahmen für die Gesundheit untersucht. Betroffen sind davon vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen. Im Interview mit RND-Autorin Irene Habich fordert der Public-Health-Experte Ansgar Gerhardus, Maßnahmen zur Viruseindämmung in Zukunft gezielter und durchdachter anzuwenden. Denn: “Das Virus verstärkt die Ungleichheit”, sagt Gerhardus.

Analyse: „We rock the internet“: Das versprach die Firma Rocket Internet zum Börsendebüt im Jahr 2014. Jetzt soll sie schon wieder von den Kurszetteln gestrichen werden. Aktionärsschützer fühlen sich verschaukelt. Was das Börsen-Aus besonders macht, erklärt RND-Wirtschaftskorrespondent Frank-Thomas Wenzel.

Hintergrund: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat MAD-Chef Christof Gramm rausgeschmissen. Warum sie diesen drastischen Schritt gegangen ist, skizziert Ihnen RND-Chefkorrespondentin Daniela Vates.

Die Termine des Tages

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  1. Die Generaldebatte der Vereinten Nationen geht in den vierten Tag. Es sollen Vertreter der Europäischen Union, Spaniens, Japans, Kanadas und der Palästinenser sowie der Papst sprechen. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie findet die Debatte in diesem Jahr größtenteils online statt, die Teilnehmer schicken vorab aufgezeichnete Videos.
  2. Wie geht es weiter mit dem Wohnungsbau in Deutschland? Wie kann mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden? Antworten geben die Bauminister der Bundesländer nach ihrer Konferenz in Weimar.
  3. Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst gehen auch an diesem Freitag weiter. In Hamburg will die Gewerkschaft Verdi mit Ausständen bei Stadtreinigung, Hafenbehörde und den Krankenhäusern den Druck bei den Tarifverhandlungen erhöhen.

Wer heute wichtig wird

Luisa Neubauer und Greta Thunberg sind wieder da: Heute gibt es einen weltweiten Aktionstag der Bewegung Fridays for Future. Auch in Corona-Zeiten, so die Botschaft, darf der Klimawandel nicht vergessen werden. © Quelle: Michael Kappeler/dpa

Jede Stunde neu: die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

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aus dem RND-Newsroom: Jörg Kallmeyer

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