Gewalt in Partnerschaften: Jeder muss genau hinschauen

  • Die offiziellen Zahlen zur Partnerschaftsgewalt rütteln auf – und dabei können sie die gewaltige Dunkelziffer gar nicht abbilden.
  • Im Kampf gegen die Gewalt ist jeder gefordert, in seinem Umfeld genau hinzuschauen, kommentiert Tobias Peter.
  • Wer Opfern helfen will, muss das Thema aus der Tabuecke herausholen.
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Berlin. Die Zahlen, die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey nennt, rütteln auf. An fast jedem dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Zu entsprechenden Fällen von vollendeter oder versuchter gefährlicher Körperverletzung kommt es, statistisch betrachtet, häufiger als im Stundentakt.

Alle wissen: Die Statistik kann nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Partnerschaftsgewalt abbilden. Schließlich können nur Fälle festgehalten werden, in denen es zur Anzeige gekommen ist. Aus diesem Grund lässt sich der leichte Anstieg der Zahlen für das vergangene Jahr auch nicht eindeutig interpretieren: Gab es vielleicht einfach eine geringfügig größere Bereitschaft, Fälle zu melden? Eines ist jedenfalls klar: Die Zahlen sind seit Jahren hoch, erschreckend hoch.

Angst und Scham wirken lähmend

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Wer in der eigenen Wohnung Opfer von Gewalt wird, spricht oft nicht darüber. Angst und Scham wirken lähmend auf Menschen. Jeder in der Gesellschaft ist gefordert: Wie auch bei Fällen von Gewalt gegen Kinder in Familien müssen alle im eigenen Umfeld genau hinschauen.

Es ist auf jeden Fall besser, eine nachbarschaftliche Nachfrage mehr als weniger zu unternehmen – auch auf die Gefahr hin, einmal falschzuliegen. Der Hinweis auf Beratungsangebote oder auch ein Anruf bei der Polizei können Bürgerpflicht sein.

Bei einem Tabuthema lassen sich dauerhaft nur mit folgender Methode Verbesserungen erzielen: Reden, reden, reden! Giffey hat das verstanden und schiebt das Thema immer wieder prominent nach vorn.

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Auch konkrete Maßnahmen wie zusätzliche Beratungsstellen und Frauenhäuser sind nötig. Die Bundesregierung ist da auf einem guten Weg. Doch gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, in denen zusätzlicher Stress in den Familien auch zu zusätzlicher Gewalt führen dürfte, darf es ruhig noch etwas schneller gehen.

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