• Startseite
  • Politik
  • Gewalt in der Partnerschaft: Neue Kriminalitäts-Zahlen zeigen - die Gewalt ist männlich

Neue Kriminalitätszahlen: Die Gewalt ist männlich

  • Die Gewalt in der Partnerschaft hat zugenommen – und richtet sich vor allem gegen Frauen.
  • Laut neuen Zahlen wurde 2020 alle drei Tage eine Frau in Deutschland von ihrem Mann, Freund oder Ex umgebracht.
  • Doch unsere angeblich so aufgeklärte Gesellschaft nimmt das hin – auch wegen überkommener Bilder von Ehe und Männlichkeit, kommentiert Steven Geyer.
|
Anzeige
Anzeige

Die Volksseele kocht verlässlich, wenn ein Fall von Gewalt gegen eine Frau, womöglich ein Mord, die Schlagzeilen bestimmt. Und das zu Recht: Selbst hinter den kleinsten Meldungen stehen Tragödien, die Opfer und Angehörige für immer belasten. Jede dieser Taten ist eine zu viel.

Leider nimmt diesen Satz niemand ernst. Er ist eine Plattitüde. So groß die Aufregung um erschreckende Einzelfälle ist, so desinteressiert reagieren wir auf die ebenso schockierende Alltäglichkeit der Gewalt. Denn de facto geht die größere Gefahr für eine Frau nicht von unbekannten Fremden aus – sondern vom Partner oder Ex‑Partner. Das zeigen die neuesten Zahlen der Behörden: Tendenz steigend.

Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter “Der Tag”.
Anzeige

Doch dagegen vorzugehen sind wir nicht bereit. Wie sonst wäre es möglich, dass noch immer alle drei Tage eine Frau von ihrem Mann, Freund oder Ex umgebracht wird? Dass bundesweit in nur einer Stunde durchschnittlich 13 Frauen Gewalt durch den Partner erleben? Dass rein statistisch jeder von uns mindestens eine Frau kennt, die schon einmal vom Partner geschlagen wurde – aber die wenigsten von uns schon einmal eingeschritten sind?

Video
Gewalt an Frauen - wenn der eigene Partner zur Bedrohung wird
1:12 min
An fast jedem dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet.  © RND/Amandine Cormier

Gewalt spielt sich im Privaten ab

Der erste Teil der Antwort macht es nur schlimmer: Die Gewalt spielt sich daheim ab, im Privaten, also Verborgenen. Ausgerechnet, wo man geborgen sein sollte – und wo es kaum jemand merkt. Das heißt zugleich: Die wahre Zahl ist vielfach höher.

Und der zweite Grund? Macht es noch einmal schlimmer: Allzu oft schweigen Opfer, fliehen nicht, suchen keine Hilfe. Weil auch in unserer aufgeklärten, modernen Gesellschaft das Thema mit Scham behaftet ist – für das Opfer. Weil „männliches“ Verhalten noch zu oft aggressives Verhalten meint, sei es verbal oder sozial. Weil Frauen wegen wirtschaftlicher Abhängigkeit noch zu oft die Flucht scheuen. Und weil die Täter sich zu oft darauf verlassen können, dass Ohren- oder Augenzeugen wegsehen, sich dumm stellen oder einfach nicht achtsam genug sind.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen