Antworten auf die wichtigsten Fragen

Einigung bei Getreideexporten aus der Ukraine: Das steckt im Deal zwischen Kiew und Moskau

Ein Mann hält Weizenkörner in den Händen. Es ist Erntezeit (Symbolbild).

Ein Mann hält Weizenkörner in den Händen. Es ist Erntezeit (Symbolbild).

New York/Istanbul. Die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus dem Kriegsland Ukraine soll von den Konfliktparteien unter UN-Führung gemeinsam überwacht werden. Noch ist der Deal zwar nicht unterzeichnet, Details sind aber bereits bekannt.

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Wichtige Fragen und Antworten im Überblick

Wer würde die Getreidetransporte kontrollieren?

Eine noch nicht unterschriebene Einigung zum Ende der russischen Getreideblockade im Schwarzen Meer sieht ein gemeinsames Kontrollzentrum in Istanbul vor, das von den Vereinten Nationen geleitet und mit Vertretern Russlands, der Ukraine und der Türkei besetzt sein soll. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Diplomatenkreisen in New York. In dieser Zentrale in der türkischen Metropole sollen auch die genauen Koordinaten für den humanitären Korridor auf dem Seeweg zwischen der Ukraine und dem Bosporus festgelegt werden.

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Zudem einigten sich die Parteien den Angaben zufolge darauf, dass Schiffe mit dem Ziel Ukraine zunächst in Istanbul durchsucht werden, um sicherzustellen, dass sie keine Waffen oder Ähnliches geladen haben. Eine weitere Kontrolle solle es dann in der Türkei geben, wenn die Schiffe aus der Ukraine kommend das Schwarze Meer wieder verlassen wollen. Damit solle sichergestellt werden, dass ausschließlich Getreide an Bord ist.

Wie sicher werden die Lieferwege?

Schiffe in dem humanitären Korridor und die beteiligten Häfen dürften laut dem Deal nicht angegriffen werden. Dieser Punkt wird in New York so interpretiert, dass an diesen strategisch wichtigen Orten – zum Beispiel im Hafen Odessas – faktisch eine Waffenruhe gelten soll.

Warum ist eine Einigung zwischen der Ukraine und Russland so wichtig?

Russland und die Ukraine gehören zu den größten Weizenexporteuren und spielen eine wichtige Rolle für die Nahrungssicherheit in der Welt. Wegen des russischen Angriffskriegs gegen das Nachbarland können Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine nicht exportiert werden. Die Nahrungsmittel werden jedoch auf dem Weltmarkt – vor allem in Asien und Afrika – dringend benötigt. Die Vereinten Nationen warnten zuletzt schon vor der größten Hungersnot seit Jahrzehnten.

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Ab wann gilt der Deal und hat er sofort einen Effekt auf drohende Hungersnöte?

Die Umsetzung des Abkommens – und damit die Ausfuhr von Nahrungsmitteln aus der Ukraine – könnte den Informationen zufolge Wochen dauern. Westliche Diplomaten merkten an, dass es noch immer möglich sei, dass Moskau die Vereinbarungen bei der Umsetzung durch vorgeschobene Gründe scheitern lassen könnte. Die Einigung soll am Freitag um 15.30 Uhr (MESZ) in Istanbul unter anderen von UN-Generalsekretär António Guterres und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan unterzeichnet werden. Wer für die Delegationen Russlands und der Ukraine anreist, blieb zunächst unklar.

„Wir können dieses Problem lösen und möglicherweise Hunderttausende, möglicherweise Millionen von Menschen davor bewahren, dass der Preis für Lebensmittel außerhalb ihrer Reichweite liegt“, hatte UN-Sprecher Farhan Haq am Donnerstag gesagt. Dass die Lieferketten so schnell wieder in Gang kommen, dass von Hunger bedrohte Regionen schnell an neue Getreidelieferungen kommen, hängt vom Zeitpunkt des Inkrafttretens des Abkommens ab, gilt aber als nicht leicht umsetzbar.

Wie lange soll das Abkommen gelten?

Das Abkommen soll nach dpa-Informationen zunächst für vier Monate gelten.

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Getreideexport aus Ukraine: Lösung gefunden?

Die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus dem Kriegsland Ukraine soll von den Konfliktparteien unter UN-Führung gemeinsam überwacht werden.

Wie ist das Abkommen zu bewerten?

Vertreter der UN, der Ukraine, Russlands und der Türkei hatten zuletzt in Istanbul bereits große Verhandlungsfortschritte erzielt. Die nun offenbar erzielte Einigung wäre der wohl größte Vermittlungserfolg der Vereinten Nationen seit Kriegsbeginn, nachdem die Weltorganisation bereits bei der Evakuierung ukrainischer Zivilisten in der Stadt Mariupol geholfen hatte. Zudem könnte es sich um den bislang bedeutendsten Kompromiss zwischen Moskau und Kiew in dem Konflikt handeln.

Wie ist die Haltung in Moskau zu den Getreideblockaden?

Immer wieder widersprachen internationale Politiker zuletzt der Behauptung Moskaus, die Getreideblockade sei zurückzuführen auf eine Weigerung der Ukraine, ihre Häfen zu entminen: Betont wurde, dass es durchaus sichere Korridore gebe, durch die Schiffe fahren könnten. Doch das Misstrauen auf beiden Seiten ist groß: So befürchtet die Ukraine neue russische Angriffe, falls sie ihre Häfen entmint. Ein Sprecher des Außenministeriums in Kiew betonte am Donnerstag, die ukrainische Seite werde nur solche Entscheidungen unterstützen, „die die Sicherheit der südlichen Regionen“ des Landes gewährleisteten.

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Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat vor einer Afrikareise den Staaten dort die Lieferung von Lebensmitteln und Energie zugesichert. „Russland wird weiter gewissenhaft seine Verpflichtungen gemäß internationaler Verträge erfüllen mit Blick auf den Export von Nahrungs- und Düngemitteln, Energieträgern und anderen für Afrika lebenswichtigen Gütern“, schrieb Lawrow in einem am Freitag vom Außenministerium in Moskau veröffentlichen Beitrag für mehrere afrikanische Zeitungen. Lawrow reist nach Ministeriumsangaben vom 24. bis 28. Juli nach Afrika, um Ägypten, Äthiopien, Uganda und die Demokratische Republik Kongo zu besuchen.

Lawrow betonte in seinem Beitrag, dass die Probleme schon während der Corona-Krise begonnen hätten, weil der Westen mit seinem Geld Waren- und Lebensmittelketten an sich gerissen und damit „die Lage der vom Lebensmittelimport abhängigen Entwicklungsländer verschlechtert“ habe. „Die westlichen Sanktionen, die gegen Russland eingeführt wurden in den vergangenen Monaten, haben die negativen Tendenzen zusätzlich verstärkt.“

RND/dpa

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