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Gewaltstatistik: Wenn der eigene Partner zur Bedrohung wird

  • Die Dunkelziffer ist erheblich, doch auch schon die offiziellen Zahlen können schockieren.
  • Im vergangenen Jahr gab es laut einer Statistik des Bundeskriminalamts 141.000 Fälle von Partnerschaftsgewalt.
  • Die Opfer sind zum überwiegenden Teil Frauen – doch es gibt auch Männer, die Hilfe brauchen.
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Berlin. Beim Thema Partnerschaftsgewalt können die offiziellen Zahlen nicht die ganze Wirklichkeit abbilden – doch schon sie lassen aufmerken. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 141.000 Fälle polizeilich erfasst, wie aus Statistiken des Bundeskriminalamts hervorgeht.

Die verzeichnete Zahl von Mord und Totschlag, sexuellen Übergriffen, Körperverletzung und auch Stalking gegen Partner oder auch Ex-Partner ist damit, ausgehend von einem hohen Niveau, sogar noch mal leicht angestiegen.

„Häusliche Gewalt ist keine Privatsache, sondern es geht um Straftaten“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bei der Vorstellung der Statistik in Berlin. „Für viele Frauen, aber auch für Männer ist es traurige Realität, dass die eigene Wohnung, in der man sich sicher fühlen möchte, zu einem gefährlichen Ort wird.“

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Giffey nannte die Zahlen „schockierend“. Die Ministerin führte aus: „An fast jedem dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Und alle 45 Minuten wird – statistisch gesehen – eine Frau Opfer von vollendeter und versuchter gefährlicher Körperverletzung durch Partnerschaftsgewalt.“

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Die Hälfte aller Opfer lebte zum Tatzeitpunkt mit dem Täter oder der Täterin in einem Haushalt (50,5 Prozent). Giffey brachte dies auf die Formulierung vom „Feind im eigenen Bett“.

Die Opfer waren zu 81 Prozent Frauen und zu 19 Prozent Männer – in allen Deliktbereichen waren deutlich überwiegend Frauen die Opfer. Fasst man versuchte und vollendete Delikte zusammen, dann gab es 69.000 Fälle von einfacher Körperverletzung gegen Frauen und knapp 18.000 Fälle, in denen ein Mann das Opfer war. Bei gefährlicher Körperverletzung waren knapp 12.000 Frauen und 5200 Männer betroffen. Im Fall von Mord und Totschlag gab es 301 versuchte und vollendete Delikte gegen Frauen, 93 gegen Männer.

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Eine Aufforderungen an jeden Einzelnen

Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, machte deutlich, dass die insgesamt 141.792 festgehaltenen Fälle nur einen Bruchteil der tatsächlichen Gewalt abbilden. „Es ist von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen“, sagte er. Wichtig seien Hilfsangebote von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen. Letztlich sei jeder Einzelne in der Gesellschaft dazu aufgefordert, die Augen offen zu halten.

Anhand der vorgelegten kriminalstatistischen Auswertung, die sich auf die Daten des Jahres 2019 bezieht, lässt sich nichts dazu sagen, wie sich die Corona-Pandemie mitsamt der Lockdown-Phasen auf die Fälle von Partnerschaftsgewalt ausgewirkt hat. Münch erläuterte, bisher abgefragte Zahlen für 2020 ließen noch keinen coronabedingten Anstieg erkennen. Dies könne aber auch damit zu tun haben, dass in der Pandemie die Sichtbarkeit von Fällen abgenommen habe.

„In der Zeit der Corona-Pandemie ist nach den Berichten der Frauenhäuser, Beratungsstellen und Hilfetelefonen davon auszugehen, dass häusliche Gewalt eher zunimmt“, sagte Giffey. Auch sie stellte die hohe Dunkelziffer heraus – auch, aber nicht nur in Zeiten der Pandemie. „Wir wissen, zwei Drittel der weiblichen Opfer gehen auch nach schwerster Gewalterfahrung nicht zur Polizei und suchen auch keine anderweitige Hilfe“, sagte sie.

Giffey verwies auf das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, aber auch auf ein entsprechendes Angebot für Männer. Mit einem Bundesförderprogramm stelle ihr Ministerium seit Jahresbeginn und für die nächsten Jahre insgesamt 120 Millionen Euro zusätzlich für den Ausbau von Beratungsstellen und Frauenhäusern bereit.

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