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GEW nennt Entscheidungen für die Schulen „enttäuschend und riskant“

  • Ein wichtiges Thema in den Beratungen zwischen Bund und Ländern war, wie es an den Schulen in der Corona-Krise weitergehen soll.
  • Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert, es gebe weiter keine klare Linie für die Schulen.
  • Auch beim Thema Kitas gebe es Handlungsbedarf.
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Berlin. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) übt heftige Kritik an den Entscheidungen der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin für die Schulen. „Die Entscheidungen für den Bildungsbereich sind enttäuschend und riskant, es gibt keine klare Linie und Verlässlichkeit für die Schulen“, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Statt – wie vom Robert-Koch-Institut vorgeschlagen – konsequent auf Wechselunterricht zu setzen, sobald der Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche überschritten ist, wird diese Vorgabe aufgeweicht“, kritisierte Tepe. „Wechselunterricht wird lediglich als mögliche Maßnahme ab einer Inzidenz von 200, also dem vierfachen RKI-Wert, für ältere Schüler ins Auge gefasst“, setzte sie hinzu.

Bei der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten sei zwar grundsätzlich angekommen, dass man etwas tun müsse, wenn man die Schulen offen halten will – aber der Erkenntnis folgten zu wenige Taten.

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Alternative: Können Schulklassen in Jugendherbergen ausweichen?
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Wenn es nach den bayerischen Jugendherbergen ginge, könnten ihre Räume schon morgen für den Unterricht genutzt werden.  © Reuters

„Statt auf Maßnahmen wie das Teilen von Klassen zu setzen, die es ermöglichen, das gesellschaftlich geltende Abstandsgebot zwischen zwei Menschen von 1,5 Metern auch an Schulen umzusetzen, soll jetzt ab Klasse 7 verpflichtend ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden“, sagte Tepe. „Masken in bestimmten Situationen zu tragen ist nicht falsch – aber eben nur die zweitbeste Lösung.“ Das Vorziehen der Winterferien um zwei Tage in mehreren Bundesländern sei „nicht mehr als Symbolpolitik“.

Tepe führte zudem mit Blick auf Teststrategien aus: „Antigenschnelltests an der Schulhaustür bedeuten einen großen organisatorischen und zeitlichen Aufwand.“ Sie sagte: „Wo das Fachpersonal für diese Maßnahme für über 40.000 Schulen, an denen täglich getestet werden müsste, herkommen soll, bleibt das Geheimnis der Kanzlerin und der Ministerpräsidenten.“

Die GEW-Chefin warnte: „Die Infektionsfälle steigen auch in den Kitas.“ Sie kritisierte ausdrücklich, Kanzlerin und Ministerpräsidentinnen und -präsidenten hätten sich „davor gedrückt, auch für diesen Bereich abgestimmte Maßnahmen zu verabreden“. Tepe sagte: „Einerseits gelten Erzieherinnen und Erzieher als systemrelevant, doch ihre Gesundheit wird nicht geschützt.“

Das sei ein Fehler: „Wenn Kitas für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig sind, müssen Beschäftigte und Kinder besser geschützt werden als bisher. Ein ‚Weiter so‘ darf es nicht geben.“ Die GEW schlage ein einheitliches, abgestimmtes Vorgehen bei Infektions- und Verdachtsfällen sowie anlasslose Corona-Tests für das Kita-Personal vor, um die Sicherheit zu erhöhen.

Lehrerverband zieht gemischte Bilanz

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sieht in den Beschlüssen der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin zu den Schulen zwar einen leichten Fortschritt, kritisiert aber mangelnde Konsequenz. „Es ist gut, dass es jetzt zumindest ab einem Inzidenzwert von 200 weitere Schutzmaßnahmen in den Schulen geben soll. Das ist aber nur eine Kann-Bestimmung“, sagte er dem RND. „Die Zahl liegt vier Mal so hoch wie die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts“, ergänzte er. „Es ist fragwürdig, wenn Politiker sich eigene Zahlen ausdenken, die nichts mehr mit dem zu tun haben, was die Virologen sagen.“

Meidinger strich positiv heraus: „Immerhin gibt es jetzt Mindeststandards für die Maskenpflicht an Schulen.“ Er sagte allerdings: „Wir hätten uns aber gewünscht, dass die Maskenpflicht schon ab Klasse 5 greift, nicht erst ab Klasse 7.“ Der Präsident des Lehrerverbandes schloss: „Die Beschlüsse der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin sind ein leichter Fortschritt, aber es fehlt die Konsequenz.“

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