Bereits 1600 Raketen auf Israel gefeuert: Gazaoffensive wird ausgeweitet

  • Seit dem Gazakrieg im Jahr 2014 ist die Lage im Nahen Osten nicht mehr so eskaliert wie in diesen Tagen.
  • Doch diesmal geht der Konflikt sogar noch tiefer.
  • In Teilen Israels kommt es zu Zusammenstößen zwischen Arabern und Juden.
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Jerusalem. Trotz hoher Opferzahlen auf beiden Seiten zeichnet sich im wieder dramatisch aufgeflammten Nahostkonflikt keine Beruhigung ab – im Gegenteil. Das Sicherheitskabinett des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu habe am Mittwochabend eine Ausweitung der Offensive gegen die militanten Palästinenser im Gazastreifen beschlossen, berichteten örtliche Medien. Die Palästinenser feuerten ihrerseits wieder Hunderte Raketen auf Israel, unter anderem auf Tel Aviv. Bereits innerhalb weniger Tage haben die Kämpfe ein Ausmaß angenommen, das es seit dem Gazakrieg 2014 nicht mehr gegeben hat.

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Israel: Die Gewalt eskaliert weiter
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Nach Angaben Israels wurden hochrangige Hamas-Vertreter getötet.  © Reuters

Israel nahm bei seiner Militäroffensive Führungsfiguren der islamistischen Hamas ins Visier, gleichzeitig kamen aber auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. Bis zum späten Mittwochabend meldete das palästinensische Gesundheitsministerium 67 Tote, darunter 16 Kinder und fünf Frauen. Auf israelischer Seite kamen sieben Menschen ums Leben, drei von ihnen Frauen und zwei Kinder.

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US-Präsident Joe Biden sagte, Israel habe das Recht sich zu verteidigen, wenn es mit Tausenden Raketen angegriffen werde. Gleichzeitig hoffe er aber auf ein baldiges Ende der Kämpfe. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den wahllosen Beschuss israelischer Städte durch die militanten Palästinenser, forderte aber auch Israel zu „maximaler Zurückhaltung“ auf. UN und das Nachbarland Ägypten bemühten sich, eine Waffenruhe zu vermitteln, doch bislang ohne Erfolg.

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1600 Raketen in drei Tagen

Bei den israelischen Luftangriffen am Mittwoch kamen mehrere führende Mitglieder der Hamas ums Leben, unter ihnen ihr Kommandeur in Gaza-Stadt, Bassem Issa. Er war der ranghöchste Hamas-Extremist, der seit dem Krieg von 2014 getötet wurde. Die Extremistengruppe Islamischer Dschihad meldete sieben tote Kämpfer. Der israelische Militärsprecher Jonathan Conricus sagte hingegen, allein am Mittwoch seien 14 Extremisten getötet worden, seit Anfang der Woche 30.

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Militante Palästinenser im Gazastreifen haben nach Angaben des israelischen Militärs bislang insgesamt mehr als 1600 Raketen auf Israel abgefeuert. Rund 400 davon seien noch in dem Küstengebiet niedergegangen, sagte Sprecher Jonathan Conricus am Donnerstagmorgen. Die Erfolgsquote des Abfangsystems Eisenkuppel („Iron Dome“) betrage weiterhin im Schnitt rund 90 Prozent. Israel griff seinerseits etwa 600 Ziele im Gazastreifen an, in dem zwei Millionen Palästinenser auf engem Raum leben. Zwei Infanteriebrigaden wurden entsandt, was auf mögliche Pläne für eine Bodenoffensive hindeutete.

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Israel: Tel Aviv unter Raketenbeschuss
2:05 min
Die schwersten Gefechte zwischen Israel und den Palästinensern seit 2019 hatten am Montag begonnen.  © Reuters

Israelische Kampfflugzeuge brachten auch drei Hochhäuser in Gaza zum Einsturz. In einem der Häuser in einer belebten Einkaufsstraße war unter anderem der Satellitensender der Hamas untergebracht, in einem anderen Hamas-Büros. Dort gab es aber auch Wohnungen und Geschäfte. In allen Fällen gab das Militär zunächst Warnschüsse ab, um den Menschen Gelegenheit zur Flucht zu geben. Am Mittwochabend waren die Straßen von Gaza-Stadt menschenleer, die Bewohner verschanzten sich am letzten Abend des Fastenmonats Ramadan, auf den das Fest des Fastenbrechens folgt, und der eigentlich Zeit ausgelassener Feiern ist.

Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden in Israel

In mehreren Teilen Israels kam es zu Zusammenstößen zwischen Arabern und Juden, die es in diesem Ausmaß seit dem Jahr 2000 nicht mehr gegeben hat. In Lod gab es regelrechte Straßenschlachten, obwohl eine nächtliche Ausgangssperre galt. Im nahe gelegenen Bat Jam zog ein Mob nationalistischer Juden einen arabischen Mann aus seinem Auto und schlug auf ihn ein, bis er sich nicht nicht mehr rührte.

Israels Militär entsandte Grenztruppen nach Lod und in die Küstenstadt Acre. Ministerpräsident Netanjahu erklärte, er sei bereit, „eine eiserne Faust“ einzusetzen, falls das nötig werde.

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Das Vorgehen Israels hat internationale Kritik auf sich gezogen. Militärsprecher Conricus beteuerte, die Armee halte sich an internationales Recht für bewaffnete Konflikte und habe strenge Einsatzregeln. „Wir sind definitiv sehr achtsam gegenüber zivilen Opfern in Gaza und wir wollen sie minimieren“, versicherte er.

Vorausgegangen waren Anfang der Woche heftige Zusammenstöße um den Tempelberg in Jerusalem zwischen der israelischen Polizei und Palästinensern. Die Erhebung ist die heiligste Stätte des Judentums, beherbergt aber auch den Felsendom und die Al-Aksa-Moschee, die für Muslime die drittheiligste Stätte ihres Glaubens darstellen. Verschärfend wirkt die drohende Zwangsräumung palästinensischer Familien in Jerusalem.

RND/AP

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