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Atommüll-Lagerung: Wut in Bayern wegen Herausnahme von Gorleben

  • 90 Teilgebiete kommen für die Atommüll-Endlagerung in Deutschland infrage, geht aus dem Zwischenbericht der BGE hervor.
  • Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber ist wütend darüber, dass Gorleben nicht darunter ist - und zieht das gesamte Verfahren in Zweifel.
  • Die BGE weist die Kritik kategorisch zurück.
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Berlin. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hat die “Herausnahme” des Salzstocks Gorleben aus der Suche nach einem Endlager für Atommüll scharf kritisiert - und deshalb das gesamte Verfahren in Zweifel gezogen. “Die Herausnahme von Gorleben ist nicht nachvollziehbar. Das weitere Verfahren hat ohne Gorleben ein Glaubwürdigkeitsproblem”, erklärte Glauber am Montag in München. Man blicke deshalb sehr kritisch auf den am Montag vorgelegten Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE).

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Gorleben wird kein Atommüll-Endlager
2:23 min
Das Endlager für hochradioaktiven Atommüll wird nicht im niedersächsischen Gorleben gebaut. Das Lager sei dafür zu Instabil.  © Reuters

“Wir werden in unserem Einsatz nicht nachlassen. Wir werden den weiteren Prozess mit wissenschaftlicher Expertise begleiten”, sagte Glauber. “Oberste Prämisse für ein Endlager ist der Schutz der Bevölkerung. Dazu braucht es eine absolut sichere geologische Barriere, keine technischen Nachbesserungen.” Der Minister kündigte an, der Bericht müsse jetzt erst einmal genau geprüft werden.

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Söder kritisiert Atommüll-Endlager-Suche und Aus für Gorleben scharf
1:30 min
Bayern hat den Such-Prozess für ein Atommüll-Endlager und den Ausschluss Gorlebens in Niedersachsen kritisiert.  © Reuters

Schon in der vergangenen Wochen hatte Glauber Unmut über das Verfahren geäußert und an den geologischen Voraussetzungen bei der Suche nach einem Endlager-Standort gezweifelt. “Anfangs hieß es weiße Landkarte. Da galt noch: Wir setzen auf einen sicheren Einschluss durch das Gebirge und untersuchen die Gesteinsarten Salz, Ton und Granit”, sagte der Freie-Wähler-Politiker. Dann sei jedoch eine Kehrtwende erfolgt. “Jetzt heißt es, es kann auch ein zerklüftetes Kristallingestein sein, wie es auch in Bayern vorkommt, bei dem die Sicherheit hauptsächlich durch Technik hergestellt werden muss. Damit wurde eine neue Tür geöffnet.”

BGE weist jegliche Kritik aus Bayern zurück

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Die BGE wies nun jegliche Kritik am Verfahren aus Bayern kategorisch zurück. “Wir arbeiten rein wissenschaftlich”, sagte der Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), Stefan Studt, am Montag in Berlin. Dass Bayern die Auswahl von zerklüftetem Granitgestein nun kritisiere, sei überraschend, immerhin habe auch Bayern dem bundesweiten Suchverfahren wiederholt zugestimmt.

Studt betonte, dass die Kritik aus den Ländern nicht das Verfahren generell beschädige. Das Vertrauen in der Bevölkerung sei ein "entscheidender Punkt im neuen Suchverfahren". Dieses dürfe nicht durch kritische Anmerkungen schon zu Beginn des Verfahrens wieder in Frage gestellt werden - nichts sei schädlicher. Alle Bundesländer müssten sich der gesellschaftlichen Aufgabe stellen, auch im Sinne der nachkommenden Generationen. "Wir wünschen uns, dass jeder Landespolitiker reflektiert, wo wir stehen und welche Verantwortung man auch im Süden dafür hat."

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Dass Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) kritisiere, dass auch das Granit in Bayern im Fokus stehe, spiele für die BGE keine Rolle, sagte Studt. Glauber hatte in der vergangenen Woche Zweifel am Verfahren angemeldet, weil der Granit in Bayern stark zerklüftet sei und für eine sichere Endlagerung technische Nachbesserungen notwendig wären.

Zugleich betonte BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz, dass Bayern bisher im Suchverfahren wie alle anderen Bundesländer sehr gut mitgearbeitet und die relevanten Daten zur Geologie übermittelt habe. Daher müsse man hier wohl unterscheiden zwischen dem politischen und dem fachlichen Verhalten der Länder.

BGE erklärt Ausschluss Gorlebens mit geologischen Mängeln

Die Entscheidung über den Ausschluss des Salzstocks Gorleben hatte Kanitz am Montag mit geologischen Mängeln begründet. “Gorleben ist nicht der bestmögliche Standort”, sagte er. Unter anderem weise der Salzstock ein nicht intaktes Deckgebirge vor, auch die Gewässerchemie spreche gegen den Standort. Er betonte auf Nachfrage, dass die Entscheidung rein wissenschaftlich erfolgt sei, es habe keinen politischen Druck gegeben. Gorleben habe bei der ersten Prüfung der Geologie die Hürde genommen, weise aber keine “günstige Gesamtsituation” auf.

Am Montagmittag äußerte dann Bayerns Ministerpräsident Markus Söder große Skepsis, zugleich stellte er klar: Von Bayern gebe es im Verfahren jetzt “keine Totalblockade”, der Freistaat werde das Verfahren aber “sehr konstruktiv und kritisch begleiten”, sagte der CSU-Chef am Montag in München. Dazu werde die Staatsregierung auch auf eigene wissenschaftliche Expertisen zurückgreifen.

Auch Söder kritisierte ausdrücklich, dass der Salzstock Gorleben aus dem Verfahren herausgenommen wurde.

Söder betonte, die Vorgabe, ein Endlager für eine Million Jahre sicherstellen zu können, erlaube keine Alternative zu geologischen Barrieren. Dies sei für den zerklüfteten Granit in Bayern etwa nicht ohne technische Maßnahmen machbar.

Kritisch bewertete Söder auch das breit angelegte Suchverfahren. Fast Zwei Drittel von Bayern seien nun zu Teilgebieten erklärt worden. Das werde viele Menschen verunsichern. Unterfranken, Oberfranken, Mittelfranken, die Oberpfalz, und Niederbayern seien komplett in der Auswahl, Schwaben etwa zur Hälfte und auch Oberbayern sei massiv betroffen.

Die BGE hatte ihren ersten Zwischenbericht zur Endlagersuche vorgestellt. Der Bericht definiert 90 Gebiete in Deutschland, die nach Erkenntnissen der BGE günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager vorweisen. Dabei wurden die vorhandenen Wirtsgesteine Salz, Ton und Granit untersucht. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen ist nicht mehr darunter, gleichwohl aber in der Umgebung vorhandene Tonvorkommen.

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Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist laut Bericht in Deutschland ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Teilgebiete liegen etwa in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen sowie in ostdeutschen Ländern.

RND/dpa

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