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„Eine Einigung für die Welt“

Die Getreideblockade hat ein Ende: Ukraine und Russland unterzeichnen Abkommen

Ein Angestellter des rumänischen Getreideumschlagunternehmens Comvex überwacht die Verladung von Getreide auf ein Schiff im Schwarzmeerhafen. (Symbolbild)

Ein Angestellter des rumänischen Getreideumschlagunternehmens Comvex überwacht die Verladung von Getreide auf ein Schiff im Schwarzmeerhafen. (Symbolbild)

Istanbul. Russland und die Ukraine haben mit den Vereinten Nationen und der Türkei eine Lösung für die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus dem Kriegsland Ukraine vereinbart. Sowohl Russland als auch die Ukraine unterzeichneten am Freitag in Istanbul getrennt voneinander entsprechende Vereinbarungen unter Vermittlung von UN-Generalsekretär António Guterres. Die Ukraine zählte vor dem russischen Angriffskrieg zu den wichtigsten Getreideexporteuren der Welt.

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Ende der Getreideblockade: Ukraine und Russland unterzeichnen Abkommen

Zuletzt waren zwischen 20 und 25 Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine blockiert.

Das Abkommen „eröffnet den Weg für umfangreiche kommerzielle Lebensmittelexporte aus drei entscheidenden ukrainischen Häfen am Schwarzen Meer - Odessa, Tschornomorsk und Juschnyj“, sagte Guterres. „Dies ist eine Einigung für die Welt“. Die Verschiffung von Getreide und Lebensmittelvorräten auf die Weltmärkte werde dazu beitragen, „die globale Versorgungslücke bei Lebensmitteln zu schließen“, und die weltweiten Nahrungsmittelpreise zu stabilisieren. „Es wird den Entwicklungsländern am Rande des Bankrotts und den am meisten gefährdeten Menschen am Rande einer Hungersnot Erleichterung bringen“, so Guterres.

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan rechnet schon bald mit dem Start von Getreide-Exporten aus der Ukraine. „Mit dem in den kommenden Tagen startenden Schiffsverkehr öffnen wir einen neuen Atemweg vom Schwarzen Meer in viele Länder der Welt“, sagte Erdogan am Freitag in Istanbul bei der Unterzeichnung der Vereinbarung. Es sei ein „historischer Tag“.

EU-Ratspräsident und -Außenbeauftragter sind optimistisch

EU-Ratspräsident Charles Michel hat die Lösung für die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine begrüßt. „Dieses Abkommen kann Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zugute kommen“, schrieb der Belgier am Freitag auf Twitter. Die konsequente Umsetzung sei nun von größter Bedeutung. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen zeigte sich angesichts der Einigung ebenfalls erfreut und sprach davon, dass die Lebensmittel die Ukraine „endlich“ über das Schwarze Meer verlassen könnten.

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Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sprach von einem „Schritt in die richtige Richtung“. Zugleich forderte er, das Abkommen schnell umzusetzen. Die EU sei entschlossen, den Export von ukrainischem Getreide zu unterstützen. „Durch Russlands illegale Invasion in die Ukraine sind Millionen von Menschen vom Hunger bedroht.“

Michel und Borrell dankten den Vereinten Nationen und der Türkei für ihre Bemühungen um Vermittlung bei der Vereinbarung, die am Freitag in Istanbul unterzeichnet wurde.

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Wegen des russischen Angriffskriegs gegen das Nachbarland können noch etwa 20 Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine nicht exportiert werden. Die Nahrungsmittel werden jedoch auf dem Weltmarkt - vor allem in Asien und Afrika - dringend benötigt. Die Vereinten Nationen warnten zuletzt schon vor der größten Hungersnot seit Jahrzehnten.

Koordinationszentrum in Istanbul wird zum „Herzschlag der Operation“

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte erst am Dienstag mit seinem türkischen Kollegen Erdogan bei einem Treffen in der iranischen Hauptstadt Teheran über den Konflikt um das Getreide gesprochen.

Vereinbart wurde nun nach UN-Angaben ein humanitärer Korridor zwischen der Ukraine und dem Bosporus - der Meerenge zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer. Demnach wird der Export von einem gemeinsamen Koordinationszentrum mit Vertretern der Vereinten Nationen, Russlands der Ukraine sowie der Türkei in Istanbul überwacht. Ein ranghoher UN-Funktionär nannte das Zentrum den „Herzschlag der Operation“.

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Wird im Hafen von Odessa faktisch eine Waffenruhe gelten?

Zudem einigten sich die Parteien den Angaben zufolge darauf, dass Schiffe mit dem Ziel Ukraine zunächst in Istanbul durchsucht werden, um sicherzustellen, dass sie keine Waffen oder Ähnliches geladen haben. Eine weitere Kontrolle solle es dann in der Türkei geben, wenn die Schiffe aus der Ukraine kommend das Schwarze Meer wieder verlassen wollen. Damit solle sichergestellt werden, dass ausschließlich Getreide an Bord ist. Das war eine Bedingung Russlands gewesen.

Schiffe in dem humanitären Korridor und die beteiligten Häfen dürften dabei nicht angegriffen werden. Dieser Punkt wird in New York so interpretiert, dass an diesen strategisch wichtigen Orten - zum Beispiel im Hafen Odessas - faktisch eine Waffenruhe gelten soll. Das Abkommen soll den Angaben zufolge zunächst für vier Monate gelten. Der UN-Funktionär machte aber deutlich, dass eine Verlängerung bis zum Ende des Krieges angestrebt werde. Die Umsetzung des Abkommens - und damit die Ausfuhr von Nahrungsmitteln aus der Ukraine - könnte nach UN-Angaben noch einige Wochen dauern.

Darum ist das Getreide aus der Ukraine so wichtig

Nach aktuellen Daten der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO zählen die Ukraine, aber auch Russland, zu den weltweit wichtigsten Weizen-Lieferanten. Laut der UN-Handelsorganisation Unctad bezogen vor dem Krieg 36 Länder mehr als die Hälfte des Getreides aus den beiden Ländern.

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Abhängig sind auch Länder, in denen ohnehin schon viele Menschen an Hunger leiden, etwa Burkina Faso oder die Demokratische Republik Kongo. Auch nordafrikanische Staaten wie Tunesien oder Libyen bezogen viel Weizen aus der Ukraine und Russland.

Nicht nur der Wegfall der Lieferungen aus der Ukraine sorgt für Probleme. Die Verknappung des Angebots hatte auch einen Anstieg der Preise zur Folge. So waren die weltweiten Weizenpreise laut FAO im Juni fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Darunter leiden auch Länder, die nicht unmittelbar von Importen aus der Ukraine abhängig sind. Die nun erzielte Einigung zur Ermöglichung der Ausfuhren könnte die Not zumindest etwas abschwächen.

RND/dpa/epd

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