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Getreide, Ölsaaten & Co.

Ukrainische und russische Grundnahrungsmittel: Welche Staaten sind am stärksten abhängig?

Erntereifer Weizen leuchtet auf einem Getreidefeld bei Nieder-Erlenbach vor blauem Himmel. (Symbolbild)

Seit Ende Februar herrscht Krieg in der Ukraine und inzwischen ist klar: Die russischen Angriffe auf das Land werden nicht so schnell enden – und damit bleibt auch die Ausfuhr von Lebensmitteln aus der Ukraine zunächst auf unbestimmte Zeit blockiert.

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Auch Russland wird als Lieferant unzuverlässig, weil es sich im Krieg befindet und zunächst bis Ende Juni einen Exportstopp für Weizen verhängt hat. Das ist für viele Länder dramatisch, denn so fallen zwei der größten Exporteure von Grundnahrungsmitteln quasi aus. Die Hungerkrisen verschärfen sich.

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen zum Beispiel, dass zwei Drittel der weltweiten Exporte von Sonnenblumenöl auf Russland und die Ukraine entfallen. Beim Sonnenblumenkuchen, der bei der Ölproduktion anfällt und als Tierfutter genutzt wird, liegen die Zahlen sogar noch höher. Der Exportanteil beider Länder bei Weizen liegt bei 28 Prozent und auch bei Gerste, Mais und Raps spielen sie eine bedeutende Rolle.

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Weizen: Somalia und Benin zu 100% abhängig

Besonders dramatisch wird die Lage nun für viele Entwicklungsländer, die stark von den ukrainischen und den russischen Exporten abhängig sind – vor allem in Afrika und Asien. So bezieht etwa Somalia 100 Prozent seines Weizens aus der Ukraine und Russland.

Laut den Vereinten Nationen sind in dem Land derzeit hunderttausende Menschen von Hunger und Tod bedroht, weil es dort zu wenig regnet und es seit Jahren massive Ernteausfälle gibt. Weitere Länder, deren Weizenimporte sehr stark von der Ukraine und Russland abhängen, sind Benin, Laos, Ägypten und Sudan.

Deutschland importiert vergleichsweise wenig Weizen aus der Ukraine, wie Daten des International Trade Centers zur Verteilung der ukrainischen Weizenexporte zeigen. So erhält Deutschland nur 0,04 Prozent der Gesamtexporte. Bei Weichweizen, der zur Mehlherstellung verwendet wird, ist die Bundesrepublik überhaupt nicht auf Importe angewiesen.

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Der meiste Weizen aus der Ukraine geht an Ägypten (17 Prozent), Indonesien (15,1 Prozent), Bangladesch (8,4 Prozent), Pakistan (6,9 Prozent), Türkei (5,6 Prozent) und Marokko (5,3 Prozent).

Wegen der Blockade von Schwarzmeer-Häfen durch Russland kann die Ukraine nach eigenen Angaben mehr als 23 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten nicht exportieren. Dies teilte Ministerpräsident Denys Schmyhal am Mittwoch auf seinem Telegram-Kanal mit.

Trotz des seit mehr als drei Monaten dauernden russischen Angriffskriegs seien aber 75 Prozent der Vorjahresflächen bestellt worden. Das Landwirtschaftsministerium arbeite nun an der Einrichtung mobiler Silos, um die Lagerkapazitäten um zehn bis 15 Millionen Tonnen zu erhöhen.

Russland hatte die Ukraine Ende Februar überfallen. Seither blockiert es die für den Export wichtigen Häfen am Schwarzen Meer. Der Rückgang ukrainischer Agrarexporte hat in vielen Ländern zu steigenden Lebensmittelpreise geführt.

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Russland weist dagegen jegliche Schuld von sich. Außenminister Sergej Lawrow machte bei einem Besuch in der Türkei am Mittwoch die Ukraine selbst dafür verantwortlich. Die Ukraine weigere sich bislang, ihre Häfen zu entminen oder anderweitig Durchfahrten von Frachtschiffen zu gewährleisten, sagte Lawrow nach einem Treffen mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Ankara. Konkrete Ergebnisse wie etwa die Einrichtung eines Sicherheitskorridors brachte das Treffen nicht.

Lawrow spielt Ausfuhrblockade herunter – „ein Problemchen“

Lawrow spielte die weltweite Sorge vor Hungerkrisen herunter. Das Problem beim Export von ukrainischem Getreide werde vom Westen als „universelle Katastrophe“ eingestuft, obwohl der ukrainische Anteil an der weltweiten Produktion von Weizen und anderen Getreidearten weniger als ein Prozent ausmache.

Später fügte Lawrow hinzu: „Von unserer Seite gab es nie irgendwelche Hindernisse, um dieses Problem – in Wirklichkeit ein Problemchen, es ist klein – zu lösen. Sollten die Kiewer Behörden reifen, werden wir nur zu gerne kooperieren.“

RND/toe/dpa

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